Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

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Nordwestlicher Karakorum (Batura - Hunza- Nagar)

 

Quellen der Detail-Informationen:

- A Study of Karakorum & Hindukush Mountains, Edited by Tsuneo Miyamori & Sadao Karibe
  Map no. 5 - Batura Glacier & Hunza, 1 : 150.000
- Alpenvereinskarte Hunza-Karakorum 1 : 100.000
- Wolfgang Heichel: Chronik der Erschließung des Karakorum, Teil 1 - Western Karakorum
- Wolfgang Heichel: Chronik der Erschließung des Karakorum, Teil 2 - Central Karakorum I
(Bestellmöglichkeit über den Link)

Dank an die Autoren der Bilder:

Ich bedanke mich sehr herzlich bei den Autoren, die mir die Erlaubnis zur Wiedergabe ihrer Bilder gegeben haben. Mein besonderer Dank gilt den Autoren der Luftbilder, denn gute Luftbilder des Karakorum sind sehr selten. Hervorzuheben ist das Entgegenkommen des Berufsfotografen Jon Bowles für die Bereitstellung der Bilder Nr. 1, 2, 14 und 18. Er hat bereitwillig meiner Bitte entsprochen, diese Präsentation des Karakorum mit seinen hervorragenden Bildern zu unterstützen, obwohl er an sich darauf angewiesen ist, mit seiner Arbeit Geld zu verdienen. Als Dank erlaube ich mir den besonderen Hinweis auf seine Website http://www.jonbowlesphotography.co.uk/ auch an dieser Stelle. Von dort kann Kontakt mit Jon Bowles aufgenommen werden, wenn der Wunsch besteht, hochwertige Farbabzüge seiner Bilder zu erwerben - natürlich ohne Eintragungen.

Links zu zugehörigen Informationen  dieser Website:

- Gesamtübersicht über den Himalaya
- Karakorum - Übersicht
- Karakorum aus der Luft

- Gipfelliste "Gipfel > 6750 m"
- Gipfelliste "Berge im Karakorum"
- Hohe Siebentausender - Batura und Hohe Siebentausender - Rakaposhi
- Bildergalerien zum nordwestlichen Karakorum
- Aussichtspunkt Rash Lake und Rash Phari

 

Öffnen Sie die Bilder im Großformat!

Beschreibung der Topografie der Region:

Im Zentrum des nordwestlichen Karakorum liegt das Hunza-Tal. Der Hunza-River entspringt im Norden an der pakistanisch-chinesischen Grenze. Er heißt dort zwar noch Khunjerab River, aber so ist das bei vielen Flüssen in Pakistan. Der Fluss wendet sich bald nach Süden und passiert dabei den großen Batura-Gletscher bei der Ortschaft Pasu. Dann schwenkt er nach Westen, fließt in einem Einschnitt zwischen künstlich bewässerten Hangflächen hindurch bis zum Ort Chalt, wo er dann wieder die Richtung nach Süden nimmt, um sich bei Gilgit mit dem gleichnamigen Fluss zu vereinigen und kurz danach in den Indus zu münden. Dieser letzte Abschnitt ist bei der Region des westlichen Karakorum beschrieben.

Am 4. Januar 2010 veränderte ein gewaltiges Naturereignis das Hunza-Tal zwischen Gulmit und Karimabad in dramatischer Weise: Ein Bergsturz am Südhang des Attabad verschüttete das Tal einschl. des Karakorum Highway, riss 19 Bewohner des Dorfes Attabad in den Tod und staut seither den Hunza-Fluss zu einem großen See auf, der bis nördlich von Gulmit reicht. Näheres dazu finden Sie am Ende dieser Beschreibung.

