K2 Panorama

Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

Mount Everest, K2, Kanchenjunga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga Parbat, Broad Peak, Annapurna I, Gasherbrum, Shisha Pangma und viele andere

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Gipfelpanorama vom K2, 8611 m

 

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Wie ich schon auf der Startseite zu den Gipfelpanoramen zum Ausdruck gebracht habe, verdienen alle Bergsteiger, die für diesen Zweck ihre Bilder zur Verfügung gestellt haben, unseren Dank und unsere Anerkennung. Jede dieser Seiten vermittelt ganz seltene und hervorragende Eindrücke.  Wenn ich hier eine spezielle Vorbemerkung einfüge, so deswegen, weil wir auf der vorliegenden Seite vom K2 nicht nur mit seltenen und beeindruckenden Bildern beschenkt werden, sondern mit einer Fülle von Eindrücken vom Gipfel des zweithöchsten Berges der Erde, die geradezu überwältigend ist. 

Wenn ein Superlativ angebracht ist, dann hier: Was wir hier sehen dürfen, ist einfach sensationell. Wir verdanken diesen "Gipfeltag" der Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner mit ihrer grandiosen bergsteigerischen Leistung und einem kaum fassbaren Wetterglück am 23. August 2011, ihrem Ehemann 
Ralf Dujmovits
, der sie bei den drei vorherigen Versuchen am K2 und im Jahr 2011 begleitet hat, und der Großzügigkeit von beiden, ihre Bilder für diese Seite zur Verfügung zu stellen. Ich bin mir sicher, dass ich auch in Ihrem Namen sage: herzlichen Dank!

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Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits
Bergsteigen ist der Beruf und die Berufung des Ehepaares. Seit dem 23. August 2011, als Gerlinde Kaltenbrunner den Gipfel des K2 über den Nordgrat erreicht hatte, können die Österreicherin und der Deutsche der Leidenschaft des Bergsteigens befreiter nachgehen, als es in den Jahren davor möglich war. Denn an diesem Tag, hatte Gerlinde Kaltenbrunner auch den letzten der 14 Achttausender bestiegen. Ralf Dujmovits war dies bereits am 20. Mai 2009 mit der Besteigung des Lhotse gelungen.

(Einen kleinen Exkurs zum Thema "Alle 14 Achttausender" finden Sie unten am Ende der Seite.)

Den Moment am Morgen des 26. August 2011, als sie erschöpft am Fuß der Nordwand ankommt, beschreibt Gerlinde Kaltenbrunner auf ihrer Website wie folgt: "Die Freude und Erleichterung, von Ralf in die Arme genommen zu werden, ist mir an dieser Stelle unmöglich zu beschreiben. Die gesamte Anspannung der letzten Tage fiel von mir, wir hatten es geschafft. Mein Lebenstraum ist in Erfüllung gegangen…"

Dazu muss man wissen, dass sie schon in den Jahren 2007, 2009 und 2010 um den Erfolg am K2 gerungen hatte und dabei am 6.8.2010 das schreckliche Erlebnis hatte verkraften müssen, ihren Kletterpartner Fredrik Ericsson an sich vorbei in den Tod stürzen zu sehen. Am 24.5.2010 hatte sie mit dem Mount Everest ihren 13. Achttausender erobert gehabt und war guten Mutes zum K2 gegangen. Die drei Besteigungsversuche hatte sie zusammen mit ihrem Mann von der Südseite her über die sog. Cesen-Route am Südpfeiler unternommen. Der Cesen-Grat verläuft links (westlich) vom Abruzzengrat, über den die Erstbesteigung erfolgte, und trifft mit diesem an der "Schulter" zusammen. Ralf Dujmovits hatte den K2 bereits im Jahr 1994 bestiegen gehabt.

Im Jahr 2007 hatte schlechtes Wetter die Umkehr in knapp 8000 m Höhe erzwungen. Im Jahr 2009 war Gerlinde Kaltenbrunner zusammen mit ein paar Teilnehmern einer anderen Expedition oberhalb des 

Flaschenhalses (Bottleneck) auf etwa 8300 m Höhe buchstäblich im brusttiefen Schnee stecken geblieben. Im Jahr 2010 war Ralf Dujmovits auf 7500 m umgekehrt, als ihm die Steinschlaggefahr unvertretbar groß erschienen war. Ihm fehlte es wohl auch etwas an Motivation, da er ja schon auf dem Gipfel gestanden war. Gerlinde Kaltenbrunner war weitergestiegen und hatte ihr Zelt auf der Schulter in 7950 m Höhe bezogen. Am 6. August um 1:30 Uhr war sie zusammen mit Fredrik Ericcson und einem weiteren Bergsteiger zum Gipfel aufgebrochen. Um 7 Uhr war sie nur noch mit Ericsson unterwegs, am Beginn des Flaschenhalses. Gut eine Stunde später meldete sie entsetzt per Funk, dass Ericsson gerade an ihr vorbei in die Tiefe gestürzt sei. Sie stieg sofort ab und beschloss, nicht mehr zur pakistanischen Seite des K2 zurückzukehren. Der Leser sollte zum Hintergrund dieser Entscheidung noch wissen, dass am 1./2. Aug. 2008 im Bereich des Flaschenhalses und der anschließenden Traverse innerhalb von 24 Stunden 11 Bergsteiger ums Leben gekommen waren (Buchveröffentlichung hier). Kaltenbrunner berichtete, dass Ericsson unangeseilt vorgestiegen und gerade dabei gewesen war, an einer Felsinsel seitlich des Flaschenhalses einen Haken zur Sicherung bei der Standplatzbereitung zu schlagen, als er abrutschte.

Drei Misserfolge am letzten Achttausender: da hätte der Druck aus "alle 14 Achttausender" durchaus zur lebensgefährlichen Obsession ausarten können. Deshalb wurde es mit Erleichterung aufgenommen, dass sich das Ehepaar für 2011 die Route am Nordgrat und durch das Japanar-Couloir vorgenommen hatte. Diese Route ist zwar schwieriger, aber sie konnte wenigstens ohne die direkte Erinnerung an das tragischen Erlebnis und den dreimaligen Misserfolg gegangen werden. Die psychische Verfassung ist bei einer solchen Unternehmung nicht minder wichtig als die physische - nicht nur für den bergsteigerischen Erfolg, sondern auch fürs Überleben.

Die Freude war allgemein groß, als die Nachricht kam, dass das Projekt "2 x 14 Achttausender" abgeschlossen war und beide gesund nach Hause zurückgekehrt waren. So können wir auch die herrlichen Bilder genießen, die uns die beiden für diese Seite zur Verfügung gestellt haben. Ich bedanke mich auch an dieser Stelle nochmals sehr herzlich.

Das gesamte Projekt "2 x 14 Achttausender" können sie in dem gleichnamigen Bildband verfolgen. Eine Buchbesprechung finden Sie hier.

Die Website von Gerlinde Kaltenbrunner ist www.gerlinde-kaltenbrunner.at.
Die Website von Ralf Dujmovits ist www.ralf-dujmovits.de.

© Die Rechte an den Fotos liegen ausschließlich bei den im Bild genannten Autoren. Eine Verwendung der Bilder mit Eintragungen ist nur mit schriftlicher Zustimmung der Bildautoren und von Günter Seyfferth erlaubt.

