Gasherbrum I Panorama

Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

Mount Everest, K2, Kanchenjunga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga Parbat, Broad Peak, Annapurna I, Gasherbrum, Shisha Pangma und viele andere

Home   nach oben

Gipfelpanorama 
vom Gasherbrum I, 8068 m (Hidden Peak)

 

Die folgend vorgestellten Bergsteiger haben Fotos für die Sichten vom Gasherbrum I zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich auch an dieser Stelle sehr herzlich.

Dieter Porsche

Das Tourenbuch von Dieter Porsche weist zahlreiche Besteigungen auf der ganzen Welt auf, u.a. Spantik, Ama Dablam, Cho Oyu, Shisha Pangma, Khan Tengri, Aconcagua, Pik Korjenevskaja, Gasherbrum II, Broad Peak, Gasherbrum I (Hidden Peak), Nanga Parbat, Everest-Südgipfel, Manaslu, Dhaulagiri I, Satopanth, Pik Lenin. Weiterhin sind Besteigungsversuche sowie viele große Touren in den Alpen verzeichnet. Vieles mehr finden Sie auf seiner Website.

3 Bücher hat Dieter Porsche veröffentlicht, die alle im Buchhandel erhältlich sind:

- Der weiße Berg - Überlebenskampf am Dhaulagiri. Ausführlicher Expeditionsbericht mit vielen
  Bildern. 
  Die Buchbesprechung finden Sie hier.
- Everest - Nanga Parbat - Dhaulagiri I. Großer Bildband mit erklärenden Texten. 
  Die Buchbesprechung finden Sie hier.
- Der versteckte Achttausender - Triumph und Tragödie am Hidden Peak. Ausführlicher
  Expeditionsbericht mit vielen Bildern. 
  Die Buchbesprechung finden Sie hier.

Die Website von Dieter Porsche ist www.alpin-extrem.de.

Gerlinde Kaltenbrunner und 
Ralf Dujmovits
- das Bergsteigen ist z.Zt. ihr Beruf - haben mit zwei weitere Fotos zu dieser Seite beigetragen. Die vom Gipfel mit Teleobjektiv gemachte Aufnahme zum Baltoro-Gletscher ergänzt die Aussicht nach Westen und macht deutlich, von welchen Bereichen des Baltoro-Gletschers der Gipfel des G I überhaupt zu sehen ist. Nicht von ungefähr heißt der Berg auch Hidden Peak.

Am 25. Juli 2004 erreichten Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits den Gipfel. Wie gefährlich der etwa 45 Grad steile Schneehang in der Nordflanke des Berges unterhalb des Gipfels ist, belegt das Ereignis während des Abstiegs, bei dem sie beide um ein Haar von einem abstürzenden Spanier mit in den Tod gerissen worden wären. Die Erzählung von diesem Ereignis aus dem Buch "2 x 14 Achttausender" finden Sie unten unter dem Titel "Schatten am Gasherbrum".

Als Ralf Dujmovits am 20. Mai 2009 den Gipfel des Lhotse (8516 m) erreicht hatte, war er der 16. Mensch, der alle 14 Achttausender bestiegen hatte. Am 23. August 2011 zählte auch seine Frau Gerlinde Kaltenbrunner mit der Besteigung des K2 über die Nordflanke zu denjenigen, die alle 14 Achttausender bestiegen haben; sie ist die Nr. 25 in der Liste. Als erste Frau hat sie alle Gipfel ohne Verwendung künstlichen Sauerstoffs bestiegen. Kaltenbrunner und Dujmovits sind damit auch das erste Ehepaar, bei dem beide Partner alle Achttausender bestiegen haben, 6 davon gemeinsam nach dem Kennenlernen im Jahr 2002. Viele weitere Gipfel aus allen Erdteilen stehen in ihren Tourenbüchern.

Über ihre Besteigungen der 14 8000er berichten sie in ihrem Bildband "2 x 14 Achttausender", der im Jahr 2012 erschienen ist. Die Buchbesprechung finden Sie hier.

Die Website von Gerlinde Kaltenbrunner ist www.gerlinde-kaltenbrunner.at.
Die Website von Rald Dujmovits ist www.ralf-dujmovits.de.

