Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

Mount Everest, K2, Kangchenjunga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga Parbat, Broad Peak, Annapurna I, Gasherbrum, Shisha Pangma und viele andere

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Gipfelpanorama vom Manaslu (8163 m)

28°33'00" N, 84°33'35 E

 Bitte öffnen Sie die Bilder mit einem Klick im Großformat; dort sind die Beschriftungen gut lesbar
- und die großen Bilder wirken natürlich viel beeindruckender!

  Die Beschreibung der Manaslu-Region mit Landkarte  finden Sie unter diesem Link.

Gliederung der Beschreibung:

A. Aussichten vom Gipfel oder aus der Nähe des Gipfels
B. Aussichten nach Norden bis Osren vom Hochlager 7400
C. Aussichten vom Aufstieg zum obersten Hochlager
D. Wo ist eigentlich der Gipfel, wie sieht er aus und wer war tatsächlich ganz oben?
E. Wetterküche Manaslu

A. Aussichten vom Gipfel oder aus der Nähe des Gipfels

Bevor wir uns den Bildern der Aussicht vom Manaslu zuwenden, ist zum Verständnis ein Hinweis auf die Wetterverhältnisse erforderlich.
Die meisten Expeditionen, die im Zeitraum von April bis Oktober den Manaslu besteigen wollen, haben mit den extrem schwierigen Wetterbedingungen
an diesem Achttausender zu kämpfen. Der Berg steht unmittelbar über der nepalesischen Tiefebene, die er um fast 7000 m überragt.
Selbst bei Schönwetterlagen führt die Sonneneinstrahlung in der Tiefebene sehr oft schon im Laufe des Vormittags zur Bildung von Quellwolken,
die nach und nach auch zu den höheren Gipfeln aufsteigen und die Sicht beeinträchtigen. Ab Anfang Juni und meist noch bis Mitte Oktober
bringt der Sommermonsun extrem große Niederschlagsmengen. Bei Sonneneinstrahlung bilden sich dann besonders viele Quellwolken.
(Siehe zu diesem Thema auch Abschnitt E) Die folgenden Bilder aus großen Höhen sind Ende Sept. 2017 aufgenommen worden.
Als die Bergsteiger im Laufe des Vormittags den Gipfel erreicht hatten, war die Wolkendecke bereits bis auf ca. 6500 m Höhe aufgestiegen.
Die Fotoausbeute vom Gipfel beschränkte sich also zwangsläufig auf die Berge, die noch aus dem Wolkenmeer herausragten.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Sechstausender und die niedrigen Siebentausender im Nordwesten bis Nordosten bereits kaum mehr zu sehen.
Aus diesem Grund sind im Anschluss an die Bilder, die vom Gipfel oder aus der Nähe des Gipfels nach Westen bis Nordwesten
aufgenommen wurden (Bilder Nr. 1 bis 3), für die Blicke in die anderen Richtungen Fotos aus etwas geringeren Höhen verwendet, weil zu diesen
früheren Zeitpunkten die Sichten noch wenig beeinträchtigt waren (Bilder Nr. 4 bis 6). Die Sichten aus den geringeren Höhen während des Anstiegs
bis zum letzten Hochlager finden Sie im Anschluss in den Abschnitten B und C.  

(1) Blick vom Gipfel des Manaslu nach West-Nordwesten zum Annapurna Himal und Dhaulagiri Himal

Zu Füßen liegen die Trabanten des Manaslu Thulagi (7059 m) und Phungi (6538 m).
Dahinter, unter den Wolken verborgen, liegt das tief eingeschnittene Tal des Marsyangdi Khola. Durch dieses Tal, beginnend in etwa 1100 m Höhe,
verläuft die Route des Annapurna-Circuit, die über den Pass Thorong La ins Tal des Kali Gandaki zwischen Annapurna und Dhaulagiri führt.
Im Annapurna Himal stehen dem Betrachter am nächsten die Gipfel des Lamjung Himal (6983 m) und der Annapurna II (7937 m).
Zwischen den beiden Gipfeln ragt der weiter entfernte Machhapuchare (6993 m) empor, den man hier aus dem Hubschrauber betrachten können.
Dieser Flug führt auch entlang der Südwände der weiter entfernten Annapurna-Gipfel einschl. der Annapurna I (8091 m).

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

Entfernungen zu den Gipfeln:

Thulagi 4,57 km Machhapuchare 60,19 km Annapurna I 72,31 km Kangshar Kang 67,68 km Dhaulagiri IV 123,13 km Tilicho 74,35 km
Phungi 7,44 km Annapurna II 42,79 km Annapurna III 55,73 km Gurja Himal 126,02 km  Dhaulagiri V  118,60 km Tukuche Peak 99,97 km
Lamjung Himal 35,26 km Barha Chuli 74,13 km Gangapurna 58,49 km Dhaulagiri I 105,34 km Dhaulagiri II 116,65 km P 6662 108,98 km

(2) Blick vom Gipfelgrat des Manaslu in ca. 8140 m Höhe nach Nord-Nordwesten zum Annapurna Himal und Dhaulagiri Himal

Es ist derselbe Blick auf die beiden Gebirgsgruppen wie auf dem vorherigen Foto, aber in etwas größerem Maßstab.
Es gelten dieselben Angaben zu den Landkarten sowie zu den Entfernungen wie bei Bild Nr. 1.
Bei den beiden Gipfeln im Vordergrund handelt es sich um zwei Vorgipfel des Manaslu, die am Rande des
großen Schneeplateaus im Übergang in die Südwestwand stehen. Der nächst liegende Gratgipfel mit der Höhe 8122 m
ist auf den Bildern Nr. 20 und 21 von der anderen Seite zu sehen. Nicht wenige Bergsteiger begnügen sich mit der leichten
Ersteigung dieses Gratgipfels und behaupten später, den Manaslu bestiegen zu haben. Dabei fehlen noch 40 Höhenmeter bis zum Gipfel.
Der Manaslu zählt zu den Gipfeln, zu deren Besteigung die meisten Lügen verbreitet werden. Näheres dazu finden Sie in Abschnitt D.
Die entgegengesetzte Sicht vom Gipfel des Dhaulagiri Himal finden Sie hier.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017 Beschriftung: Günter Seyfferth