 

(1) Blick vom Gipfel des K2 nach Südosten
(Klicken Sie auf das Bild, wenn Sie es in vierfacher Größe sehen wollen. Dort ist die Beschriftung gut lesbar.)

Als Gerlinde Kaltenbrunner am 23. August 2011 auf dem Gipfel des K2 stand, hatte sie alle 14 Achttausender bestiegen. 
Sie war damit die Nr. 25 in der Liste der Bergsteiger mit allen Achttausendern
die dritte Frau, aber die erste Frau, die alle Besteigungen ohne Verwendung künstlichen Sauerstoffs durchgeführt hatte.
Ralf Dujmovits ist übrigens die Nr. 16 in der vorstehend erwähnten "Bestenliste".

Das vorstehende Panorama umfasst den gesamten südöstlichen Karakorum - ein wirklich einmalig gutes Bild. Die folgenden drei Bilder sind Ausschnitte aus diesem Panorama.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; als ausfaltbares Panorama im Buch von Kaltenbrunner/Dujmovits: 2 x 14 Achttausender
Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die weiter entfernten Berge finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge im rechten Bildteil finden Sie hier.

 

(2) Blick vom Gipfel des K2 nach Ost-Süd-Ost
 
(Klicken Sie auf das Bild, wenn Sie es in dreifacher Größe sehen wollen. Dort ist die Beschriftung gut lesbar.)

In der hier sichtbaren Gebirgslandschaft gibt es keine einzige menschliche Ansiedlung. Allerdings befindet sich im Bereich des Siachen-Gletschers indisches Militär (siehe Kashmir-Konflikt).
Die Landesgrenze zwischen China (links) und Indien/Pakistan verläuft vom Teram Kangri zum Gasherbrum I und III und von dort über den Broad Peak zum K2.
Links erkennt man den Singhi- und den Kyagar-Gletscher. Beide Gletscher münden in das Shaksgam-Tal und riegeln dieses Tal zeitweise ab.
Hinter den Eismassen staut sich dann der Shaksgam-River und bildet Seen, die bei ihrem Ausbruch zu gefährlichen Hochwasserfluten am Unterlauf des Flusses führen.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Ausschnitt aus dem ausfaltbaren Panorama im Buch von Kaltenbrunner/Dujmovits: 2 x 14 Achttausender
Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die weiter entfernten Berge finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Staghar-Singhi P 6492 26,4 km Apsarasas Kangri I 68,9 km Rimo III 95,0 km Chong Kumdan 123,4 km Mamostong Kangri 126,6 km Gasherbrum II 18,6 km
Teram Kangri III 57,5 km P 6984 (Nakpo Kangri) 14,8 km Singhi Kangri 52,7 km Lakshimi 75,8 km Saser Kangri 159,1 km Gasherbrum III 17,8 km
Teram Kangri I 60,9 km Rimo IV 96,2 km Rimo I 96,9 km P 6936 15,7 km Gasherbrum I 23,9 km Mt. Hardinger 37,2 km

 

(3) Blick vom Gipfel des K2 nach Südosten mit Gasherbrum-Gruppe und Broad Peak
 (Klicken Sie auf das Bild, wenn Sie es in dreifacher Größe sehen wollen. Dort ist die Beschriftung gut lesbar.)

"Von oben herab" blickt man auf Broad Peak und Gasherbrum-Gruppe, obwohl vier dieser Gipfel ebenfalls höher als 8000 m sind.
Es war lange im Gespräch, ob der Mittelgipfel des Broad Peak nicht als der 15. Achttausender zu werten sei. Er ist durch einen 7850 m hohen Sattel vom Broad Peak getrennt.
Man hat den Gipfel aber dann doch "nur" als Nebengipfel gewertet. Andernfalls wäre der Pole Jerzy Kukuczka der erste Mensch gewesen, der alle 15 Achttausender bestiegen hat.
Allerdings wäre das Augenmerk der anderen Höhenbergsteiger dann früh auch auf den Mittelgipfel gefallen. Vielleicht hätte ihn dann Reinhold Messner noch vor 1984 (Kukuzcka) angegriffen.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Ausschnitt aus dem ausfaltbaren Panorama im Buch von Kaltenbrunner/Dujmovits: 2 x 14 Achttausender
Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die weiter entfernten Berge finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Teram Kangri III 57,5 km Rimo III 95,0 km P 6936 15,7 km Gasherbrum III 17,8 km Gasherbrum IV 16,3 km Gasherbrum V 19,2 km
Teram Kangri I 60,9 km Singhi Kangri 52,7 km Mamostong Kangri 126,6 km Mt. Hardinger 37,2 km Mt. Ghent 47,9 km Baltoro Kangri III 30,5 km
Apsarasas Kangri I 68,9 km Rimo I 96,9 km Saser Kangri 159,1 km K12 79,7 km Broad Peak 9,3 km Sherpi Kangri 52,1 km
P 6984 (Nakpo Kangri) 14,8 km Chong Kumdan 123,4 km Gasherbrum I 24,0 km Broad Peak North 6,7 km D52 111,0 km P 6980 17,6 km
Rimo IV 96,2 km Lakshimi 75,8 km Gasherbrum II 18,6 km Broad Peak Middle 8,3 km Saltoro Kangri 61,5 km    

 

(4) Blick vom Gipfel des K2 nach Süd-Süd-Ost mit Chogolisa
(Klicken Sie auf das Bild, wenn Sie es in dreifacher Größe sehen wollen. Dort ist die Beschriftung gut lesbar.)

Die Chogolisa hat die ebenmäßige Form eines Walmdachs. Der Gipfelgrat (First) ist 750 m lang. 
An dem vom Ice Dome zum Ostgipfel ansteigenden Grat ist im Jahr 1957 Hermann Buhl, der Erstbesteiger des Nanga Parbat und des Broad Peak, mit einer Wechte in die Tiefe gestürzt.
Die Gipfel im Bereich von K6 und K7 sind berühmte Kletterberge mit herrlichen Granitpfeilern.
Am rechten Bildrand erkennt man gerade noch den Pass Ghondogoro La, der häufig als Übergang vom Baltoro-Gletscher nach Süden benutzt wird.
Rechts unten ist die Sicht vom Ghondogoro La zum K2 eingeblendet.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Ausschnitt aus dem ausfaltbaren Panorama im Buch von Kaltenbrunner/Dujmovits: 2 x 14 Achttausender
Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge im rechten Bildteil finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

P 6980 17,6 km Ice Dome 30,7 km Link Sar 48,4 km Khumul Gri 26,7 km Prupoo Brakka 31,3 km Tasa Brakka 29,3 km
Kondus Peak 32,6 km Chogolisa 30,3 km K7 46,6 km K6 51,5 km Drafey Khar 50,9 km Ghondogoro La 25,6 km

 

(5) Blick aus ca. 7100 m Höhe an der Cesen-Route (Südpfeiler) nach Süden mit Chogolisa und Masherbrum
(Klicken Sie auf das Bild, wenn Sie es in fast doppelter Größe sehen wollen.)