Die Landschaft des nordwestlichen Karakorum wird durch die gewaltigen Gebirgskämme des Batura-Muztagh und der Rakaposhi-Kette geprägt:

(1) Luftbild des Rakaposhi (7788 m) und des Batura-Muztagh von Süd-Südwesten
(im Großformat ist die Beschriftung gut lesbar)
Zwischen den beiden Gebirgsketten liegt der von Osten nach Westen verlaufende Abschnitt
des Hunza-Tales.
Copyright des Fotos: Jon Bowles, www.flickr.com und  http://www.jonbowlesphotography.co.uk/ Beschriftung: Günter Seyfferth

(2) Luftbild zum Shispare (7611 m) und Ultar (7388 m) von Süd-Südwesten
(im Großformat ist die Beschriftung gut lesbar)
Diese beiden Gipfel bilden das südöstliche Ende des Batura Muztagh.
Der Ultar steht unmittelbar über Karimabad, dem Hauptort des Hunza-Tales (vergl. Bild Nr. 4).
Um den Fuß des Gebirgskamms rechts außerhalb des Bildes erstreckt sich
der Attabad-Lake, der am 4. Januar 2010 durch einen gewaltigen Bergsturz entstanden ist.
Copyright des Fotos: Jon Bowles, www.flickr.com und  http://www.jonbowlesphotography.co.uk/ Beschriftung: Günter Seyfferth

Der Batura-Muztagh im Norden ist eine rund 50 km lange durchgehende Mauer, die nur an wenigen Stellen unterhalb der Höhenmarke von 7000 m liegt. Der Batura Muztagh ist Teil des sog. Great Karakorum (siehe Übersicht Karakorum). Die Bergkette im Süden vom Rakaposhi bis zum Malubiting/Spantik ist kaum weniger beeindruckend; sie ist Teil des südlichen Lesser Karakorum. Es sind gewaltige Gebirgszüge, deren Dimensionen durch Bilder alleine nur schwer vermittelt werden können. Vom Boden des Hunza-Tals aus bestehen hier mit die größten Höhenunterschiede des gesamten Himalaya. Der Mittelteil des Hunza-Tals liegt auf nur 1800 bis 2100 m Höhe, während die Gipfel bis zu 7794 m am Batura I bzw. 7788 m am Rakaposhi aufragen. Der Gipfel des Rakaposhi steht um knapp 5900 m oberhalb des Ortes Ghulmet (siehe Bild Nr. 3) bei nur 9 km Entfernung; der Gipfel des Ultar (7388 m) um 5300 m oberhalb von Karimabad bei nur 8 km Entfernung (siehe Bild Nr. 4).

(3) Blick vom Ort Ghulmet am Karakorum Highway in die Nordwand des Rakaposhi (7788 m)
Der Hunza River verläuft hier in 1900 m Höhe, d.h. der Gipfel steht rund 5900 m oberhalb der Talsohle.
Es gibt im gesamten Himalaya keinen größeren Höhenunterschied auf so kurze Entfernung.
Nördlich des Tales steht der Batura I, 7794 m hoch, aber 30 km entfernt und
- bedingt durch Vorberge - vom Tal nicht sichtbar.

(4) Blick vom Hunza-Fluss nach Norden zum Bojohagur Duanasir (7329 m, links) und Ultar (7388 m)
Links unten sieht man das Fort Baltit in Karimabad.
Auch dies ist ein Anblick, dessen Dimensionen kaum begreifbar sind.
Auf 2080 m liegt die Talsohle; 5300 m höher steht der Gipfel des Ultar.
Wer die Dimensionen unserer Alpen gewohnt ist, muss da erst mal anfangen zu rechnen,
um zu begreifen, dass hier alles doppelt bis dreifach so groß ist.