Die Übersichtskarte des Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge in größerer Entfernung finden Sie hier.

© Die Rechte an den Fotos liegen ausschließlich bei den im Bild genannten Autoren. Eine Verwendung der Bilder mit Eintragungen ist nur mit schriftlicher Zustimmung der Bildautoren und von Günter Seyfferth erlaubt.

 

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Nordwesten

Es gibt nur diese eine Stelle im Himalaya, an der gleich vier Achttausender auf so kleinem Raum anzutreffen sind: K2, G I, Broad Peak und G II am östlichen Ende des Baltoro. 
Zusammen mit den weiteren hohen Siebentausendern und den Granittürmen ist die Bergregion rund um den Baltoro-Gletscher die spektakulärste Gebirgslandschaft der Erde.
Die vier Achttausender des Karakorum stellen noch eine Besonderheit dar: Es sind die einzigen Achttausender, die von keinem bewohnten Ort aus zu sehen sind.
Übrigens ist die Erdkrümmung "daran Schuld", dass man vom Gasherbrum I nicht den gesamten Karakorum sieht. 
Am oberen Bildrand wäre sonst auch noch die Batura-Kette nördlich des Hunza-Flusses zu sehen. 
So aber versteckt sich dieser Gebirgszug hinter den hohen Siebentausendern des Hispar-Muztagh.

Foto: Dieter Porsche, 1998; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des Hispar Muztagh zur Erläuterung der Sicht auf die entfernten Berge im linken Bildteil finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Rakaposhi 203,9 km Muztagh Tower 32,3 km Kanjut Sar 126,8 km Gasherbrum IV South 8,4 km Gasherbrum III 6,2 km K2 24,0 km
Baintha Brakk 88,5 km Kunyang Chhish 144,1 km Chiring 81,7 km Skamri 65,2 km Broad Peak 14,9 km Gasherbrum II East 4,2 km
New Christal Peak 21,5 km Pumari Chhish 140,8 km Disthegil Sar 151,1 km Karun Koh 175,3 km Broad Peak Central 15,8 km Peak 7175 26,2
Marble Peak 19,3 km Trivor 157,9 km Yukshin Gardan Sar 132,3 km Summa Ri 27,5 km Gasherbrum II 5,3 km Skyang Kangri West 25,1 km

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Nordosten 
(klicken Sie auf das Foto, um es in doppelter Größe zu sehen)

Wir blicken hier in eine vollkommen unbewohnte Landschaft auf chinesischem Staatsgebiet. 
Der Zugang zu den Ost- bzw. Nordflanken der vier Achttausender erfolgt über den Aghil-Pass und dann durch das Shaksgam-Tal.
Der Shaksgam muss mehrfach überquert werden, was zum lebensgefährlichen Unterfangen werden kann, wenn die Schneeschmelze eingesetzt hat. 
Dann helfen - wenn überhaupt- nur noch die Kamele der Karawanenführer aus den nördlich des Gebirges gelegenen Regionen. Man kann auch wochenlang abgeschnitten sein.

Foto: Dieter Porsche, 1998; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

 

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Osten 
(klicken Sie auf das Foto, um es in doppelter Größe zu sehen)

Auch in dieser Region gibt es keine Siedlung. 
Die ersten Erforscher des östlichen und südöstlichen Teils des Karakorum nahmen wochenlange Anmärsche auf sich und mussten ein stattliches Maß an Wagemut aufbringen, 
um unbekannte Pässe, wilde Gletscher und reißende Flüsse zu überwinden. Wer ihre Berichte liest, kommt nicht umhin, diesen Leistungen die allergrößte Hochachtung entgegenzubringen.

Foto: Dieter Porsche, 1998; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge in der rechten Bildhälfte finden Sie hier.

 

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Südosten

Es gibt außerhalb von Arktis und Antarktis keine Gebirgsregion auf der Erde, die so stark vergletschert ist wie der südöstliche Karakorum. 
Der Bereich, den wir hier sehen, liegt mit Ausnahme der Zone rechts vom Teram Kangri noch auf chinesischem Staatsgebiet. 
Weiter nach rechts schließt dann die Zone an, um die sich Indien und Pakistan im sog. Kashmir-Konflikt streiten.