Obwohl das Wetter bei dieser Aufnahme aus dem Jahr 2007 nicht ganz so "fotogen" war, zeigt sie doch sehr schön die Gletscherströme südlich des K2.
Links unten kommt der Godwin-Austen-Gletscher von Osten und vereinigt sich zu Füßen der Südflanke des K2 mit dem Savoia-Gletscher, der von der Westflanke des K2 herabströmt.
Am Basislager mündet noch ein weiterer Gletscher, der rechts vom Standort des Fotografen aus der Südwand des K2 kommt.
Dort, wo sich die drei Gletscher vereinigen, steht das Basislager der Besteigungsrouten an der Südflanke des Berges. 
Die Seitenmoränen der Gletscher bilden dort zusammen die Mittelmoräne des weiter nach Süden fließenden Godwin-Austen-Gletschers.
Dieser wiederum trifft 9 km vom Basislager entfernt auf den von Südosten kommenden oberen Baltoro-Gletscher. 
Der riesige Platz aus Eis und Moränengeröll, an dem die Gletscher zusammentreffen, wird Concordia genannt.
Der Baltoro-Gletscher ist dort etwa 2,5 km breit, der Godwin-Austen-Gletscher etwa 1,3 km. 
Südlich von Concordia mündet noch der Vigne-Gletscher ein, über den die Trekking-Route zum Ghondogoro La führt.
Alle Eismassen nehmen bei Concordia als 2 km breiter Baltoro-Gletscher die Richtung nach Westen, wo der Eisstrom nach weiteren 35 km in der Nähe des Rastplatzes Payu endet.

Foto: Ralf Dujmovits, 2007; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

 

(6) Blick von der Schulter des K2 (7950 m) nach Süden mit Gasherbrum-Gruppe, Broad Peak und Chogolisa

An der sog. Schulter des K2 treffen die beiden Aufstiegsrouten aus der Südflanke zusammen: 
der Abruzzengrat, über den die Erstbesteigung im Jahr 1954 erfolgt ist, und der westlich davon gelegene Grat oder Südpfeiler mit der sog. Cesen-Route.
Hier - auf der Schulter - erreichte das dramatische Jahr 1986 im Höhensturm seinen tragischen Höhepunkt.
Die sog. Normalroute am Broad Peak führt vom Godwin-Austen-Gletscher (rechts unten) nach links in die Scharte zwischen Broad Peak Middle und Broad Peak.

Foto: Ralf Dujmovits, 2007; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

 

(7) Blick vom Gipfel des K2 nach Westsüdwest mit Nanga Parbat und Hispar Muztagh
(Klicken Sie auf das Bild, wenn Sie es in fast dreifacher Größe sehen wollen. Die folgenden zwei Bilder sind Ausschnitte aus diesem einmaligen Panorama.)

Wenn man bei solch strahlendem Wetter auf dem Gipfel des K2 stehen darf, so ist man mehr als doppelt belohnt!
Sobald sich die Atmung wieder normalisiert hat, tritt der Fotoapparat in Aktion. Und dann - beim Visieren nach Westen - trübt die Sonne die Freude des Fotografen.
Jeder Bergsteiger hatte bei Sonnenschein am K2 dasselbe Problem: Man kommt erst am Spätnachmittag auf den Gipfel und schaut nach Westen gegen die schon tiefstehende Sonne. 
Alle Berge in dieser Richtung zeigen nur ihre schattige Bergflanke, Details sind nicht zu erkennen.
Am K2 geht es nicht anders. Trotz Aufbruchs vom letzten Lager noch während der Nacht gelangt man erst so spät auf den Gipfel.
Das typische Problem des K2 sind die tiefen, lockeren Schneemassen an den Gipfelflanken, die nur extrem langsames Vorwärtskommen erlauben.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die Übersichtskarte des Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge in größerer Entfernung finden Sie hier.

 

(8) Blick vom Gipfel des K2 nach Südwesten mit Masherbrum und Nanga Parbat

Vom Masherbrum ist hier nur die Spitze über dem Gipfelschneefeld zu sehen. Rechts in der Ferne der Nanga Parbat - 188 km entfernt.
Die entgegengesetzte Sicht vom Gipfel des Nanga Parbat finden Sie hier.
Der Muztagh Tower, der sich vom Baltoro-Gletscher in Form eines schlanken kühnen Felsturms zeigt, ist hier in dem Gipfelmeer mit seiner dreieckförmigen Ostflanke kaum wiederzuerkennen.
Der Gama Sokha Lumbu (ganz rechts) ist sozusagen einer der Hausberge von Askole, dem letzten bewohnten Ort, von dem aus die Expeditionen zum Baltoro-Gletscher aufbrechen.
Der K2 ist ebenso wie die anderen Achttausender des Karakorum von keinem bewohnten Ort aus zu sehen.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die Übersichtskarte des Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die Berge in größerer Entfernung finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Liligo Peak 40,6 km Great Trango Tower 31,7 km Muztagh Tower 15,0 km Chongra Peak 177,3 km Kruksum 32,1 km Gama Sokha Lumbu 70,0 km
Masherbrum 32,4 km Payu Peak 40,3 km Choricho I 42,9 km Nanga Parbat 188,1 km Bullah 55,1 km Thyor 19,7 km
Urdukas Peak 31,7 km Skil Brum 8,4 km     Biale 26,3 km Dofana 152,1 km    

 

(9) Blick vom Gipfel des K2 nach Westen

Könnte man es sich frei aussuchen, wann man auf dem Gipfel des K2 ankommt, um den idealen Sonnenstand zum Fotografieren zu haben,
so würde man für die Sicht auf den westlichen Karakorum den Vormittag wählen und für die Sicht auf den südöstlichen Karakorum den späten Nachmittag.
Da es aber in aller Regel der späte Nachmittag ist - sofern man denn überhaupt hinaufkommt - , so hat man eben nur für 
den östlichen und südöstlichen Teil des Karakorum die idealen Lichverhältnisse wie bei den ersten vier Bildern dieser Seite.
Dennoch gibt dieses Bild einen guten Überblick über den gesamten westlichen Karakorum - mit Ausnahme des Batura-Muztagh, der durch den Hispar-Muztagh verdeckt ist.
Das folgende Bild des Hispar-Muztagh aus etwa 7900 m Höhe wurde aber an einem Vormittag aufgenommen und zeigt die Konturen der Berge in idealer Weise.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die Übersichtskarte über den Karakorum zur Erläuterung dieser Sicht finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Folgende weitere Karten geben Auskunft über einzelne Bereiche: Chogolungma-Gletscher, Snow Lake, Hispar Muztagh

Entfernungen zu den Gipfeln:

Nanga Parbat 188,1 km Kruksum 32,1 km Mani Peak 139,5 km Baintha Brakk (Ogre) 68,9 km Changtok Sar 30,3 km Kanjut Sar 104,9 km
Chongra Peak 177,3 km Thyor 19,7 km Haramosh II 135,5 km Spantik 140,6 km P 6880 27,5 km Yukshin Gardan Sar 110,1 km
Biale 26,3 km Gama Sokha Lumbu 70,0 km Laila 139,9 km Karpogo 31,0 km Kunyang Chhish 122,7 km Disteghil Sar 128,9 km
Bullah 55,1 km Ganchen 93,1 km Latok I 62,5 km Rakaposhi 184,2 km Pumari Chhish 119,3 km Chongtar Kangri 9,2 km
Dofana 152,1 km Haramosh 145,6 km Malubiting 148,0 km Makrong Chhish 127,3 km Trivor 136,1 km Karun Kho 151,9 km

 

(10) Blick aus ca. 7900 m Höhe am Nordgrat des K2 nach West-Nord-West zum Hispar Muztagh

Es ist früher Morgen. Kalte, ruhige Luftschichten, ein gutes Teleobjektiv, eine ruhige Hand und der ideale Sonnenstand haben dazu beigetragen,
dass wir die Siebentausender des Hispar Muztagh so deutlich sehen trotz der großen Entfernung von über 100 km.
Unter den Wolken hinter dem Chongtar Kangri liegen die Täler der großen Gletscher Sarpo Laggo (ganz links), Insgaiti (vor dem Skamri), Braldu, Virjerab und Khurdopin.