Foto: Tim Fulcher

In der Beschreibung wenden wir uns zunächst dem Gebirgskamm des Lesser Karakorum zu, dessen westlichster Teil vom Spantik bis zum Rakaposhi das Hunza-Tal im Süden begrenzt. Der andere, der Südabhang dieses Gebirgszuges in Richtung Indus ist hier beschrieben. Aus der Umgebung des Zentrums des Hunza-Tales Karimabad gewinnt man einen guten Überblick über diese Bergkette:

(5) Blick von einem Aussichtspunkt nordöstlich von Karimabad auf das Zentrum
des Hunza-Tales und die südlich gelegene Rakaposhi-Gruppe
mit Diran (7266 m, links) und Rakaposhi (7788 m)

Das Hunza-Tal ist der am dichtesten besiedelte Teil des gesamten Karakorum. Nördlich des Flusses lebt der Volksstamm der Hunza, südlich des Flusses der Volksstamm der Nagar. Im von Norden kommenden Tal des Flusses befinden sich die Orte Sost, Pasu, Hussaini, Yashbandan und Gulmit mit ihren durch künstliche Bewässerung geschaffenen grünen Oasen. Im mittleren, von Ost nach West verlaufenden Teil, den wir auf dem Bild sehen, sind die flacheren unteren Bereiche der Gebirgshänge in größerem Umfang kultiviert, beim Hauptort Karimabad mit dem Fürstensitz Fort Baltit wurde sogar eine durchgehend grüne Landschaft mit zahlreichen Obstgärten geschaffen. Entlang des Flusses, der sich nochmals etwas tiefer eingegraben hat, schlängelt sich der Karakorum-Highway, teilweise auf abenteuerlichen Trassen und gefährdet durch Steinschlag und Erdrutsche. Die Straße folgt einer uralten Handelsroute zwischen dem indischen Subkontinent und China.

Von Karimabad aus führt eine steile Tageswanderung mit 1500 m Höhenunterschied hinauf nach Ultar-Meadows, einer Hochalm am Rand des Ultar-Gletschers. Vorbei am Fort Baltit und entlang in den Fels geschlagener Bewässerungskanäle erreicht man die Ultar-Schlucht und dann Ultar-Meadows. Diesen Einschnitt in der Gebirgswand sehen Sie auf Bild Nr. 4. Auf dem Weg zur Schlucht besteht eine phantastische Aussicht auf die Berge im Süden - besonders beeindruckend Rakaposhi (7788 m) und Diran (7266 m). Von der Alm selbst sieht man dann nach Süden hin nur noch den Diran, dafür aber im Norden die Felsnadel des Lady's Finger (Bublimutin), des Hunza Peak und des Ultar, und das so nah, dass man den Kopf in den Nacken legen muss. Das schwarze Eis des steil abstürzenden Ultar-Gletschers ist kaum weniger beeindruckend. Übrigens: Man sollte sich hier nicht durch die Gipfelnamen Bojohagur Duanasir und Ultar verwirren lassen. Es ist ein einziger großer Gebirgsstock, dessen einzelnen Erhebungen verschiedene Namen gegeben wurden. Kurz gesagt: das Ganze ist der Ultar. 

Es gibt eine weitere interessante Trekking-Tour, auf der man den auf dem vorstehenden Bild sichtbaren beiden Siebentausendern Rakaposhi nund Dirna sehr nahe kommt. Am Weiler Minapin westlich von Karimabad gibt es einen eisfreien Aufstieg nach Süden entlang des Minapin-Gletschers, der bis auf 3500 m Höhe führt. Direkt am Gletscher gibt es eine idyllische Lagerwiese mit herrlichen Ausblicken:

(6) Blick vom Aufstieg am Minapin-Gletscher nach Südosten zum Diran (7266 m)
Foto: Tim Fulcher

(7) Blick vom Lagerplatz am Minapin-Gletscher nach Südwesten
in die Nordostwand des Rakaposhi (7788 m), vom Standort noch 4300 m hoch!
Foto: Tim Fulcher

Der Diran (7266 m) wurde erstmals im Jahr 1968 bestiegen, der Rakaposhi im Jahr 1958.

Östlich der Rakaposhi-Gruppe folgt die Phuparash-Gruppe mit den Gipfeln von Bulche, Miar, Malubiting und Spantik. Mit Ausnahme des Spanitk sind diese Gipfel von den Aussichtspunkten bei Karimabad aber nicht zu sehen. Der Spantik bietet von der Gegenseite, also vom Chogolungma-Gletscher im Südosten einen relativ leichten Anstieg. Näheres dazu finden Sie hier.