Foto: Dieter Porsche, 1998; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge in der rechten Bildhälfte finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Teram Kangri III 41,5 km Teram Kangri II 46, 8 km Singhi Kangri 29,5 km Rimo III 71,6 km Rimo I 73,4 km Urdok I 3,8 km
Teram Kangri I 45,4 km Apsarasas Kangri I 54,4 km Peak 6815 27,3 km     Chong Kumdan I 99,8 km Urdok II 8,0 km

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Süd-Süd-Ost

Hier haben wir den zentralen und westlichen Teil des südöstlichen Karakorum vor Augen. Am linken Rand verläuft der Siachen-Gletscher nach Südosten, der mit 71 km längste Gletscher des Himalaya.
Auf dem Conway-Sattel ist pakistanisches Militär stationiert. Im Gletschergebiet jenseits des Passes leisten indische Soldaten ihren extrem harten Militärdienst.
Schlechtes Wetter, Kälte, Lawinen, Gletscherspalten sind der größte Feind der bedauernswerten Soldaten. Ein absurder Krieg um unbewohntes Land.
Der größte Teil des südöstlichen Karakorum ist militärisches Sperrgebiet. Keine Expeditionen, keine Trekking-Touren.
Vorne unten sehen Sie einen Teil der Route der Erstbesteiger von 1958, die heute aus militärischen Gründen gesperrt ist.
Den Bericht zur erfolgreichen amerikanischen Expedition aus dem Jahr 1958 finden Sie hier.

Foto: Dieter Porsche, 1998; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Urdok III 7,4 km Sia Kangri I 9,0 km K12 56,1 km Mt. Ghent I 24, 8 km Depak 22, 9 km Chogron Kangri 24, 7 km
Mamostong Kangri 102,8 km Mt. Hardinger 13,2 km Mt. Ghent II 24,2 km P 6157 17, 7 km Saltoro Kangri 38,7 km Silver Throne 19, 2 km
Saser Kangri I 135,2 km Sia Kangri IV 7,9 km     Sia La 17, 5 km Sherpi Kangri 29,7 km Conway-Saddle 8,8 km

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Süd-Süd-West
(klicken Sie auf das Foto, um es in doppelter Größe zu sehen)

Würden nicht die Gebühren für die Besteigungen der Gipfel am Baltoro der pakistanischen Staatskasse so gut tun, so dürfte wohl auch hier kein Bergsteiger oder Trekker zu finden sein.
Vom Gipfel des Gasherbrum I blickt man direkt in die Artillerie-Stellung der Pakistani am Conway-Sattel. Auf dem Baltoro- und dem Abruzzi-Gletscher ziehen Militärkolonnen ihre Bahnen.
Das Basislager am Abruzzi-Gletscher (unterhalb des Felssporns rechts) wird wohl oder übel geduldet, Richtung Conway-Sattel versprerren aber Militärposten den Weg.
Die Route der Erstbesteiger des Gasherbrum I (links vorne) ist heute vom Militär blockiert. Erst seit dem Einfall der Inder 1984 ist der südöstliche Karakorum Kriegsgebiet.

Foto: Dieter Porsche, 1998; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge im linken Bildteil finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge im mittleren und rechten Bildteil finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Mt. Ghent II 24,2 km Sherpi Kangri 29,7 km Baltoro Kangri V 10,4 km Gasherbrum I P 7069 2,6 km K6 36,4 km Chogolisa 16,5 km
Mt. Ghent I 24, 8 km Silver Throne 19,2 km Baltoro Kangri III 9,7 km Link Sar 31,8 km Kaberi Peak 16, 7km Honboro 53,6 km
Saltoro Kangri 38,7 km Conway-Saddle 8,8 km Baltoro Kangri I 9,2 km K7 30,9 km Drafey Khar 39,6 km Khumul Gri 16,3 km

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Westen
(siehe auch das folgende Bild, das den rechten Bildteil vergrößert zeigt)
Die entgegengesetzte Sicht vom Gipfel des Nanga Parbat finden Sie hier.