Foto: Ralf Dujmovits, 2011; aus dem Buch von Kaltenbrunner/Dujmovits: 2 x 14 Achttausender
Beschriftung: Günter Seyfferth

Die Übersichtskarte über den Karakorum zur Erläuterung dieser Sicht finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Folgende weitere Karten geben Auskunft über einzelne Bereiche: Baltoro, Snow Lake, Hispar Muztagh

Entfernungen zu den Gipfeln (vom Gipfel des K2):

Changtok Sar 30,3 km P 6880 27,5 km Kunyang Chhish 122,7 km Kanjut Sar 104,9 km Disteghil Sar 128,9 km Chongtar Kangri East 6,9 km
P 6305 94,5 km Tahu Rutum 94,9 km Pumari Chhish 119,3 km Skamri West 44,9 km Malangutti Sar 133,7 km    
Chongtar Kangri South 8,1 km P 6601 73,6 km Trivor 136,1 km Skamri 43,2 km Chongtar Kangri North 8,1 km    
Hispar Sar 106,9 km Kanjut Sar II 100,7 km Chongtar Kangri 9,2 km Yukshin Gardan Sar 110,1 km Isphardin 123,6 km    

 

(11) Blick vom Gipfel des K2 nach Nordwesten mit Hispar Muztagh und dem unteren Shaksgam-Tal

Wir blicken hier auf das Gebiet des Karakorum, das erst im Jahr 1937 von den Briten Shipton und Tilman erforscht wurde.
Der Fluss Shaksgam, der einen großen Teil des nördlichen Randes des Karakorum entwässert, mündet hinter den Bergen in der Nähe des rechten Bildrandes in den Yarkand.
Dieser Fluss wiederum versickert und verdunstet in den wüstenhaften Ebenen Sinkiangs. Die Wasser des Shaksgam finden also keinen Weg zum Meer.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die Übersichtskarte über den Karakorum zur Erläuterung dieser Sicht finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Folgende weitere Karten geben Auskunft über einzelne Bereiche: Baltoro, Hispar Muztagh

Entfernungen zu den Gipfeln:

Changtok Sar 30,3 km Pumari Chhish 119,3 km Yukshin Gardan Sar 110,1 km Karun Kho 151,9 km P 6850 6,4 km P 6540 15,2 km
P 6880 27,5 km Trivor 136,1 km Disteghil Sar 128,9 km P 6600 9,8 km P 6350 12,9 km P 6050 16,8 km
Kunyang Chhish 122,7 km Kanjut Sar 104,9 km Chongtar Kangri 9,2 km The Crown (Huang Guan) 37,3 km        

 

(12) Blick vom Gipfel des K2 nach Norden

Die Nordflanke des K2 wird aus der chinesischen Provinz Sinkiang mit der Stadt Kashgar erreicht. 
Außerhalb des rechten Bildrandes befindet sich der Aghil-Pass, über den der Weg aus dem Tal des Yarkand in das mittlere Shakgsgam-Tal führt.
In der Bildmitte münden die Gletscherflüsse aus der Umgebung des K2 in den Shaksgam. 
An dieser Stelle, an der erstmals die kühne Pyramide des K2 sichtbar wird, biegt die Route (gestrichelter Pfeil) aus dem Tal des Shaksgam nach Süden in Richtung K2 ab.
Der Shaksgam-River wird zur Zeit der stärksten Schneeschmelze zum reißenden Fluss, so dass die Bergsteiger während dieser Zeit von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die Übersichtskarte über den Karakorum zur Erläuterung dieser Sicht finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

The Crown (Huang Guan) 37,3 km P 6350 12,9 km P 6050 16,8 km Surukwat Kangri 46,6 km P 6600 8,0 km P 6250 13,2 km
P 6850 6,4 km P 6540 15,2 km Shaksgam 3800 32,4 km P 5930 10,0 km     P 6000 11,3 km

 

(13) Blick vom Gipfel des K2 nach Nordosten

Der senkrechte Pfeil links deutet die Lage des Aghil-Passes an, über den das Shaksgam-Tal erreicht wird. 
Die Route führt vom Pass in Form eines "S" zunächst nach rechts in den Talgrund und dann nach links (aus dem Bild heraus) 
bis zu dem Punkt des vorherigen Bildes, an dem erstmals der K2 erblickt wird.
Rechts unten vor dem Skyang Kangri beginnt der Godwin-Austen-Gletscher, der am Concordia-Platz in den Baltoro-Gletscher mündet.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die Übersichtskarte über den Karakorum zur Erläuterung dieser Sicht finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Aghil-Pass 35,4 km P 6300 16,2 km P 7175 6,0 km P 6240 35,3 km P 6530 34,1 km Durbin Kangri I 26,2 km
    P 6460 34,6 km       Skyang Kangri 7,0 km Durbin Kangri II 29,1 km    

 

(14) Blick vom Gipfel des K2 nach Ost-Süd-Ost mit dem Schatten des K2 (hier schließt sich die Rundum-Sicht)

Die tiefstehende Sonne, die der Fotografin beim Blick nach Westen Probleme bereitet hatte, sorgt in der entgegengesetzten Richtung für diesen beeindruckenden Schattenwurf des K2. 
Die Ebenmäßigkeit der Formen dieses Berges ist so fast noch besser zu erkennen als in der direkten Ansicht, die es von Westen ohnehin nur aus dem Flugzeug gibt.
Unten, vor den Kharut-Gipfeln und vor P 6934, verläuft der Godwin-Austen-Gletscher, ist hier aber nicht sichtbar.

Foto: Gerlinde Kaltenbrunner, 2011; aus dem Buch von Kaltenbrunner/Dujmovits: 2 x 14 Achttausender
Beschriftung: Günter Seyfferth

Die detaillierte Landkarte des östlichen Karakorum um das Shaksgam-Tal finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des Baltoro zur Erläuterung der Sicht auf die nähere Umgebung finden Sie hier.

Die detaillierte Landkarte des südöstlichen Karakorum zur Erläuterung der Sicht auf die weiter entfernten Berge finden Sie hier.