(3) Blick vom Gipfel des Manaslu nach Nordwesten
mit den Bergen des westlichen Annapurna Himal, des Dhaulagiri Himal und des südlichen Peri Himal

Hier sind im Vordergrund die beiden Gratgipfel von Bild Nr. 2 aus höherer Position zu sehen.
Weiter rechts ist in der Vergrößerung auch der Bereich des Lagers in 7400 m Höhe zu sehen, von dem aus der Gipfelangriff erfolgt.
Aus den Wolken ragt knapp auch der Pisang Peak hervor. Die entgegengesetzte Sicht von diesem Trekking-Gipfel finden Sie hier.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

Wie eingangs erwähnt war die Quellbewölkung bereits hoch aufgestiegen, als unsere Protagonisten den Gipfel erreicht hatten.
Die niedrigen Siebentausender des südlichen Peri Himal ragen auf vorstehendem Bild nur noch knapp hervor. Aus diesem Grund sind folgend
für den Blick weiter nach rechts Fotos aus etwas geringeren Höhen verwendet, die am früheren Morgen während des Aufstiegs
aufgenommen wurden, als die Quellwolkenbildung noch nicht so weit fortgeschritten war.

(4) Blick aus ca. 7850 m Höhe nach West-Nordwesten
zu den Bergen des westlichen Annapurna Himal, des Dhaulagiri Himal, des Damodar- und Peri Himal und des Kanjirowa Himal

Noch in der Dunkelheit ist man im Camp 7400 aufgebrochen. Die Aufstiegszeit ist stark davon abhängig, ob man künstlichen Sauerstoff verwendet.
Unsere Bergsteigergruppe hat aus grundsätzlichen Erwägungen auf diese Hilfe verzichtet.Hier überblickt man das geneigte Plateau
der Nordflanke des Manaslu. Die diagonal verlaufende Senke verbirgt eine Stufe im Gletscher. Bei Sturm und schlechter Sicht kann dieses
Plateau zur tödlichen Falle werden. Die Speicherung der GPS-Daten beim Aufstieg kann lebensrettend sein.
Die Berge des westlichen Annapurna Himal und des Dhaulagiri Himal waren bereits auf den Bildern Nr. 1 bis 3 zu sehen.
Man beachte, dass hier nun der Blick weiter rechts bis zu den Bergen des Kanjirowa Himal reicht, die 180 bis 210 km entfernt sind.
Und noch etwas weiter rechts ist sogar der 221 km entfernte Kaqur Kangri (6859 m) an der Grenze zu Tibet zu sehen.
Rechts stehen hinter den Bergen des Peri Himal die Gipfel des Damodar Himal, und wiederum dahinter liegt das frühere Köngreich Mustang.
Der dort markierte Jakriolagga Lek steht westlich des Tales des Kali Gandaki. Auch Mukut Himal, Honde und Sandache stehen jenseits des Kali Gandaki.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

Entfernungen zu den Gipfeln rechts des Dhaulagiri Himal (bezogen auf den Gipfel des Manaslu):

Mukut Himal  108,41 km Sandache  97,24 km Tsho Karpo Kang  195,50 km Kaqur Kangri 221,45 km P 6530   24,18 km P 6687  41,48 km
Pisang Peak 37,91 km Lashamma  192,04 km Kanguru  27,87 km P 6305  51,36 km Gyaji Kang   27,41 km Himlung  28,06 km
Honde  108,60 km Kanchauni Lek  188,28 km P 6805  26,37 km Khumjungar  56,58 km Lagula Himal  48,32 km Ratna Chuli  39,30 km
Kanjeralwa  180, 67 km  Jakriologga  94,49 km Pokarkang 44,03 km Nemjung 24,98 km Cheo Himal 26,11 km
    Kanjirowa South  208,16 km  Chombi  27,39 km P 6480  57,50 km  Himjung  26,89 km    

(5) Blick aus ca. 7850 m Höhe nach Nordwesten zu den Bergen des Damodar- und Peri Himal

Dieses Bild ist aus ähnlicher Position wie Bild Nr. 4 aufgenommen, zeigt aber die Gipfel des Peri Himal bis in nördliche Richtung.
Rechts neben der letzten Person der Gruppe ist der Nordgipfel (6994 m) des Manaslu zu sehen. Dahinter stehen der Larkya Peak (6416 m) und der Larkya North (6249 m),
beides Gipfel südlich des Larkya La. Der Peak 6621 steht nördlich dieses Passes.
Die vollständig verschneiten Bergkämme im Hintergrund markieren die Grenze zwischen Nepal und China.
Im Hintergrund ganz rechts sieht man den Loinbo Kangri in 143 km Entfernung. Dieser Berg zählt nicht mehr zum Himalaya, sondern zum Transhimalaya.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

Entfernungen zu den Gipfeln vom Gyaji Kang bis zum Loinbo Kangri (bezogen auf den Gipfel des Manaslu):

Gyaji Kang  27,41 km Himjung  26,89 km Ratna Chuli  39,30 km P 6735  36,58 km P 6500  28,84 km Manaslu North  3,20 km
Lagula Himal  48,32 km P 6687  41,48 km Cheo Himal  26,11 km P 6767 21,57 km Larkya North   11,05 km Lonbo Kangri  142,55 km
Nemjung  24,98 km Himlung  28,06 km Panbari 20,21 km P 6621  16,58 km Larkya Peak 8,68 km P 6380  22,72 km

(6) Blick aus ca. 7700 m Höhe nach Nordwesten zu den Bergen des Kanjirowa Himal und des Damodar- und Peri Himal