Foto: Dieter Porsche, 1998; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte zur Erläuterung der Sicht auf die entfernten Berge im rechten Bildteil finden Sie hier.

 

Hier ist die Erdkrümmung zu erkennen!

Bitte schauen Sie doch mal in aller Ruhe zum Masherbrum links der Bildmitte. Links und rechts des Gipfels sind zwei Berge zu erkennen, die wesentlich weiter entfernt sind. Es sind der Nanga Parbat und der Chongra Peak. Wir beschäftigen uns aber nur mit dem Nanga Parbat.

Der Fotograf steht auf 8068 m Höhe. Der Nanga Parbat ist 8125 m hoch, der genau auf der Sichtlinie zum Nanga Parbat stehende Masherbrum ist 7821 m hoch. Wäre die Erdoberfläche nicht gekrümmt, würde man über den Masherbrum hinweg den Gipfel des Nanga Parbat sehen, d.h. der Gipfel des Masherbrum würde tiefer als der Gipfel des Nanga Parbat zu sehen sein. Tatsächlich aber steht der Gipfel des Masherbrum höher als der Gipfel des Nanga Parbat.  Stellt man sich die nach oben gewölbte Oberfläche der Erdkugel in Richtung Nanga Parbat vor, so steht der Masherbrum auf dieser Wölbung und überragt damit sogar die Sichtlinie zwischen den beiden höheren Gipfeln. Wertet man die geometrischen Verhältnisse genau aus, so ergibt sich, dass der Gipfel des Masherbrum 205 m oberhalb der Sichtlinie zu sehen liegt.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Tasa Brakka 22,2 km Nanga Parbat 198,2 km Biarchedi I 26,8 km Mitre Peak 17,5 km Gasherbrum V 7,5 km Haramosh II 153,4 km
Ghondogoro La 21,5 km Masherbrum 36,3 km Biarchedi II 27,2 km Payu Peak 52,3 km Great Trango Tower 45,1 km Laila Peak 158,4 km
Hunch Bakk 51,0 km Chongra Peak 188,3 km Urdukas Peak 40,7 km Choricho 55,8 km Haramosh 162,6 km Malubiting 166,8 km
Gasherbrum VI 6,1 km Mandu Peak 38,5 km Khoser Gunge 95,1 km Uli Biaho Tower 49,4 km Mani Peak 156,8 km Rakaposhi 203,9 km

Blick vom Gipfel des Gasherbrum I nach Westen (mit Teleobjektiv)
(klicken Sie auf das Foto, um es in doppelter Größe zu sehen)

An diesem Bild kann man sehr gut nachvollziehen, dass man den Gasherbrum I nur von einem kleinen Bereich des Baltoro-Gletschers aus sieht - aber von dort zum größten Teil auch noch 
"versteckt" hinter dem Gasherbrum V (im Vordergrund). Der Berg wurde und wird also zu Recht auch "Hidden Peak" (versteckter Berg) genannt.

Foto: Ralf Dujmovits, 2004; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte zur Erläuterung der Sicht auf die entfernten Berge im rechten Bildteil finden Sie hier.

 

Gipfelzone des Gasherbrum I in der Nordflanke

 

Gasherbrum I von NW.jpg (101466 Byte) Gasherbrum I mit Route 
und Lager 3 in 7050 m Höhe,
fotografiert vom Lager 7000 am Gasherbrum II
Gasherbrum I Couloir.jpg (227822 Byte) Gerlinde Kaltenbrunner wühlt sich im oberen 
Bereich des Japaner-Couloirs durch den Tiefschnee
Gasherbrum I 6900.jpg (242481 Byte) Im oberen Bereich des Japaner-Couloirs.
Den Bericht von der ersten Besteigung über diese Route im Jahr 1986 finden Sie hier.
Gasherbrum I 8030 zum Gipfel.jpg (57713 Byte) Die letzten ca. 30 m am Gasherbrum I, 
steil und gefährlich. Oberhalb des Lagers 3 gibt es keine Möglichkeit einer zuverlässigen Seilsicherung.