Entfernungen zu den Gipfeln:

Kharut III 8,0 km P 6600 11,7 km Burnag Kangri 28.9 km P 6934 7,7 km Singhi Kangri 52,7 km Mamostong Kangri 126,6 km
Kalmuk Kangri 33,7 km Kharut II 6,1 km P 6560 30,1 km Teram Kangri 60,9 km Rimo I 96,9 km P 6936 15,7 km
Kharut I 6,8 km     P 6650 36.4 km P 6984 (Nakpo Kangri) 14,8 km        

 

K2 - Berg der Berge

Berg der Berge - so nennen die Höhenbergsteiger diesen formschönsten aller Achttausender. Von Süden wie von Norden wie von Westen gesehen stellt er mit seinen ebenmäßigen steilen Graten die Idealform eines Berges dar. So würde ein Kind einen Berg zeichnen. Nur von solch gewaltigen Dimensionen würde niemand ausgehen, wenn er sich den schönsten Berg vorstellen soll. 3600 Höhenmeter sind es von der unmittelbaren Basis, wo auch die Basislager stehen, bis zum Gipfel. 3600 Höhenmeter - nicht unterteilt in ganz unterschiedliche Zonen mit wechselnden Anforderungen, sondern kontinuierlich und geradlinig ansteigend mit stetig wachsenden Herausforderungen und Gefahren. Nicht einmal Lagerplätze sind zu finden, die der sehr strapazierten Psyche des Bergsteigers eine befriedigende Möglichkeit zur Entspannung bieten würden.

Den K2 umgibt ein Mythos wie keinen anderen Achttausender. Der Mythos ist das Ergebnis vieler ungewöhnlicher Eindrücke, Erlebnisse, gescheiterter Expeditionen, Unglücke, ja sogar von Katastrophen und der Berichte darüber. Der K2 zieht die Höhenbergsteiger geradezu magisch an, obwohl er neben der Annapurna I als der gefährlichste der Achttausender gilt, obwohl die Wahrscheinlichkeit, den Gipfel zu erreichen, denkbar gering, aber zu Tode zu kommen, denkbar hoch ist. Auch diese Umstände scheinen zum Mythos des Berges beizutragen. 

Was macht den K2 im Vergleich zu anderen Achttausendern so besonders gefährlich? Es ist die Steilheit aller Routen mit der entsprechenden Ausgesetztheit gegenüber objektiven Gefahren, und es sind die Witterungsbedingungen. Im Gegensatz z.B. zum Everest sind Steinschlag und Lawinen eine latente Gefahr an fast allen Stellen der Routen am K2. Die Witterungsbedingungen sind im Karakorum deutlich härter als im nepalesischen Himalaya. Die Temperaturen sind niedriger, die Stürme heftiger, die Neuschneemassen größer. Der Bergsteiger muss diesen Gefahren am K2 fast ununterbrochen größte Aufmerksamkeit widmen, kann aber trotzdem nicht das gewünschte Maß an Sicherheit gewinnen. Die Besteigung des K2 ist deshalb auch ein nicht nachlassender Härtetest für die Psyche des Bergsteigers. Wer dort umkehrt, hat sich nichts vorzuwerfen.

Von der Gefährlichkeit zeugen insbesondere die Katastrophenjahre 1986, 1995 und 2008. Nein, nicht Anfänger sind dort ums Leben gekommen, sondern erfahrene Höhenbergsteiger vieler Nationen. Besonders gefürchtet sind die Höhenstürme am K2. Wer im Gipfelbereich in einen solchen Sturm gerät, ist in der Regel verloren. Im Jahr 1995 wurden 6 Bergsteiger vom Gipfelgrat geweht.

Trifft der Bergsteiger im Gipfelbereich auf den berüchtigten grund- losen Tiefschnee, so steigt auch dadurch das Gefahrenpotenzial in erheblichem Maße. Es ist nicht nur die erhöhte Lawinengefahr, sondern auch der zusätzliche Kräfteverschleiß, der den Bergsteiger spätestens beim Abstieg in größte Not bringen kann.

Alle Routen am K2 sind schwierig und gefährlich, nicht nur die Extremrouten in der Südwest- und Westflanke. Am häufigsten wird der Abruzzengrat in der Südflanke für den Aufstieg gewählt, die Route, die auch die Erstbesteiger im Jahr 1954 gegangen waren. Etwas schwieriger, aber in letzter Zeit auch häufiger im Blickfeld der Höhenbergsteiger ist die sog. Cesen-Route über den Südpfeiler westlich des Abruzzengrates. Beide Routen treffen an der Schulter in 7950 m Höhe zusammen. Deutlich seltener wird der K2 über die Nordflanke bestiegen, wo der Nordgrat und das Japaner-Couloir die natürlichste aller Routen ist, aber schwieriger als die beiden genannten Routen auf der Südseite. Eine vergleichsweise einfache "Normalroute", wie man sie an fast allen anderen Achttausendern findet, gibt es am K2 nicht. 

Es würde den sinnvollen Rahmen einer solchen Seite sprengen, wollte man alle Schwierigkeiten an den genannten Routen bildlich darstellen. Ich beschränke mich auf die ca. letzten 700 Höhenmeter, die sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite ganz besondere Merkmale aufweisen - Merkmale besonderer Gefahren und Merkmale, welche dem Bergsteiger extrem große Anstrengungen abverlangen. Nicht einmal am Everest erstrecken sich die größeren Schwierigkeiten der Gipfelzone über so viele Höhenmeter.

Dass wir die Gipfelzonen auf beiden Seiten des Berges so detailliert betrachten können, verdanken wir ebenfalls der Großzügigkeit des Ehepaares Kaltenbrunner/Dujmovits.

Gipfelzone des K2 in der Nordflanke
(klicken Sie auf die Bilder, um sie im Großformat zu sehen)

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(15) Blick von Norden auf die obersten 1000 Meter des K2

Vom Nordgrat (eigentlich ist es ein Nordnordwest-Grat), der den Gipfelgletscher auf der rechten Seite begrenzt, zweigt die Route in 8000 m Höhe beim Lager 4 (blauer Kreis am Grat rechts der Bildmitte) nach links auf den Hängegletscher ab. Das Bild ganz rechts zeigt diesen Punkt des Übergangs vom Grat in die Traversierung zum Hängegletscher. Das Bild in der Mitte ist nur ein paar Meter weiter in der Traverse unterhalb der Felsen des Nordgrates entstanden. Der Nordgrat selbst führt nicht zum Gipfel, sondern endet in einem unbegehbaren messerscharfen Schneegrat am oberen Rand des Couloirs. Irgendwo im oberen Bereich des Hängegletschers muss also eine Möglichkeit zur Querung hinüber zum östlichen Felsgrat gefunden werden. Das große Hindernis ist hier der unverfestigte grundlose Tiefschnee sowie die daraus resultierende Lawinengefahr. Jenseits, am östlichen Gletscherrand, führt die Route dann direkt nach oben, bis sich die Möglichkeit ergibt, durch eine Schneerinne nach links aus dem Hauptcouloir heraus auf den Gipfelgrat zu steigen (dritter blauer Kreis).

Im Jahr 1982 wurde diese Route erstmals von einer japanischen Expedition gegangen. Es war die erste Besteigung des K2 über die Nordflanke. Den Bericht zu dieser Besteigung finden Sie hier.