Dieses Bild ist an sich eine Wiederholung der Sichten von Bild Nr. 4 und 5, es sei aber gezeigt, weil die Lücken in der Bewölkung
einige Gipfel freigeben, die auf den vorherigen Bildern nicht zu sehen waren wie z.B. die beiden Passgipfel Kathung Kang und Yakawa Kang am Thorong La
oder die Chulu-Gipfel mit dem Trekking-Gipfel Chulu Far East.
Den Schatten im Vordergrund wirft der Ostgipfel des Manaslu in der Morgensonne.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

Bei der Betrachtung der Aussichten bis hierher stellen wir nun fest, dass die Sichten nach Nordosten, Osten und Südosten fehlen.
Der Grund hierfür ist, dass die örtlichen Verhältnisse im unmittelbaren Bereich des Gipfels an diesem Tag keinen Blick in diese Richtung erlaubt haben.
Diese Situation, die nahezu allen Expeditionen zu schaffen macht, wird in Abschnitt D behandelt. Dort finden Sie dann auch ein Foto nach Südosten
mit den beiden hohen Siebentausendern Himal Chuli (7893 m) und Ngadi Chuli (Peak 29, 7871 m), das aus dem Jahr der Erstbesteigung 1956 stammt.
Die Sicht nach Osten bis Nordosten ist schon beim Aufstieg durch die Flanke des Manaslu-Ostgipfels beschränkt. Aber das Hochlager in 7400 m Höhe
bietet diese Blicke in hervorragender Weise, weshalb sie hier zur Komplettierung der Rundumsicht im Abschnitt B folgen.

B. Aussichten vom Hochlager 7400 nach Norden bis Osten

(7) Blick vom Hochlager 7400 am Manaslu nach Nordwesten zu den Bergen des Peri Himal

Dieser Blick nach Nordwesten ist zwar ähnlich der Sichten der Bilder Nr. 5 und 6, das Foto wurde aber hier aufgenommen, weil keine Wolke die Sicht trübt.
Das Bild ist auch deshalb hilfreich, weil es der Beginn der Serie der folgenden Bilder bis Nr. 10 ist, die zusammen den Kamera-Schwenk von links nach rechts abbilden.
Auch auf diesem Bild ist nochmals die Position des Trekking-Passes Larkya La auszumachen; er liegt zwischen dem Larkya North und dem P 6621.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

(8) Blick vom Hochlager 7500 am Manaslu nach Nordosten bis ins tibetische Hochland

Im Vordergrund dieses Bildes ist die Aufstiegsroute zu erahnen. Das Basislager in 4850 m Höhe liegt knapp außerhalb des rechten Bildrandes
auf der schneefreien Fläche über dem Manaslu-Gletscher. In Bild Nr. 9 ist diese Position markiert. Von dort aus führt die Route zum
markierten Naike Col (5494 m) und dann zum Camp 1, das in 5700 m Höhe links von der Felseninsel liegt. Von dort aus wiederum wird in
Richtung des Betrachters durch einen wild zerklüfteten Eisbruch aufgestiegen.Vom Sattel in der Mitte des unteren Bildrandes, wo ein
weiteres Lager errichtet wird, führt ein steiler Hang aus Schnee und Eis herauf zum Standort des Fotografen.
Knapp rechts der Bildmitte im Talgrund erblickt man einen Teil der Trekking-Route vom Ort Samdo (hinter dem Naike Peak) zum Larkya La.
Von dort aus bietet sich also ein hervorragender Blick in die Nordflanke des Manaslu.
Über den Kamm mit den markierten schneefreien Gipfeln in der rechten Bildhälfte verläuft die Grenze zu China.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

(9) Blick vom Hochlager 7400 am Manaslu nach Ost-Nordosten mit Naike Peak (6211 m) und Pang Phuchi (6620 m)

Das vorstehende Bild Nr. 8 hatte schon den Bereich der linken Bildhälfte mit dem Naike Peak gezeigt. Hier ist nun auch die
Position des Basislagers in 4850 m Höhe zu sehen. Im Talgrund ist der Gletschersee zu sehen; rechts davon, aber verdeckt, liegt die Ortschaft Sama in 3350 m Höhe.
Der Pang Phuchi (6620 m, auch Pang Boche geannt) ist der das Tal beherrschende Berg gegenüber dem Manaslu.
Es ist zwar "nur" ein Sechstausender, aber 3000 m Wandhöhe sind doch beeindruckend.
Die Landesgrenze verläuft über diesen Berg und die folgenden Gipfel nach rechts.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle; Beschriftung: Günter Seyfferth

(10) Blick vom Hochlager 7400 am Manaslu nach Osten
mit Pang Phuchi (6620 m), Chamar (7165 m), Shisha Pangma (8027 m) und Cho Oyu (8201 m)

Auf der rechten Bildseite steigt der Hang zum Ostgipfel des Manaslu hinauf und verdeckt den größten Teil des Ganesh Himal.
Von dieser Gebirgsgruppe ist nur der Langpo Ri (6846 m) als einer der hohen Gipfel zu sehen. Vor diesem Berg verläuft
das Tsum-Valley, das erst in jüngerer Zeit von Trekkern als lohnendes Ziel entdeckt wurde. Viele verbinden den Besuch
dieses Tales mit der Tour über den Larkya La.
Am Horizont stehen die tibetischen Gipfel vom Chalung Ri (6767 m) bis zum Shisha Pangma (8027 m) sowie der Cho Oyu (8201 m).
Die entgegengesetzte Sicht vom Gipfel des Shisha Pangma finden Sie hier.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Sept. 2017; Beschriftung: Günter Seyfferth

Entfernungen zu den Gipfeln vom Pang Phuchi bis zum Cho Oyu (bezogen auf den Gipfel des Manaslu):