( Klicken Sie auf die vorstehenden Bilder, wenn Sie sie in größerem Format sehen wollen.)

 


In 31 Stunden zum Gipfel
(nacherzählt nach dem Expeditionsbericht in "Der versteckte Achttausender")

Am 10. Juli 1998 um 8.00 Uhr steht Dieter Porsche auf dem Gipfel des Gasherbrum I. Er ist alleine, es ist windstill, und keine Wolke ist am weiten Himmel zu sehen. Ein solches Glück mit dem Wetter haben die Höhenbergsteiger nur ganz selten. Die Aussicht fast über den gesamten Karakorum und weit nach Tibet hinein ist überwältigend. Doch erst einmal ringen die Lungen nach Sauerstoff. Nach und nach wird der Pulsschlag langsamer, in Arme und Hände kehrt die Kraft zurück, um den Fotoapparat ruhig halten zu können.

Am 9. Juli um 1.00 Uhr war er zusammen mit Peter Guggemoos im Basislager in 5000 m Höhe aufgebrochen. Drei Stunden später haben sie die Eisbrüche des Süd-Gasherbrum-Gletschers hinter sich gebracht und Lager 1 in 5900 m Höhe erreicht. Nur zwei Stunden später stehen sie vor ihrem Zelt von Lager 2 in 6450 m Höhe westlich des Gasherbrum La. Der Tag hat gerade erst angefangen, und so steigen sie nach einem zweiten Frühstück um 8.00 Uhr in das sog. Japaner-Couloir ein, das durch die Nordflanke hinauf unter die Gipfelpyramide führt. An den Vortagen haben sie hier Fixseile angebracht. Dennoch ist der Aufstieg durch die bis 55 Grad steile Rinne aus Firn und Eis anstrengend, besonders die oberen Meter, wo im harten Eis die Frontzacken der Steigeisen kaum greifen. Dann wird der Hang flacher und der Platz für das Biwak in 7050 Meter Höhe ist erreicht. Jetzt ist es 12.00 Uhr und noch ausreichend Zeit, um im schnell aufgestellten Zelt auszuruhen. Schon hier ist die Aussicht phantastisch. 

Um 23.00 Uhr piepst der Wecker, um Mitternacht ist Aufbruch. Ab hier gehen die beiden Bergsteiger ohne Seilsicherung, denn in dem steilen Firn gibt es keine Sicherungsmöglichkeit und im Falle eines Sturzes würde der eine den anderen am Seil mit in die Tiefe reißen. Auf ein nicht zu steiles Firnfeld folgt ein Hängegletscher, dann kommt der immer steiler werdende Firnhang in der Nordflanke hinauf zum Gipfel. Peter Guggemoos geht es nicht so gut wie am Vortag, doch er versichert, dass er schon folgen werde, nur etwas langsamer. Irgendwann sieht Porsche auch den Schein der Stirnlampe nicht mehr und nimmt an, dass sein Kamerad umgekehrt ist. Sofort steigt die Anspannung: die psychologisch wichtige Nähe des Partners gibt es nicht mehr, jede Entscheidung ist alleine zu treffen. Porsche konzentriert sich auf den Ablauf des Steigens im steilen Firn: Pickelschaft zur Sicherung so hoch wie möglich in den Firn rammen, zwei, drei, vier Schritte nach oben, in der linken Hand einen Skistock, stehen bleiben und den fliegenden Atem etwas zur Ruhe kommen lassen, dann dasselbe von vorn. Der regelmäßige Takt beruhigt, doch inzwischen ist die Sonne aufgegangen, es ist windstill, und in dem Daunenanzug wird es immer wärmer. 
In 7850 m Höhe glaubt Porsche, nur noch die Wahl zwischen Umkehren oder Hitzschlag zu haben. Den Daunenanzug in diesem Steilhang auszuziehen, ist lebensgefährlich; aber umkehren, bei diesen idealen Verhälnissen? Er gräbt eine kleine Mulde als Standplatz. Dann folgt eine theaterreife Slapstick-Show am Achttausender: Oberkörper vom Daunenanzug befreien, Steigeisen an einem Schuh lösen und gegen Abgleiten sichern (wenn ein Steigeisen in die Tiefe fährt, ist er verloren!), Außenschuh ausziehen, Bein aus dem Daunenauszug, Schuh wieder anziehen, Steigeisen befestigen, dann dasselbe mit dem anderen Fuß und Bein, Erleichterung nach all den Verrenkungen. Jetzt aber ist der Rucksack umso voluminöser und schwerer. Die Wetterverhältnisse sind bestens, und so wagt es Porsche, den Rucksack incl. Biwaksack - an den Skistöcken gesichert - an Ort und Stelle zurückzulassen. Ein paar Fotos. Dann geht es weiter nach oben. Wenige Schritte, dann stehen bleiben, mühsame Atemzüge im Ringen um Sauerstoff, weiter. Von einem kleinen Sattel aus führt ein 60 Grad steiler Firngrat zum Gipfel. Es ist eine Himmelsleiter, die Angst macht, denn hier muss man - ohne Sicherung - auch wieder herunter (vergleiche nebenstehenden Bericht von Ralf Dujmovits). Porsche wagt es und steht um 8.00 Uhr auf dem Gipfel - 31 Stunden, nachdem er das Basislager verlassen hat. In den folgenden 60 Minuten entstehen seine Fotografien, die wir oben sehen. So können wir alle an der phantastischen Aussicht teilhaben.