Das typische Problem der Gipfelzonen des K2 ist der Tiefschnee in den Steilhängen. Je nach Windrichtung lagert sich in den Rinnen, die im Windschatten liegen, sehr viel lockerer Triebschnee ab. Häufig sind diese Tiefschneelagen überhaupt nicht verfestigt; wenn aber doch, so oft nur an der Oberfläche, so dass man bei Belastung durch die Oberfläche durchbricht. In allen Fällen besteht der Aufstieg in einem mühsamen Hocharbeiten im Tiefschnee. In Anbetracht des Sauerstoffmangels in dieser extremen Höhe ist das mit unmenschlichen Anstrengungen verbunden.  Der Höhengewinn pro Stunde kann bei dieser Art des Hochwühlens weniger als 30 m betragen. Der Schnee kann auch so tief sein, dass ein Vorankommen unmöglich wird. Bei der Steilheit des Geländes kommt die ständige Gefahr hinzu, dass die ganze Masse des lockeren Schnees zusammen mit den Bergsteigern als Lawine zu Tal fährt. Die nervliche Anspannung nimmt erst ein (vorläufiges) Ende, wenn die flacheren Zonen am Gipfel erreicht sind. Beim Abstieg ist die Anspannung noch größer, denn jetzt sind Müdigkeit und Erschöpfung noch deutlicher zu spüren und machen es noch schwerer, die erforderliche Aufmerksamkeit gegenüber den Gefahren aufzubringen.

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(16) Blick vom Beginn der Traverse oberhalb des Lagers 4 
auf den oberen Bereich des Hängegletschers 
und das anschließende Couloir.

Der Pfeil zeigt auf die Position des Biwaks in 8300 m Höhe.
Ganz oben ist die schneegefüllte Rinne zu erkennen, die nach links aus dem Couloir heraus auf den Gipfelgrat führt.

Mit Tiefschnee ist auch im unteren Drittel des Nordgrates zu rechnen. Darüber folgen dann teils schwierige Felspassagen, wie das folgende Bild vermittelt.

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(17) Standplatz in einer Felswand unterhalb von Lager 4

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(18) Der Nordgrat bei Lager 4 (8000 m) im Höhensturm
Nach links zweigt die Traverse zum Hängegletscher ab.

Am 22. August 2011 ist Gerlinde Kaltenbrunner zusammen mit den Kasachen Vassili Pivtsov und Maksut Zhumajev und dem Polen Darek Zaluski von Lager 4 am Nordgrat zum Gipfel aufgebrochen. Am Beginn der Querung des Hängegletschers scheiterten sie zunächst am Tiefschnee und mussten zu den Felsen des Nordgrates zurücksteigen. Schließlich konnte Ralf Dujmovits, der mit dem Fernglas vom vorgeschobenen Basislager aus eine bessere Sicht auf den Hängegletscher hatte, die vier Bergsteiger per Funk an den unteren Rand einer Gletscherspalte leiten, die von einer zur anderen Seite verlief. Das Eis der Unterlippe dieser Spalte war so steil, dass dort deutlich weniger Schnee liegen geblieben war; es bot auch einen gewissen Schutz gegen Lawinen. Diese Verhältnisse erlaubten dann tatsächlich die Querung hinüber zum östlichen Felsgrat. Auch entlang der östlichen Felsen war der Schnee nicht ganz so tief, so dass sich jetzt endlich wieder eine Chance auf den Gipfelerfolg eröffnete. Aber es war schon später Nachmittag, so dass ein Biwak in 8300 m Höhe im Schutz des letzten Séracs (Pfeil im mittleren Bild) erforderlich wurde. Am 23. August verließen die vier ihr Biwak um 7.30 Uhr. Um 18.18 Uhr - also fast 11 Stunden später -  erreichte Gerlinde Kaltenbrunner den Gipfel, die anderen kurz danach. 

Wenn die Bergsteiger - wie am 23.8.2011 - nur noch 300 m unterhalb des Gipfels stehen und erkennen müssen, dass sie dafür trotzdem noch ca. 10 Stunden voller verzweifelter Anstrengungen um den Erfolg vor sich haben, so braucht es schon eine außergewöhnliche Willenskraft, um nicht aufzugeben. Es ist mit unseren Kenntnissen aus dem Flachland kaum zu erahnen, was eine solcher Kampf in einer Höhe bedeutet, in der mit jedem Atemzug nur noch 1/3 der normalen Sauerstoffmenge in die Lungen gelangt. Zudem ist es extrem kalt, was zusätzlich Energie verbraucht.

Mit dieser Besteigung hatte nicht nur Gerlinde Kaltenbrunner ihren 14, Achttausender "in der Tasche", sondern auch die beiden Kasachen - ein ebenfalls bisher nicht gekanntes Ereignis.

Den Expeditionsbericht finden Sie hier.

 

Gipfelzone des K2 in der Südflanke
(klicken Sie auf die Bilder, um sie im Großformat zu sehen)

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(19) Blick von der Schulter (7950 m) zum Gipfel

Wie auf obigem Bild unschwer zu erkennen ist, stellt der riesige Gletscherabbruch auf 8300 m Höhe die große Gefahr auf der Route von der Schulter zum Gipfel dar. Wann hier Eismassen abstürzen, kann niemand voraussagen. Unterhalb des Sérac ist an der Grenze zwischen Licht und Schatten das schmale Couloir zu erkennen, das direkt unter den Eisabbruch führt. Die Bergsteiger nennen es "Bottleneck" (Flaschenhals). Dort hinauf führt die Route und dann unmittelbar an den senkrechten Eiswänden entlang in einer Traverse nach links oben. Erst, wenn die Bergsteiger die Felsen links auf Höhe des oberen Randes des Eisabbruchs erreicht haben, befinden sie sich außerhalb der allergrößten Gefahr - zunächst, denn es folgt ja noch der gefährliche Abstieg.

Im Katastrophenjahr 2008 führten mehrere Eisabbrüche vom Sérac, lange Aufenthalte in der Gefahrenzone sowie totale Erschöpfung innerhalb von 24 Stunden zu insgesamt 11 Toten im Bereich von Sérac und Bottleneck.

Den Bericht über die Erstbesteigung des K2 über den Abruzzengrat und den hier sichtbaren Teil der Route im Jahr 1954 finden Sie hier.

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(20) Blick aus ca. 8000 m Höhe zum Gipfel-Sérac 

Während der Schnee auf der Fläche der Schulter meist gut verfestigt ist, trifft das auf die weiter oben liegenden Hänge häufig nicht zu. Auch auf dieser Seite des Gipfels lagert sich im Windschatten viel lockerer Triebschnee ab. Dann können sich auch bereits unterhalb des Sérac Lawinen lösen, denn der Hang wird nach oben zunehmend steiler, steiler als diese direkte Ansicht zu vermitteln vermag. Stürzen vom Sèrac Eismassen ab, so überschwemmen sie den Flaschenhals und nehmen ihren Weg weiter unterhalb in Richtung linkem Bildrand in die Südwand des K2. Ist es eine große Lawine, so überfluten die Eismassen aber sogar die Fläche der Schulter, wie die Eistrümmer auf obigem Bild belegen. 

Meist beginnt schon unterhalb des Bottleneck die fürchterliche Wühlarbeit im Tiefschnee, wie sie für die Nordseite beschrieben wurde. Die Folge ist, dass man sich wohl oder übel besonders lange in der Zone der allergrößten Gefahr bewegt. Bei ungünstigen Verhältnissen können es 12 oder noch mehr Stunden sein! Man denke nur an die weiter oben angeführte Steiggeschwindigkeit von 30 m pro Stunde oder noch weniger!