Pang Phuchi 14,78 km Chalung Ri 85,86 km Chamar 37,53 km Phurephu Ri 108,16 km Shisha Pangma  121,19 km Cho Oyu 211,69 km
    Lapuchun 22,97 km Gobarung 100,69 km Porong Ri 114,75 km Nyanang Ri  124,76 km    
    Kabang Ri 78,35 km Langpo Ri 58,59 km Yebokangal Ri 120,39 km        

 

C. Aussichten vom Aufstieg bis zum Hochlager 7400

(11) Blick über das Basislager (4850 m) hinweg zum Manaslu East (7992 m) und Manaslu North (6994 m)

Hier hat Neuschnee die gesamte Landschaft in frisches Weiß gehüllt, nicht zur Freude der Bergsteiger, die vor allem weiter oben
die Route neu spuren und die Zelte ausgraben müssen. Der Manaslu ist für starke Schneefälle bekannt
- Schneefälle, die schon häufig den Abbruch einer Expedition erzwungen oder auch zu fürchterlichen Lawinenunglücken geführt haben.
Die Route führt über den Naike Col und den North Col hinauf auf das Plateau, wo neben dem P 7450 das letzte Hochlager (vergl. Bild Nr. 16) errichtet wird.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Mai 2012; Beschriftung: Günter Seyfferth

(12) Blick von Camp 1 in 5700 m Höhe am Manaslu - oberhalb des Naike Col - nach Norden bis Nordosten mit dem Naike Peak (6416 m)

Bitte vergleichen Sie mit Bild Nr. 8, das dieselbe Sicht aus größerer Höhe zeigt.
Am rechten Bildrand blickt man in das Tal, das von Samdo in Richtung Larkya La führt.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Mai 2012; Beschriftung: Günter Seyfferth

Das folgende Bild schließt nach links an:

(13) Blick aus ca. 5700 m Höhe am Manaslu nach Nord-Nordwesten
mit Gyaji Kang (7064 m), Nemjung (7140 m) und Larkya Peak (6416 m)

Zum "Larkya Peak" muss hier angemerkt werden, dass man diesen Namen in den Landkarten nicht am höchsten Gipfel des Larkya Himal findet,
sondern am 6249 m hohen zweithöchsten Gipfel der Gruppe unmittelbar südlich des Larkya La. Dies ist höchst unlogisch und vermutlich
einer Unbedachtheit eines nepalesischen Kartenzeichners geschuldet. In meinen Karten ist der mit 6416 m Höhe höchste Gipfel der Gruppe
als Larkya Peak bezeichnet und der 6249 m hohe Gipfel am Pass als "Larkya North". Die Lage beider Gipfel ist gut auf Bild Nr. 7 auszumachen.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle; Beschriftung: Günter Seyfferth

(14) Blick aus der Umgebung von Camp 1 am Manaslu zum Ostgipfel (7992 m) und zum Eisbruch

Rechts der Bildmitte ist die Spur durch den Eisbruch zu erkennen. Hier ist die Gletscherwelt tief verschneit.
Der Eisbruch ist weit gefährlicher, als es dieses Bild mit der tiefen Neuschneeauflage vermuten lässt.
Manche Spalten werden mit Aluminumleitern überbrückt.
Oben rechts sieht man den P 7450, neben dem das letzte Hochlager errichtet wird.
Hinter der langen Eiskante zwischen Ostgipfel und P 7450 liegt das weite Gipfelplateau.

Foto: Luis Stitzinger & Alix von Melle, Mai 2012; Beschriftung: Günter Seyfferth

(15) Aufstieg am Manaslu vom North Col (6800 m) zum Hochlager 7400

Dieser 600 m hohe Hang zwischen 6800 und 7400 m kann zur tödlichen Lawinenfalle werden. Die Lawinen können durch Abbrüche
an den oben sichtbaren Eis-Séracs ausgelöst werden wie z.B. im Jahr 2012, als 11 Bergsteiger umkamen.

Foto: Mark Horrell, flickr.com, Sept. 2011

(16) Blick vom Hochlager 7400 am Manaslu zum Ostgipfel (7992 m) und Hauptgipfel (8163 m)

Das Plateau ist durch eine Steilstufe unterbrochen, die hier von dem Hang im Vordergrund verdeckt wird.
Vor dem Gipfel führt die Route gerade hinauf bis zu den kleinen Vorgipfeln (8111m und 8122 m), die dann ganz oben an ihrem Fuß passiert werden.
Dahinter beginnt der eigentliche Gipfelgrat. Diese Zone ist auf den Bildern Nr. 20 und 21 zu sehen.

Foto: Mark Horrell, flickr.com, Sept. 2011

(17) Blick aus ca. 7450 m Höhe am Manaslu nach Nordwesten bis Norden

Man blickt auf das Hochlager in ca. 7400 m Höhe. Von dort brechen die Bergsteiger zum Gipfel auf.
43 Zelte sind hier zu sehen. Wenn man davon ausgeht, dass jedes Zelt von 2 Bergsteigern belegt war,
so sind an diesem Tag gleichzeitig 86 Bergsteiger zum Gipfel aufgebrochen.
Diese Feststellung leitet über zum Problem, dass fast alle aus dieser Masse an Gipfelaspiranten
überhaupt keine Chance haben werden, den Gipfel zu betreten.
Dazu mehr im folgenden Abschnitt D der Beschreibung.

Foto: Jackson Groves, Sept. 2021; Beschriftung: Günter Seyfferth

D. Wo ist eigentlich der Gipfel, wie sieht er aus und wer war tatsächlich oben?

Diese Fragen mögen merkwürdig erscheinen, aber sie haben ihre Berechtigung. Unter den 14 Achttausendern gibt es keinen Berg,
der seine Form im unmittelbaren Gipfelbereich im Laufe der Jahreszeiten und der Jahre so stark verändert wie der Manaslu.
Ursache sind die stark schwankenden Schneeauflagen am Gipfelgrat. Und diese Schneeauflage kann es unmöglich machen, den allerhöchsten Punkt zu erreichen.