Erst im Abstieg am Biwak erfährt Porsche, dass Peter Guggemoos auf dem Hängegletscher ausgeglitten und etwa 400 m den Hang hinuntergerutscht ist. Mit einem schmerzenden Knie und ein paar Prellungen ist er glimpflich davon gekommen. Um 16 Uhr kommen beide am Zelt des Lagers 2 in 6450 m Höhe an, trotz starker Schmerzen beim Verunglückten. Einen Tag später sind sie wieder im Basislager.


Schatten am Gasherbrum
(aus "2 x 14 Achttausender" mit den Worten von Ralf Dujmovits)

Langsam, Schritt für Schritt steigen wir ab: Gerlinde, Hirotaka Takeuchi, Peter Fessler, Qudrat und ich. 
Vor knapp einer halben Stunden standen wir zusammen auf dem Gipfel des Gasherbrum I - jetzt klettern wir ungesichert über die etwa 45 Grad steile Aufstiegsroute hinunter.

Als der Wind etwas nachlässt, gönnen Gerlinde und ich uns eine kurze Pause. Ich krame die Thermos- flasche aus dem Rucksack, Gerlinde steht mir gegenüber, eine Armlänge entfernt. Plötzlich nehme ich aus dem Augenwinkel wahr, dass etwas Dunkles in hohem Tempo auf uns zustürzt. Rasend schnell kommt es näher. Instinktiv stoße ich Gerlinde zur Seite, springe selbst nach hinten - im nächsten Augenblick stürzt ein Körper zwischen uns hindurch. Es ist ein furchtbarer Anblick: ein Mensch, haltlos, willenlos, ein Opfer der Schwerkraft, rutschend, fliegend, immer wieder aufschlagend. Unsere Euphorie weicht schlagartig einem stillen Entsetzen.

Gerade eben hatten wir noch durch hüfttiefen Neuschnee über den Gipfelgrat des Gasherbrum I gespurt. Am höchsten Punkt angekommen, herrschte grenzenlose Freude. Gerlinde, Hirotaka, Peter, Quadrat und ich umarmten uns überglücklich, ein ums andere Mal. Nach endlos scheinenden Wochen schlechten Wetters standen wir endlich ganz oben. ... Der Blick auf das Gipfelmeer entlang des Baltoro-Gletschers bis weit hinaus zum Nanga Parbat ist unbeschreiblich.Wie sich die vielen Gipfel und Granitnadeln aneinander reihen - so viele Erinnerungen, so viele Pläne! Wir beglückwünschen die Holländer Katja und Henk, das bergsteigende Paar ist mit uns am Gipfel angekommen. Nach etwa 20 Minuten machen wir  uns, schon etwas ausgekühlt, auf den Weg nach unten. Wenige Meter unterhalb des Gipfels kommt uns der Spanier José entgegen. Er ist komplett verausgabt und erreicht als Letzter an diesem Tag den Gipfel. Wir geben ihm kurz die Hand, wechseln ein paar Worte und steigen in die lange, steile Gipfelflanke ein.