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(21) Gipfelsérac und Bottleneck im Morgenlicht

In der Traverse nach links oben zwischen Sérac und Felsen besteht zusätzlich eine erhebliche Gefahr, auszugleiten und abzustürzen. Die Felsen sind dort sehr abschüssig und haben die Falllinie in Richtung des Abgrundes der Südwand. Seilsicherungen sind dort meist wenig vertrauenswürdig oder evtl. gar nicht möglich. Die Bergsteiger berichten, dass man sich dort extrem ausgesetzt fühlt - wegen des fürchterlichen Abgrundes und wegen des Domaklesschwertes unmittelbar über den Köpfen. Noch in diesem besonders gefährlichen Bereich beginnen oft wieder die Zonen des grundlosen Tiefschnees. In solchen Fällen haben selbst die besten Höhenbergsteiger entweder mehrere Stunden für 100 Höhenmeter benötigt oder waren gar gezwungen aufzugeben. So erging es an dieser Stelle auch Gerlinde Kaltenbrunner im Jahr 2009. Sie kam einfach nicht mehr vorwärts und musste umkehren.

Die Schneeverhältnisse und das Wetter bestimmen am K2 über Erfolg oder Misserfolg wie kaum an einem anderen Achttausender.

Zu den genannten Routen in der Südflanke finden Sie einerseits hier die Berichte von Gerlinde Kaltenbrunner, andererseits hier und hier zwei interessante Bildergalerien von Fabrice Imparato.

 

Alle 14 Achttausender

Als der Südtiroler Reinhold Messner am 19. Oktober 1986 mit der Besteigung des Lhotse als erster Mensch die Gipfel aller 14 Achttausender erreicht hatte, war ein Wettlauf um eine Rekordmarke beendet. Noch etwa 4 bis 5 Jahre zuvor war es fast undenkbar gewesen, dass es diesen Rekord überhaupt geben könnte. Nicht einmal Reinhold Messner und Jerzy Kukuczka, die Nummer 2 in der Liste „alle Achttausender“, hatten damals ein solches Ziel vor Augen, weil es noch außerhalb der realistischen Möglichkeiten zu liegen schien. 

In der Zeit von 1950 bis 1964 wurden die 14 Achttausender erstmals bestiegen. Einmal dabei sein zu können, war der Traum vieler Bergsteiger. Mancher, der eingeladen wurde, musste absagen, weil sich sein Arbeitsverhältnis nicht mit monatelanger Abwesenheit vertrug. Andere konnten den oft notwendigen finanziellen Eigenbeitrag nicht aufbringen. Wer schließlich dabei war, lebte für diesen Moment in der grandiosen Bergwelt fern aller Gedanken, dass sich so etwas noch öfter wiederholen ließe. Zumindest für den Zeitraum bis etwa 1970 war es dann tatsächlich auch so, dass nur wenige Bergsteiger die Möglichkeit bekommen hatten, an mehreren Expeditionen teilzunehmen. „Alle 14 Achttausender“ war vollkommen außerhalb jeglicher Vorstellungskraft. Selbst, wenn es denkbar gewesen wäre: Wer hätte sich das finanziell leisten können? Damals hielt man immer noch die extrem teure Großexpedition für das richtige Erfolgsmodell, obwohl mit den Erstbesteigungen des Cho Oyu im Jahr 1954 und des Broad Peak im Jahr 1957 bereits bewiesen worden war, dass auch Kleinexpeditionen erfolgreich sein können. Auch politisch bedingte Umstände verhinderten Expeditionen: 1966 bis 1970 erlaubte Nepal keine Expeditionen zu Gipfeln an der chinesischen Grenze, von 1965 bis 1974 blockierte Pakistan den Zugang zu den 4 Achttausendern am Baltoro-Gletscher. Noch 1970 gab es nur zwei Menschen, die bis dahin auf zwei Achttausendern gestanden hatten: Hermann Buhl – 1957 tödlich verunglückt – und Kurt Diemberger. Reinhold Messner hatte mit dem Nanga Parbat gerade seinen ersten Achttausender bestiegen.

In den 1970er-Jahren ging die Zeit der großen, von Nationalstaaten geförderten Expeditionen zu Ende. Die Zeit der rein kommerziell geführten Expeditionen, in die sich jeder als Teilnehmer einkaufen kann, war aber noch nicht gekommen. Aus Initiativen von Bergsteigervereinigungen oder einzelnen Bergsteigern ergaben sich Expeditionen auf weitgehend privater Basis. Alle hatten mit großen Schwierigkeiten bei der Finanzierung zu kämpfen. Für die einzelnen Bergsteiger war die Teilnahme immer noch mit finanziellen Opfern in erheblicher Größenordnung verbunden. „Alle 14 Achttausender“ – nach wie vor undenkbar! Ende 1980 führten Kurt Diemberger – Jahrgang 1932 – und Reinhold Messner – Jahrgang 1944 - mit jeweils fünf Achttausendern. Weder der eine noch der andere hatte da die Zahl 14 im Visier, Diemberger alleine schon aus Altersgründen nicht. Kukuczka hatte zu dieser Zeit zwei Achttausender im Tourenbuch. Immerhin hatte sich Reinhold Messner bereits die finanzielle Basis erarbeitet, um seine bergsteigeri- schen Ziele frei verfolgen zu können. Er war vermutlich der erste Bergsteiger mit einer ausreichend komfortablen Grundlage, um auch noch erheblich weiter gesteckte Ziele ins Auge fassen zu können. Aber insbesondere er wusste auch, wie sehr die wechselnden Verhältnisse am Berg darüber bestimmen, was gerade möglich ist und was nicht. Das Scheitern im Himalaya ist Normalität auch für den besten Höhenbergsteiger. Noch 9 Achttausender, das bedeutete vermutlich noch doppelt so viele Expeditionen – ein sehr weiter und teurer Weg.

Wir wissen nicht, wann Messner sich „alle 14 Achttausender“ tatsächlich zum Ziel gesetzt hat. Sehr wahrscheinlich hat er irgendwann in den Jahren 1981/1982, als ihm die Besteigung von vier weiteren Achttausendern gelungen war, erkannt, dass ja jetzt schon mehr als die Hälfte erreicht ist und der Rest doch nicht mehr ganz in utopisch weiter Ferne liegt. „Jerzy Kukuzcka“ war da sicher noch nicht der auslösende Faktor, denn der lag da „erst“ bei vier Achttausendern wie auch noch einige weitere Bergsteiger, und noch hinter Diemberger und Hans von Kaenel mit jeweils fünf. Allgemein auffallend war aber, dass eine Reihe von Bergsteigern in immer kürzerer Taktfolge Gipfel von Achttausendern erreichte. Die kleinen und schlagkräftigeren Expeditionen hatten Fuß gefasst, die Expeditionen waren nicht mehr ganz so teuer, für Ausrüstungsfirmen gewann das Höhenbergsteigen an Bedeutung, das Sponsoring erfolgversprechender Unternehmungen wurde interessanter.

Ende 1985 hatte sich „Alle 14 Achttausender“ endgültig zu einem Wettbewerb gleich von mehreren Bergsteigern entwickelt: Messner (12), Kukuczka (9), Erhard Loretan (8), Marcel Ruedi (8), Michel Dacher (7). Die beste Ausgangsbasis - auch finanzieller Art – hatte Messner, aber am 8. Juli 1986 wurde es doch ganz eng, als Kukuczka mit dem K2 seinen 11. Achttausender hatte und Messner immer noch bei 12 stand. Da ist es nicht verwunderlich, dass Messner im Herbst 1986 mit einem Kraftakt dem Wettbewerb ein Ende setzte: Zusammen mit Hans Kammerlander bestieg er am 26.9. den Makalu und am 16.10. den Lhotse. Am Makalu mussten sie miterleben, wie der „Mitbewerber“ Marcel Ruedi beim Abstieg von seinem 10. Achttausender starb. Er hatte sich nicht mehr die Zeit für eine sorgfältige Akklimatisierung genommen und war vermutlich ein Opfer seines persönlichen Ehrgeizes geworden. Auch andere Bergsteiger hat ihr Ziel „alle Achttausender“ das Leben gekostet. Sie wurden leichtsinnig, haben Anzeichen von Gefahren ignoriert - und sind gestorben.