Wenn man die Felsformationen als den eigentlichen Gipfel betrachtet, so besteht er aus einem Doppelgipfel,
den zwei kleine Felsköpfe am Ende des von Nord nach Süd ansteigenden Gipfelgrates bilden.
Die genaueste Information darüber gibt immer noch das folgende Foto der Erstbesteiger vom 9. Mai 1956. Es war ein Tag mit sehr wenig
Schnee am Gipfelgrat. Toshio Imanishi schreibt: "Die obersten 20 m waren nackter Fels, von dem die Stürme sämtlichen Schnee weggefegt hatten."
Das Foto zeigt die drei kleinen Gipfelfahnen auf dem höchsten Punkt, d.h. es wurde unmittelbar nach dessen Besteigung vom nördlich
gelegenen ersten Gipfelfelsen aufgenommen, dessen kleine Schhneehaube links unten zu sehen ist. Nach Auswertung dieses Fotos
und de3 Bilder Nr. 19 und 25 mit Abbildungen von 1956 und 3 späteren Jahren kann man davon ausgehen, dass der nördliche Felskopf ca. 4 m niedriger ist
als der südliche Felskopf, dessen Höhe mit 8163 m angegeben ist. Die beiden Türme dürften in einem Abstand von ca. 13 m stehen;
die Höhe der Scharte dazwischen liegt bei ca. 8156 m, d.h. zum Gipfel sind es von dort ca. 7 Höhenmeter.

(18) Blick vom 8160 m hohen nördlichen Felsturm des Manaslu zum 8163 m hohen südlichen Turm, dem Hauptgipfel
mit Ganesh I (7422 m) und Himal Chuli (7893 m), aufgenommen bei der Erstbesteigung am 9.5.1955

Und hier sehen wir nun in Ergänzung zu den Bildern Nr. 1 bis 3 auch den südöstlich gelegenen Himal Chuli (7893 m).>/p>

Foto: Toshio Imanishi, Mai 1955; Beschriftung: Günter Seyfferth

(19) Blick vom 8159 m hohen nördlichen Felsturm des Manaslu zum 8163 m hohen südlichen Turm, dem Hauptgipfel
(hier ist keine größere Bildversion hinterlegt)

Die Bergsteiger auf dem Gipfel erlauben die Abschätzung der Höhe des Felskopfes oberhalb der Scharte.
Die Fotos stammen aus den Jahren 1956 (Erstbesteigung, Foto: Toshio Imanishi), 1999 (Foto: Ed. Viesturs) und 2012, jeweils in der Vormonsunzeit aufgenommen.

Wir wissen nun also, wie der Gipfel aussieht, wenn er weitgehend schneefrei ist. Und wenn er so angetroffen wird,
so muss ohne Zweifel der Hauptgipfel erklommen worden sein, damit von der Besteigung des Manaslu gespochen werden kann.

So aber wird der Gipfel von den wenigsten Expeditionen angetroffen!
Bedingt durch die exponierte Lage unmittelbar über dem nepalesischen Tiefland fallen am Manaslu kaum vorstellbare Mengen an Schnee,
insbesondere in der Zeit des Sommermonsuns. Diese türmen sich selbst am scharfen Gipfelgrat auf, begünstigt durch Aufwinde aus den
steilen Bergflanken im Südosten und Südwesten. Dabei entstehen nicht nur die üblichen Wechten, sondern es wachsen fragile Schneetürme
in die Höhe, die jeglichen Besteigungsversuch verbieten, da sie jederzeit zusammenbrechen können. Im Gipfelbereich kann sich so viel
Schnee in unterschiedlichsten Formen angesammelt haben, dass von den beiden Felstürmen nicht mehr das geringste zu sehen ist.
Dann kann es sein, dass der in ca. 8120 m Höhe beginnende Gipfelgrat schon vor dem Bereich des ersten Turms (8159 m) unbegehbar ist
und man sich damit begnügen muss, irgendwo in der Westflanke des Grates einen möglichst hohen Punkt zu erreichen, soweit dies verantwortbar ist.
Man hat dann einen höchstmöglichen Punkt erreicht, ohne genau zu wissen, wo das in Bezug auf die versteckten Felstürme tatsächlich ist.
Oft erkennt man seitlich unter der Gratschneide einige Felsen, wie sie z.B. auf den folgenden Bilder Nr. 20 und 21 zu sehen sind.
Das sind Felsen des ersten Turmes mit 8159 m Höhe - wahrscheinlich in einer Höhe von ca. 8150 m,
Bei schlechter Sicht am Grat kann es sein, dass man gar nicht erkennt, ob es hinter einem schon erreichten Punkt nach weiter aufwärts gehen könnte.

(20) Blick vom Fuß des ersten Vorgipfels (8111 m) zum zweiten Vorgipfel (8122 m) und zum Gipfelgrat mit den nördlichen Felsturm (8159 m)
(hier ist keine größere Bildversion hinterlegt)

Der Schnee vorne rechts ist Teil des Hangs des ersten Vorgipfels (8111 m), an dessen Fuß der Fotograf steht.
Im Blick ist der zweite Vorgipfel (8122 m) und vom Hauptgipfel dessen nördlicher Felskopf (8159 m).
Auf diesem Bild (aufgenommen am 10.5.2002) liegt eine mittlere Menge an Schnee, die zumindest den nördlichen Gipfelkopf noch ersteigbar erscheinen lässt.
Die Wechten scheinen hart gefroren zu sein, da im Schnee kaum Spuren zu erkennen sind - im Gegensatz zum folgenden Bild.

Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

(21) Blick vom Fuß des ersten Vorgipfels (8111 m) zum zweiten Vorgipfel (8122 m) und zum Gipfelgrat mit den nördlichen Felsturm (8159 m
(hier ist keine größere Bildversion hinterlegt))

Hier sind im Gegensatz zu Bild Nr. 20 die Platten des zweiten Vorgipfels (8122 m) in Schnee gehüllt.
Am Gipfelgrat sind die Schneemengen ähnlich wie bei Bild Nr. 20, allerdings erkennt man an der tief ausgetretenen Spur, dass der Schnee weich ist.
Die Spur reicht bis zum höchsten sichtbaren Punkt, d.h. bis zum nördlichen Felskopf in 8159 m Höhe.
Der südliche Felskopf, also der 4 m höhere Hauptgipfel, ist erst von dort oben zu sehen - sofern er nicht ganz in Schnee gehüllt ist.

Foto: www.himalayanexploration.com

(22) Blick vom völlig und tief verschneiten Gipfelgrat nach Nord-Nordosten mit den beiden Vorgipfeln 8122 und 8111

Es herrscht reger "Verkehr", was erhöhte Gefahren bei den Begegnungen in sich birgt. Alle atmen künstlichen Sauerstoff.

Foto: 360-expeditions.com; Beschriftung: Günter Seyfferth  

Einleitend zu diesem Abschnitt der Beschreibung ist angedeutet, dass bei den Expeditionen in der Nachmonsun-Zeit
der Gipfel vollkommen anders angetroffen wird, als ihn die Erstbeisteiger im Mai 1955 angetroffen und fotografiert haben (Bild Nr. 18).
Vorstehend ist auch angedeutet, dass im Fall des stark verwechteten Gipfels in der Nachmonsun-Zeit
der höchste Punkt oft gar nicht erreicht werden kann und dass bei schlechter Sicht gar nicht erkennbar ist,
ob es am Grat ab dem erreichten Punkt noch höher hinauf gehen könnte.
Inzwischen kommt hinzu, dass sich an manchen Tagen so viele Bergsteiger am Gipfelgrat bewegen,
dass gar nicht alle am höchsten Punkt Platz finden werden bzw. dass der schmale Grat
Begegnungen von Auf- und Absteigenden unmöglich macht. Nur die Vorderen in der Menschenkette
haben dann ein Chance, den höchsten Punkt zu erreichen, während die anderen schon vorher umkehren müssen.
Dann wird heftig darum gestritten, wer denn dann überhaupt einen Gipfelerfolg für sich reklamieren darf.

Die folgende Bilderserie, die Jackson Groves im Sept. 2021 mit Drohne aufgenommen hat, verdeutlicht die gesamte Problematik am Gipfel des Manaslu:

(23) Gipfelgrat des Manaslu von Nordwesten, aufgenommen per Drohne

Die Kolonne der Bergsteiger steckt am Gipfelgrat fest. Der Versuch, den nächsten verwechteten Gratturm zu ersteigen,
musste abgebrochen werden; siehe Bild Nr. 26. Zwei Bergsteiger sind bereits in die Westflanke abgestiegen,
um dort eine Querung bis unter den Hauptgipfel zu versuchen; siehe Bild Nr. 24. Die anderen Bergsteiger warten.

Bild Nr. 22 dürfte in etwa am Grat auf Höhe des Wasserzeichens entstanden sein.

Foto: Jackson Groves, Sept. 2021; Beschriftung: Günter Seyfferth

Dieselbe Situation aus geringerer Entfernung zeigt das folgende Foto:

(24) Gipfelgrat des Manaslu von Nordwesten, aufgenommen per Drohne

Man sieht den zweiten Bergsteiger in der Westflanke des Gipfelgrats.
Das folgende Bild mit dem Blick in die Flanke zeigt diese Situation; dort sieht man auch den führenden Bergsteiger -
in der Querung schon unnter dem Hauptgipfel.

Foto: Jackson Groves, Sept. 2021; Beschriftung: Günter Seyfferth

(25) Blick von Südwesten in die Westflanke des Manaslu-Gipfels, aufgenommen per Drohne

Der führende Bergsteiger befindet sich in der Querung bereits unterhalb des Hauptgipfels.
Der Zweite folgt ihm in ca. 10 m Abstand; etwa an dieser Stelle ist er auch auf Bild Nr. 23 und 24 zu sehen.
Der Rest der Kolonne wartet. nachdem man einen Versuch entlang des Gipfelgrates wenige Meter oberhalb abbrechen musste; siehe Bild Nr. 26.

Der Höhenunterschied zwischen den Wechten auf Hauptgipfel und Vorgipfel beträgt etwa 4 m. Die Entfernung beträgt etwa 13 m.
Die am Grat wartenden Bergsteiger stehen etwa 13 m tiefer als der Hauptgipfel. Die Querung liegt etwa 25 tiefer.

Foto: Jackson Groves, Sept. 2021; Beschriftung: Günter Seyfferth

(26) Gipfelgrat des Manaslu von Nordwesten, aufgenommen per Drohne

Der führende Bergsteiger hat den Hauptgipfel fast erreicht, der zweite befindet sich nun am Punkt der Querung unter dem Hauptgipfel.
Zwei weitere Bergsteiger haben sich in die Querung abgeseilt.
Über den Köpfen der Bergsteiger am Grat sieht man die Spuren vom Versuch, den Gipfel entlang des Grates zu erreichen.
Offensichtlich wurde der Versuch am ersten Wechtenturm abgebrochen, also noch vor dem Vorgipfel.

Dieses Bild und die folgenden 2 Bilder zeigen, dass sich am Gipfel höchstens 2 oder 3 Bergsteiger gleichzeitig aufhalten können
und dass Nachfolgende weiter unten in der Querung warten müssen. Bei der Begegnung von Auf- und Absteigenden
wird es zu gefährlichen Situationen kommen.

Foto: Jackson Groves, Sept. 2021; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die folgenden 2 Bilder zeigen die wartende Kolonne am Grat aus nordöstlicher Richtung:

(27) Gipfelgrat des Manaslu von Nord-Nordwesten

Am Gipfel ist noch niemand zu sehen, auch nicht der Führende in der Westflanke gemäß Bild Nr. 25.