(8) Blick von einem Aussichtspunkt oberhalb vom Karimabad nach Südosten zum Spantik (7027 m)
In den hier sichtbaren Tälern wohnt der Volksstamm der Nagar, wobei sich deren
Siedlungsraum ebenfalls auf die bewässerbaren flacheren Hänge oberhalb
der eigentlichen Talsohlen erstreckt.
Links neben den unbenannten Sechstausendern beginnt das Hispar-Tal,
dessen Beschreibung Sie hier und hier finden.
Foto: Tim Fulcher

Auf dem vorstehenden Bild liegt vor dem Einschnitt zwischen den beiden unbenannten Sechtstausendern auf der linken Bildseite in 4620 m Höhe der Rash Lake, ein bekanntes Trekking-Ziel zusammen mit dem Ausssichtsgipfel Rash Phari. Von dort besteht eine hervorragende Aussicht auf die Berge des Lesser Karakorum und zum Batura-Muztagh. Wer Glück mit dem Wetter hat, sieht sogar den K2. Die Beschreibung dieser Aussichtspunkte Rash Lake und Rash Phari finden Sie hier. Zwei der dortigen Bilder seien hier zur Beschreibung des Lesser Korokorum eingefügt, ein drittes Bild leitet über zur Beschreibung des Batura Muztagh:

(9) Blick vom Rash Lake (4620 m) nach Süden zum Malubiting (7458 m)
(im Großformat ist die Beschriftung gut lesbar)
Der Spantik liegt links knapp außerhalb des Bildes (vergl. Bild 8)
Foto: Simon101; Beschriftung: Günter Seyfferth

(10) Blick vom Rash Lake (4620 m) nach Süd-Südwest zu den Miar Peaks
(im Großformat ist die Beschriftung gut lesbar)
Der Diran (7266 m, siehe Bild Nr. 5) folgt rechts außerhalb des Bildes.
Foto: Simon101; Beschriftung: Günter Seyfferth

(11) Blick vom Aufstieg zum Rash Lake nach Nordwesten zum Batura Muztagh
(im Großformat ist die Beschriftung gut lesbar)
Links der Bildmitte sind die grünen Flächen rund um Karimabad zu erkennen.
Foto: Simon101; Beschriftung: Günter Seyfferth

Vom Hunza-Fluss führen steile, enge Seitentäler an die nach Südwesten ausgerichteten Anhänge des Batura-Hauptkamms. In diesen Tälern liegen Gletscher von teilweise beträchtlicher Länge, deren Zungen bis auf 3000 bis 2500 m Höhe herunterreichen. An seinen Nordhängen ist der Batura-Muztagh stark vergletschert. Der Batura-Gletscher - mit 56 km Länge einer der längsten Gletscher des Himalaya - ist zusammen mit dem Pasu-Gletscher das Sammelbecken aller dortiger Schnee- und Eismassen. Der Batura-Gletscher fließt in seinem mittleren Teil auf Höhen zwischen 3800 und 3000 m, seine Zunge berührt bei Pasu den Karakorum-Highway auf einer Höhe von nur 2600 m! Während der Batura-Gletscher auf weite Strecken mehr als 2 km breit ist, ist der parallel verlaufende Pasu-Gletscher ein deutlich schmalerer und steilerer Eisstrom, der aber ebenfalls erst auf 2600 m Höhe kurz vor dem Ort Pasu ausläuft (siehe Bild 12 und 13).