Messner wurde vorgeworfen, er hätte es sich am Lhotse allzu einfach gemacht, indem er die Routenvorbereitungen einer Schweizer Expedition am Everest nutzte. Dazu sagt er in seinem Buch „Überlebt – alle 14 Achttausender“: „All jenen, die jetzt denken, wir hätten den Gipfel des Lhotse gewissermaßen auf den Schultern der Schweizer erreicht, muß ich sagen: So ist es. … Ich wollte endlich frei für andere Ziele sein, die Achttausender im Herbst 1986 abschließen.“ Jerzy Kukuczka schreibt in seinem Buch „Im vierzehnten Himmel“ zu dem Moment, als er am Manaslu vom Erfolg Messners erfuhr: “Also war alles vorbei. Empfandest Du Bedauern? Traurigkeit? Die Bitterkeit der Niederlage? Ja, aber vor allem war ich erleichtert, daß der Druck der Öffentlichkeit aufhören würde, daß es nicht mehr notwendig sein würde, sich zu beeilen. Gewiß. Obwohl mir bewußt war, daß ich geringe Chancen hatte, gab ich doch in meinem Herzen die Hoffnung nicht auf, der erste zu sein.“ Zumindest bei dem Südtiroler und dem Polen war lt. eigener Bekundung das Ziel „alle Achttausender“ zur Belastung geworden und hatte die Freude am „Erlebnis Berg“ doch ernsthaft gedämpft. Sie hatten sich natürlich auch im besonders spektakulären Wettbewerb um Platz 1 befunden, den spätere Aspiranten nicht mehr durchmachen mussten und konnten. Dennoch wird niemand der später Erfolgreichen verleugnen können, dass auch für sie „alle Achttausender“ eine Belastung und der Abschluss eine Erleichterung war. Kukuczka erreichte „seinen“ letzten Achttausender am 18.9.1987 mit der Besteigung des Shisha Pangma. Erst acht Jahre später folgte Erhard Loretan auf Platz 3. Kukuczka und Loretan sind in den Bergen ums Leben gekommen.

„Alle Achttausender“ – mit diesem Ziel ist zumindest in Vergangenheit niemand zu seinem ersten Achttausender gegangen, aus den oben erkennbaren Gründen. Heute mag das hin und wieder anders sein, weil es ja möglich ist, wie schon über 30 Bergsteiger bewiesen haben, und weil es die finanziellen Verhältnisse dem einen oder anderen inzwischen ohnehin erlauben. Zudem ermöglichen es die Angebote der heute weit verbreiteten kommerziellen Expeditionen, sich fast nach Belieben sein Ziel auszuwählen und sich dort „einzukaufen“ - Hubschrauberanflüge zum Basislager oder noch höher hinauf sowie komplett vorbereitete Routen und „Schleppdienste“ aller Art inklusive. Und es ist nicht erfunden, sondern wahr: Unlängst hatte eine Gruppe an „alle 14 Achttausender in einem Jahr“ geglaubt und den Versuch tatsächlich begonnen. Demut und Respekt vor der Natur: Fehlanzeige. Die Natur hatte ihnen dann auch den zu erwartenden Strich durch die Rechnung gemacht; nicht ein einziger Gipfel wurde erreicht. 

Es wird also immer wichtiger, darauf zu schauen, mit welchen Motiven die Bergsteiger zu den Bergen gehen und mit welchen Mitteln „alle 14 Achttausender“ erreicht wurde. Zu den Motiven schreibt Ralf Dujmovits in "2 x 14 Achttausender": Für mich hat das Bergsteigen, reduziert auf das bloße Rauf-Runter-Heim, keinen wirklichen Zweck. Sinnvoll ist es trotzdem, denn wir können unsere Träume leben, wir haben Freude an unserem selbstbestimmten Tun, gehen darin auf. Deshalb sind wir zufrieden und glücklich - und können außerdem noch von dem leben, was wir am liebsten tun. Meine Frau Gerlinde macht sich ähnliche Gedanken: Natürlich bedeutet das Bergsteigen für mich eine innere Befriedigung, eine Erfüllung. Es macht mich glücklich, und ich kann andere daran teilhaben lassen."

„Alle 14 Achttausender“ verdient unsere Beachtung und Anerkennung, vorausgesetzt die Leistung beruht auf den eigenen Fähigkeiten und wird in Respekt und Verantwortung gegenüber Menschen und Natur erbracht. Der kleine Einblick in die Geschichte hat uns gelehrt, dass dieses Ziel nur mit vielen Expeditionen erreichbar ist, was es wiederum erforderlich macht, dass sich der Bergsteiger in der Phase seiner höchsten körperlichen Leistungsfähigkeit fast ausschließlich der Tätigkeit des Bergsteigens widmet, d.h. er muss das Bergsteigen als Beruf ausüben und damit Geld verdienen. Expeditionen zu den Achttausendern sind teuer - sehr teuer. Bis diese Kosten und noch etwas mehr hereingeholt sind, braucht es viele Vorträge, nach Möglichkeit auch Veröffentlichungen, und Sponsoren. Sponsoren wiederum wollen, dass der Bergsteiger Aufmerksamkeit weckt und der Öffentlichkeit ein positives Bild vermittelt. Der Berufs-Bergsteiger braucht also Erfolg, für sich persönlich und aus ökonomischen Gründen.

Dieses Bild vom erfolgreichen Berufs-Höhenbergsteiger gefällt nicht jedem, vor allem nicht den Neidern, die alles kritisieren, was sie selbst nicht zu leisten vermögen. Die finden immer ein Haar in der Suppe oder sehen „hehre Ideale“ des Bergsteigens verletzt, was immer sie auch darunter verstehen mögen. Kümmern wir uns nicht um diese negativen Begleiterscheinungen! Wenn wir Interesse an der Erforschung unserer Welt haben, wenn wir Freude an den Berichten von Abenteuern und den Bildern ungewöhnlicher Landschaften haben, so tun die Menschen, die dorthin gehen und uns an ihren Erlebnissen teilhaben lassen, etwas Sinnvolles und Schönes auch für uns. Und solange sie es dort mit Verantwortung gegenüber Mensch und Natur tun und ihren sportlichen Erfolg mit fairen Mitteln erzielen, müssen wir uns nicht ereifern. Erfreuen wir uns einfach an ihren Berichten, Vorträgen, Bildern, Büchern und Filmen! Es wäre schade, wenn es das alles nicht gäbe!

Diese Haltung muss uns nicht hindern, Kritik an Auswüchsen des Bergsteigens zu üben.

Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits haben es geschafft. Sie sind sogar das erste Paar mit "2 x 14 Achttausender". Sie ist dazu die erste Frau "ohne künstlichen Sauerstoff": eine hervorragende Leistung! 

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