Foto: Jackson Groves, Sept. 2021; Beschriftung: Günter Seyfferth

(28) Gipfelgrat des Manaslu von Nord-Nordosten, aufgenommen per Drohne

Die Aufwinde aus der Südwand des Manaslu haben den Schnee am Gipfel zu einer kühnen Spitze aufgetürmt.
Darunter verbergen sich die Felsen gemäß Bild Nr. 18.
Dieses Gebilde und auch die Wechte auf dem Vorgipfel können bei Betreten zusammenbrechen.

Rechts sieht man den Thulagi (7059 m).

Foto: Jackson Groves, Sept. 2021; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die vorstehende Bildfolge zeigt Verhältnisse, die eine Begehung des Grates ab dem Standort in ca. 8150 m Höhe (in der Mitte von Bild Nr. 26) unmöglich gemacht haben.
Einige der Bergsteiger haben die gefahrliche Querung in der steilen Westflanke und den folgenden, noch gefährlicheren  25-Meter-Aufstieg
an dem Wechtenturm des Hauptgipfels gewagt. Ob dies ein noch vertretbares Wagnis war, lässt sich allein anhand der Bilder nicht beurteilen.
Ohnehin liegt jeglicher Entscheidung die subjektive Beurteilung der Verhältnisse zu Grunde.

Hat nun ein Bergsteiger, der sich am Punkt in ca. 8150 m Höhe - also ca. 13 m unterhalb des Gipfels - zur Umkehr entschließt,
weil er der das Wagnis am Grat oder in der Querung als zu groß einschätzt, den Manaslu nicht bestiegen?
Um diese Frage beantworten zu können, müsste es einen allgemein anerkannten Maßstab für die Beurteilung solcher Gefahren am Berg
und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen geben. .
Diesen Maßstab gibt es aber nicht und es kann ihn auch nicht geben.Erfahrung ist natürlich hilfreich bei der Einschätzung der Gefahren
Am Beispiel Manaslu kann man höchstens zwei Arten von Besteigungen voneinander unterscheiden:
a) auf dem höchsten Punkt  gestanden oder zumindest im engen Bereich der Gipfelkalotte
b) am Gipfelgrat die Höhe von ca. 8150 m erreicht
Der Hinweis auf "Gipfelkalotte" bei a) ist notwendig, wenn der höchste Punkt einer Wechte über festen Untergrund hinausragt wie z.B. am Broad Peak
oder wenn die Gipfelwechte bei Betreten zusammenbrechen würde wie evtl. hier am Manaslu.

Der inzwischen am Manaslu zu verzeichnende Massenandrang (Bild Nr. 17) kann Einfluss darauf haben, wie man sich im Gipfelbereich entscheidet.
Der in der Nachmonsunzeit stark verwechtete Gipfelgrat kann so schmal sein, dass Begegnungen von aufsteigenden und absteigenden Bergsteigern unmöglich
oder zumindest trotz Seilsicherung kaum verantwortbar sind. Begegnungen gibt es schon bei einer Gruppengröße von 2 Personen,
wenn auf dem Gipfel nur eine Person stehen kann. Je mehr Personen sich auf dem Gipfelgrat befinden, um so mehr Begegnungen gibt es.
In bestimmten Bereichen können dann alle entweder nur aufsteigen oder nur absteigen, wenn sie sich nicht alle in höchste Gefahr bringen wollen.
Wie entscheide ich mich am Gipfelgrat, wenn gefährliche Begegnungen unvermeidbar sind?
Bild Nr. 22 zeigt eine Situatioin mit Begegnung, wo die Breite des Grates das gerade noch erlaubt.
Aber auch dort bedingt die Begegnung das Aus- und Einklinken am Fixseil.

Im Internet kann man Videos finden, die solche Situationen im Auf - und Abstieg drastisch vor Augen führen.
Trotz unzureichender Bildqualität seien folgend zwei Standbilder aus einem solchen Video gezeigt:

(29) Der Erste einer Gruppe am Vorgipfel (8159 m) des Manaslu
(hier ist keine größere Bildversion hinterlegt)

Video: Tokyo Hutte; Beschriftung des Standbilds: Günter Seyfferth  

(30) Begegnung des Ersten im Abstieg mit der nachrückenden Menschenschlange
(hier ist keine größere Bildversion hinterlegt)

Es ist der Bereich des Grates, in dem auch Bild Nr. 22 entstanden ist.
Fast niemand aus dieser Menschenkette hat die Chance, den Gipfel zu betreten.
Wahrscheinlich wird auch fast niemand zumindest den Punkt 8150 am Gipfelgrat erreichen.

Video: Tokyo Hutte; Beschriftung des Standbilds: Günter Seyfferth  

 

E. Wetterküche Manaslu

Es gibt zwei Zeitfenster, die aufgrund ihrer Wetterbedingungen für die Besteigung der hohen Berge in Nepal in Frage kommen: die Monate April und Mai - die sog. Vormonsunzeit - und die Monate September und Oktober - die sog. Nachmonsunzeit. Diese Aussage gilt zumindest für die üblichen Expeditionen, die sich nicht ganz extremen Witterungsbedingungen aussetzen wollen, in denen die Erfolgsaussichten minimal sind. In den genannten Zeiträumen wird die Großwetterlage in Nepal hauptsächlich durch den tropischen östlichen Jetstream bestimmt. Als Jetstream bezeichnet man die in großen Höhen um die Erde kreisenden Starkwindbänder mit Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert km/h. Weicht der Jetstream in Richtung tibetisches Hochland zurück, so ist in Nepal mit brauchbarem Gipfelwetter zu rechnen, dessen Dauer aber recht kurz sein kann. Die Gipfel der Achttausender ragen in die Höhenzone des Jetstream hinauf. Wenn diese Luftströmung über dem Gebirgskamm liegt, ist ein Aufenthalt in den ganz großen Höhen unmöglich. Der Sturm würde die Bergsteiger vom Berg wehen. Außerdem sorgt er für eine schnelle Auskühlung des Körpers und bewirkt in kurzer Zeit schwere Erfrierungen. Derartige Verhältnisse sind bei klarem Himmel an den langen Schneefahnen der Gipfel zu erkennen, die anzeigen, dass der Sturm den Schnee von den Bergflanken reißt.