Einen Überblick entsprechend vorstehender Beschreibung geben die folgenden Bilder:

(12) Blick von einem Aussichtspunkt östlich des Hunza-Tales nach Westen
nach Pasu und zum Pasu-Gletscher
In den Wolken verbergen sich die Gipfel von Shispare und Pasu.
Rechts blickt man in das Tal des Batura-Gletschers.
Der Hunza-Fluss fließt von rechts nach links; links außerhalb des Bildes
beginnt der neue See (Attabad Lake), der im Jahr 2010 durch den Bergsturz östlich
von Karimabad entstanden ist.
Foto: Tim Fulcher

(13) Blick vom Ort Pasu (Passu) zum Pasu-Gletscher und zum Shispare (7611 m)
Auch hier ist der Höhenunterschied noch gewaltig: bis zum Gipfel des Shispare sind es 5000 Höhenmeter.
Der Shispare wurde erstmals im Jahr 1974 bestiegen.
Foto: Tim Fulcher

Aus der Luft betrachtet lässt sich der Batura-Hauptkamm am ehesten als Ganzes begreifen, wenn auch die einzelnen Gipfel nicht in jedem Fall ganz leicht auszumachen sind. Das folgende Bild zeigt den Blick entlang des Hauptkamms von seinem östlichen Ende, d.h. das Flugzeug befindet sich in etwa über dem neuen Attabad-See. Im Großformat des Bildes erkennen Sie Nummern an den Gipfel; diese Nummern sind in der zugehörigen Legende erläutert. Es empfiehlt sich, das nebenstehende Bild Nr. 1 zu Verständnis mit heranzuziehen.

(14) Luftbild von Ost-Südost entlang des Batura-Hauptkammes
(im Großformat sind die Nummern im Bild sowie die Legende links oben gut lesbar)
Rechts verläuft der Batura-Gletscher, der mit 56 km Länge zu den längsten
Gletschern des Himalaya zählt. Seine Zunge berührt fast den Karakorum Highway.
Den Pasu-Gletscher rechts unten zeigen auch die Bilder Nr. 12 und 13.
Copyright des Fotos: Jon Bowles, www.flickr.com und  http://www.jonbowlesphotography.co.uk/ Beschriftung: Günter Seyfferth

Ultar (7388 m) und Bojogagur Duanasir (7329 m) links unten stehen unmittelbar über Karimabad (siehe Bild Nr. 4). Da der Hunza-Fluss dort genau nach Westen läuft, der Hauptkamm des Batura-Muztagh aber fast nach Nordwesten, wird der Abstand vom Fluss zum Gebirgskamm nach Westen hin immer größer. Im Westen des Gebirges ist also Raum für nach Süden verlaufende Seitentäler. Mehrere schmalere Gletscher von beträchtlicher Länge werden dort von den Lawinen des Hauptkamms genährt. Deren Abflüsse vereinen sich schließlich im Hasamabad Har und im Bola Das, die westlich von Karimbad bzw. bei Chalt in den Hunza münden. Vom Ultar selbst stürzt der Ultar-Gletscher sehr steil nach Ultar Meadows, einer Alm oberhalb von Karimabad, hinunter. Der Sangemar Mar (6949 m, Erstbesteigung 1984) und der Hachindar Chhish (6870 m, Erstbesteigung 1982) sind die prägnanten Gipfel südlich des Hauptkamms (siehe auch Bild Nr. 11).

Von Pasu aus verläuft eine Trekking-Route entlang des Nordrandes des Batura-Gletschers hinter der Moräne bis zum Lagerplatz Guchisham - ein äußerst beeindruckender Weg, auf dem die gewaltigen Nordabhänge des Batura-Muztagh ständig im Blick sind. Zunächst aber muss der Gletscher muss bei Pasu überquert werden. Die Alm Yashpirt vermittelt einen geradezu lieblichen Eindruck mit ihren grünen Wiesen. Um so größer ist der Kontrast zu der im Süden und Südwesten aufragenden weißen Mauer der Batura-Kette. Wer etwas Geduld hat, kann hier den Abgang gewaltiger Lawinen erleben - in sicherer Entfernung. Der Batura I wurde erstmals im Jahr 1976 bestiegen, der Pasu im Jahr 1994.