Mechanisch setzen wir einen Schritt vor den anderen - bis dieser Körper an uns vorbei in die Tiefe stürzt. Wir haben keine Chance, ihn aufzuhalten. Es ist ein Wunder, dass er uns nicht mitgerissen hat. Fassungslos blicke ich Gerlinde in die Augen. Dann sammle ich mich und steige, so schnell es in der Höhe möglich ist, dem Körper hinterher. Wir wissen nicht, wer da gerade an uns vorbei gestürzt ist, verpackt in einen roten Daunenanzug.

Noch nie in meinem Leben bin ich so schnell abgestiegen. "Runter, runter", denke ich. Wenn Hilfe etwas bringen kann, dann nur so schnell wie möglich. Atemlos erreiche ich das leblose Bündel, das 800 Höhenmeter abgestürzt ist. Es sieht friedlich aus, liegt im Schnee mit ausgebreiteten Armen. Es ist José. Sein Kopf ist blutüberströmt und völlig verdreht. Hier kann niemand mehr helfen. Ich setze mich in den Schnee und weine.

Eine Viertelstunde später wirft sich Henk, der Holländer, schluchzend auf den reglosen Körper. Es dauert einige Augenblicke, bis ich das Missverständnis durchschaue: Henk war in der Gipfelflanke etwas oberhalb von uns abgestiegen und hatte den fallenden Körper ebenfalls gesehen. Wegen des roten Daunenanzugs glaubte er, er habe gerade den Tod seiner Frau miterlebt. Jetzt ist er völlig aufgelöst. Erst nach einigen Minuten versteht er, dass der tote Körper nicht seine Frau ist, sondern José.

Einen Tag nach dieser Trgödie sind wir zurück im Basislager. Josés Angehörige hatten über Satellitentelefon gebeten, ihn direkt vor Ort zu bestatten. Etwas oberhalb von Lager III beerdigen wir seine Überreste mit einer würdevollen Zeremonie im ewigen Eis. Wir sind froh, dass Josés Familie so entschieden hat. Die Leiche durch das "Japaner-Couloir", über das kombinierte Gelände ins Lager II und durch die Eisfälle ins Basislager zu transportieren, wäre mit große Risiken für die Bergenden verbunden gewesen.

Noch Stunden nach unserer Rückkehr sitzen Gerlinde und ich müde im Messzelt. Wir versuchen erst gar nicht, ein belangloses Gespräch zu führen: Josés Unfall, den wir zusammen miterlebten, hat uns mit aller Härte vor Augen geführt, wie schnell und unerwartet der Tod am Berg eintreten kann. Jetzt kreisen unser beider Gedanken um die eine, essentiell wichtige Frage: Was, wenn es den Ehepartner, den Geliebten, die Gerlinde oder den Ralf treffen würde?

Die Geschichte der Erkundung, der Erstbesteigung und der Erstbegehung neuer Routen am Gasherbrum I
finden Sie in ausführlicher Form einschl. Fotos mit eingetragenen Routen hier.

nach oben

 horizontal rule

Copyright © Guenter Seyfferth, 2006. Aktualisierter Stand vom 05.11.2016. Alle Rechte vorbehalten.

Impressum, Haftungsausschluss, Copyright, Datenschutz


Wenn Sie mit mir Kontakt per E-Mail aufnehmen wollen, können Sie dies hier tun: [E-Mail senden]. 
Bitte haben Sie Verständnis,  dass ich nur Mails beantworte, welche Name und Anschrift des Absenders enthalten.  Ihre Daten werden nicht weitergegeben.

Bitte beachten Sie, dass ich keinerlei Auskünfte erteile zu Reiseveranstaltern, Transportmöglichkeiten, Unterkünften, Ausrüstung, Verpflegung, Führern, Trägern etc.