Neben diesen Einflüssen aus der Großwetterlage haben am Manaslu aber auch die extremen topografischen Gegebenheiten eine große Auswirkung auf das Wetter. Der Manaslu Himal steigt - von Süden gesehen - unmittelbar aus der nepalesischen Tiefebene auf. Da gibt es, abgesehen von ein paar unbedeutenden Höhenzügen, kein Vorgebirge wie z.B. südlich des Mount Everest. Die Talsohlen südlich des Manaslu Himal liegen 6000 bis 7000 m tiefer als die Gipfel! Die Sonneneinstrahlung bewirkt, dass sich die Luft über dem Tiefland erwärmt. Warme Luft nimmt relativ viel Luftfeuchtigkeit auf - mehr als kalte Luft. Warme Luft ist auch leichter und steigt nach oben.

 

Beim Aufsteigen kühlt die Luft ab, ein Teil der Luftfeuchtigkeit kondensiert, es bilden sich Wolken. Bei südlicher Windrichtung strömen Luft und Wolken gegen die hohe Gebirgsmauer, es entstehen extrem starke Aufwinde mit weiterer Wolkenbildung und extremen Temperaturunterschieden. Alles sind beste Voraussetzungen für lokale Unwetter von heftigstem Ausmaß. 

Der Manaslu ist berüchtigt für seine launischen und gefährlichen Wetterwechsel. Die Höhenbergsteiger kennen es: früh morgens ist strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen trübt die Vorfreude auf einen schönen Aufstieg ins nächste Hochlager. Übermorgen der Gipfel? Am Vormittag hängen zwar Quellwolken tief unten über dem Vorland, aber oben ist alles bestens. Und dann bricht das Unwetter innerhalb kurzer Zeit wie aus dem Nichts über die Bergsteiger herein. Die Wolken schießen plötzlich aus dem Tal nach oben, der Wind wird immer heftiger, dann steckt man selbst in den Wolken, es beginnt zu schneien, der Sturm peitscht die Schneekristale ins Gesicht, die Sicht geht gegen Null, die Aufstiegsspur verweht. Aus einem zunächst herrlichen Aufstieg ist binnen Kurzem ein verzweifelter Abstieg hinunter in die Sicherheit geworden. Es kann sein, dass am nächsten Morgen wieder strahlend blauer Himmel herrscht, als wäre nichts gewesen. Es kann aber auch sein, dass es der Beginn einer Schlechtwetterperiode war mit Stürmen und Schneefall bis hinunter ins Basislager. Anschließend heißt es wieder warten, bis die Lawinen abgegangen sind und sich der Neuschnee weiter oben verfestigt hat. Der Manaslu verlangt von den Bergsteigern viel Geduld und Zähigkeit. Ähnliche topografische Gegebenheiten bestimmen übrigens auch das Wetter an der Annapurna-Kette und am Dhaulagiri I.

 

Die folgend vorgestellten Bergsteiger haben Fotos für die Sichten vom Manaslu zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich auch an dieser Stelle sehr herzlich.

Alix von Melle und Luis Stitzinger
haben die Bilder für diese Seite zur Verfügung gestellt. Die beiden waren eines der erfolgreichsten deutschen Paare im Höhenbergsteigen bis Luis Stitzinter im Jahr 2023 am Kangchenjunga zu Tode kam. Luis war Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und als Expeditionsleiter unterwegs gewesen. Alix ist Pressesprecherin bei Globetrotter Ausrüstung München.

Seit 2001 waren sie jedes Jahr mehrfach zusammen an den Bergen der Welt unterwegs gewesen. Beide liebten das Klettern in Fels und Eis. Luis hat sich zudem einen Namen als Steilwand-Skifahrer gemacht. So war es kein Wunder, dass er seine Ski auch auf die Achttausender des Himalaya schleppte. Dann trennten sich die Wege des Paares manchmal während des Abstiegs, wenn Luis auf seinen Brettern abfuhr, während Alix meist lieber "normal" abstieg. Aber auch Alix ist am Manaslu aus 6900 m Höhe auf Skiern abgefahren.

Im gemeinsamen Tourenbuch stehen u.a. der Cho Oyu, die Acongagua-Südwand (Franzosenroute), der Muztagh Ata, der Khan Tengri, die Ama Dablam, der Tocclaraju (Peru), der Huascaran (Peru), der Denali, Cassin Ridge (Alaska), der Pumori (bis 6850 m), der Gasherbrum II, der Pik Lenin, der Nanga Parbat, der Dhaulagiri I, der Makalu (bis 8050 m), der Broad Peak, der K2 (bis 8000 m), der Manaslu, der Shisha Pangma.

Alix von Melle ist mit z.Zt. sieben bestiegenen Achttausendern die erfolgreichste deutsche Höhenbergsteigerin. Nach dem Tod von Luis hat sie ihre eigene Website geschaffen: https://www.alixvonmelle.de. Im Jahr 2015 erschien ihr gemeinsames Buch "Leidenschaft fürsLeben"..

Die folgenden Bilder der beiden entstanden bei den Expeditionen im Frühjahr 2012 und im Herbst 2017. Der Anmarsch erfolgte von Südosten durch das Tal des Budhi Gandaki bis zur Ortschaft Sama in 3530 m Höhe. Von dort aus wurde das Basislager in 4850 m Höhe am Rande des Manaslu-Gletschers errichtet.

Die Geschichte der Erkundung, der Erstbesteigung und der Erstbegehung neuer Routen am Manaslu
finden Sie in ausführlicher Form einschl. Fotos mit eingetragenen Routen hier.

 

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