(15) Blick aus der Nähe der Alm Yashpirt am Nordrand des Batura-Glöetschers nach Südwesten
auf die Nordabhänge des Batura-Hauptkamms
(im Großformat ist die Beschriftung gut lesbar)
Der Gletscher ist hier über 2 km breit.

(16) Der Gleitschirmflieger Oriol Fernandez hat aus seiner höheren Position
natürlich eine bessere Sicht auf die Gipfel.
(im Großformat ist die Beschriftung gut lesbar)
Die Richtung ist ähnlich wie bei Bild Nr. 15.
Foto: Oriol Fernandez; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die Gipfel nördlich des Batura-Gletschers sind eher unscheinbar, wenn man von den im Nordwesten stehenden Kampire Dior, Pamri Sar und Kuk Sar einmal absieht.

(17) Blick vom Batura-Gletscher zum Kuk Sar, dessen Hauptgipfel (rechts der Bildmitte)
aber nur ganz knapp zu sehen ist.
Vor dem Bergmassiv mündet von rechts der Yogsugoz-Gletscher in den Batura-Gletscher
(vergl. auch Bild Nr. 14).
Links erstreckt sich der Batura-Gletscher nochmals rund 15 km weiter nach Westen.
Foto: Katerina Sbrkova, google.com

Die Berge nördlich des unteren und mittleren Batura-Gletschers sind namenlose Fünftausender:

(18) Blick von Südosten auf den Batura-Gletscher
und die namenlose Fünftausender nördlich
Nur die Berge links im Hintergrund (Kampire Dior, Pamri Sar, Kuk Sar), die alle im Einzugsbereich des oberen Batura-Gletschers liegen, ragen aus diesem Gipfelmeer hervor
Copyright des Fotos: Jon Bowles, www.flickr.com und  http://www.jonbowlesphotography.co.uk/

Der Kampire Dior (7168 m) wurde erstmals im Jahr 1975, der Pamri Sar (7016 m) im Jahr 1986 und der Kuk Sar (6943 m) im Jahr 1982 bestiegen. In Bild Nr. 14 sind diese Gipfel mit den Nummern 16, 15 und 14 markiert.

Nördlich der Region des Batura-Gletschers verlaufen zwei Täler in ganz engem Abstand von West bis Nordwest nach Südost. Beid e Täler münden unmittelbar nördlich des Ortes Sost in das Hunza-Tal: das Tal des Chapursan und das Tal des Derdi Jilga/Kilik Jilga. Dazwischen liegt ein schmaler Gebirgszug, der im Westen mit dem Sakar Sar (6272 m) seinen höchsten Punkt hat. Diese Täler sind schon rechts auf Bild Nr. 18 zu sehen; eine deutlich bessere Übersicht liefert natürlich das folgende Bild des Gleitschirmfliegers Brad Sander, den Sie übrigens bereits auf Bild Nr. 16 mit seinem Gleitschirm gesehen haben:

(19) Blick vom Gleitschirm nach Westen auf die Täler des Chapursan und des Derdi Jilga.
Die Position von Brad Sander ist nordwestlich von Sost etwa über dem Pass Kalar An.
Der höchste Gipfel im Hintergrund ist der Sakar Sar (6272 m) an der afghanischen Grenze.
Foto: Brad Sander

20 km südlich von Sost (2775 m) am Karakorum-Highway passiert man die Zunge des Batura-Gletschers und kommt zum Ort Pasu (Passu, siehe Bild Nr. 12). Gegenüber von Pasu im Nordosten stehen die westlichen Felszinnen der Karun-Kho Gruppe, die das Herz des Felskletterers höher schlagen lassen. Aber auch hier sollte man sich nicht täuschen lassen: der Tupodan überragt mit seinen 6106 m die Talsohle um 3500 m! Dort mündet auch von Osten das Tal des Shimshal als enge Schlucht.

(20) Blick von Pasu (Passu) nach Nordosten auf die Zinnen der Karun Kho-Gruppe,
die den Talgrund um 3500 m überragen!
Vor den Zinnen auf der rechten Seite, aber hinter der Bergnase ganz rechts mündet die Schlucht des Shimshal-Tales. Näheres zu diesem Tal finden Sie hier und hier.
Foto: Tim Fulcher

Von der chinesischen Grenze im Nordosten am Khunjerab-Pass kommt die einzige Straße zwischen China und Pakistan herunter, inzwischen zum großen Teil hervorragend ausgebaut - von den Chinesen! Laut einem Vertrag zwischen den beiden Staaten war auch der weitere Ausbau nach Süden der für den Warenverkehr extrem wichtigen Verbindung vorgesehen. Aber diese Maßnahmen sind am 4. Januar 2010 jäh unterbrochen worden, als ein großer Bergsturz bei dem Dorf Attabad 10 km östlich von Karimabad das Hunza-Tal verschüttet hat. Ein großer Teil des Abhangs eines Vorgipfels des Attabad stürzte ohne Vorwarnung ins Tal und riss Teile des Dorfes Attabad mit sich; es gab 19 Tote. Ob auch auf dem Karakorum Highway Menschen verschüttet wurden, weiß man nicht.

(21) Blick vom Karakorum Highway südöstlich von Karimabad nach Osten zur
Abbruchstelle des Bergsturzes vom 4.1.2010 bei Attabad
Von diesem Standort aus ist noch nicht zu erkennen, dass die gigantischen Schuttmassen
das Tal auf über 100 m Höhe versperren. Teile des oben am Hang liegenden Dorfes
Attabad wurden mit in die Tiefe gerissen.
Der höchste Punkt des Abbruchs liegt etwa 1000 m oberhalb der Talsohle.
Foto: Jérémie Goulevitch, www.flickr.com

Die gigantischen Schuttmassen verschütteten nicht nur den Hunza-Fluss am Talgrund, sondern auch den gut 100 m oberhalb am Gegenhang verlaufenden Karakorum Highway. Damit waren die rund 25.000 Bewohner des oberen Hunza-Tales vom Rest des Landes abgeschnitten. Die für Pakistan fast überlebenswichtige Handelsstraße des Karakorum Highway nach China gab es an dieser Stelle nicht mehr. Auch in den Tagen danach stürzten weitere Felsmassen zu Tal:

(22) Weiterer Bergsturz am 22. Januar 2010 am Attabad Lake,
unter Lebensgefahr von Osten fotografiert.
Foto:
Inayat Ali, www.boston.com

Aber es sollte natürlich noch schlimmer kommen, denn hinter dem Damm staute sich der Hunza-River, der große Teile des nördlichen Karakorum entwässert. Daraus ergaben sich weitere ernsthafte Probleme: es gab nicht einmal mehr eine für Fußgänger passierbare Verbindung des oberen Hunza-Tales mit Pakistan, der steigende Wasserspiegel näherte sich mehr und mehr dem Dorf Gulmit oberhalb des Dammes, der Karakorum Highway wurde auch oberhalb des Dammes unbrauchbar, da er im Wasser verschwand, und es bestand die Gefahr, dass der Damm irgendwann überlaufen und brechen würde, was zigtausende von Menschen im Hunza- und Indus-Tal das Leben kosten konnte.

Als das Wasser bereits die Felder und ersten Häuser von Gulmit überflutete - der See war inzwischen über 100 m tief - schaffte man es schließlich, mit Baggern eine Abflussrine herzustellen, die ein weiteres Ansteigen des Wasserspiegels verhinderte. Durch eine weitere Vertiefung konnte schließlich im Mai 2010 der Wasserspiegel des Sees wieder um ca. 10 m abgesenkt werden, womit zumindest der Ort Gulmit gerettet war. Ein weiterer Dammabbau kommt aber wohl nicht in Frage, weil dadurch die Gefahr des unkontrollierten Durchbruchs des Wassers, die ohnehin immer noch besteht, deutlich erhöht würde. Ein solcher Dammbruch könnte in den Tälern unterhalb Tausende von Menschen das Leben kosten, denn der See enthält mit seinen über 15 km Länge und 100 m Tiefe eine ungeheure Wassermenge.

Wenn Sie mehr Bilder aus dem Jahr 2010 sehen wollen, empfehle ich Ihnen die Seite von boston.com.

Für die Bevölkerung oberhalb des Sees hatte sich längst eine verzweifelte Situation ergeben. Versorgungen gab es zunächst nur von chinesischer Seite. Schließlich fanden findige Einheimische aus dem unteren Hunza-Tal einen Weg, Boote herbeizuschaffen. Seither findet wieder ein Waren- und Personenverkehr statt, aber natürlich in sehr begrenztem Umfang und sehr mühselig, selbst wenn auf größeren Booten sogar Jeeps transportiert werden. Die Bootsbetreiber lassen sich gut bezahlen, die arme Bevölkerung kann sich kaum einmal eine Bootsfahrt zum Arzt leisten. Immerhin ist durch die Boote der Bergtourismus wieder in Gang gekommen, was wieder ein wenig Geld in die Dörfer bringt.

Die Situation ist aber sowohl für die Bevölkerung im oberen Hunza-Tal als auch für das ganze Land nach wie vor ernst. Die chinesische Regierung ist nun erneut zu Hilfe gekommen und hat damit begonnen, eine neue Straßenverbindung herzustellen. Dafür muss zwischen der früheren Straße westlich des Bergsturzes und dem Ort Gulmit ein Tunnel durch den östlichen Ausläufer des Batura-Muztagh gebaut werden. Es ist so gut wie unmöglich, genauere Informationen zu erhalten. Man sieht, dass an den Gesteinsmassen des Bergsturzes gegraben wird, man sieht, dass an einem Tunnel gebaut wird. Inoffzielle Berichte sagen, dass mit einer Wiedereröffnung des Karakorum Highway im Jahr 2015 oder 2016 gerechnet werden könnte.

(23) Erdarbeiten am westlichen Abhang des Dammes, der durch den Bergsturz entstanden ist.
Foto:
Jérémie Goulevitch, www.flickr.com

(24) Tunnelbauarbeiten der Chinesen am Attabad Lake

Die örtliche Bevölkerung ist hart betroffen und kann der Möglichkeit eines Bootsausflugs über den Attabad-See mit Sicherheit nur wenig positives abgewinnen. Der Bergtourist mag dies - zumindest bei schönem Wetter und ruhigem Wasser - anders sehen. Er sollte sich aber trotz einer schönen Bootsfahrt der Not der Bevölkerung bewusst sein, die dieses Naturereignis hervorgerufen hat. Bevor man ein Boot betritt, sollte man sich unbedingt einen Eindruck davon verschaffen, ob es inzwischen nicht längst gefährlich überladen ist. Je mehr Menschen und Fracht, umso mehr verdient der Bootsführer!

(25) Da passen doch immer noch ein paar Leute drauf!
Bootsanleger am Attabad Lake.
Foto: Jérémie Goulevitch, www.flickr.com

(26) Blick vom Attabad Lake nach Osten
Foto:
Jérémie Goulevitch, www.flickr.com

(27) Blick vom Attabad Lake nach Norden zum Tubodan (6106 m) bei Pasu (vergl. Bild Nr. 20)
Foto:
Jérémie Goulevitch, www.flickr.com

     Wenn Sie sich ausführlich über diesen Teil des Karakorum, seine Erkundung und über die Expeditionen informieren wollen,
so empfehle ich Ihnen die Veröffentlichungen von Wolfgang Heichel: Chronik der Erschließung des Karakorum, Teil I - Western Karakorum (Batura)
bzw. Chronik der Erschließung des Karakorum, Teil II - Central Karakorum I (Rakaposhi bis Spantik u.a.); Bestellung jeweils über den vorstehenden Link.
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Es gibt keine ausführlicheren Darstellungen als diese Bücher!

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