Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

Mount Everest, K2, Kangchenjunga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga Parbat, Broad Peak, Annapurna I, Gasherbrum, Shisha Pangma und viele andere

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Karakorum Ost / K2 und Shaksgam

Das hier beschriebene Gebiet zwischen dem Gebirgskamm des Great Karakorum und dem Fluss Shaksgam (Kulqin River auf der chinesischen Landkarte) kann in zwei Bereiche mit grundlegend unterschiedlichen topografischen Merkmalen unterteilt werden:
Im nördlichen Bereich fließen die Gletscher vom Gebirgskamm nicht in Richtung Shaksgam, weil im Nordosten und Osten ein weiterer Riegel aus hohen Bergen im Weg liegt. Die Schmelzwasser fließen zum Sarpo Laggo River ab, der wenig weiter nördlich in den Shaksgam mündet.
Im südlichen Bereich liegt kein weiterer Gebirgsrücken im Weg, so dass die Gletscher vom Gebirgskamm aus direkt zum Shaksgam fließen. Teilweise stoßen sie sogar bis ins Flussbett vor.
Die Grenze zwischen den beiden Bereichen ist der Nord-Gasherbrum-Gletscher bzw. der benachbarte kleinere Süd-Skyang-Gletscher, die beide noch direkt zum Shaksgam fließen. Entsprechend dieser grundlegenden Verschiedenheit teile ich die Beschreibung in einen Nordteil und einen Südteil auf - jeder Teil mit der entsprechenden Landkarte. Die beiden Landkarten überlappen in vertikaler Richtung im Bereich des K2 und Nord-Gasherbrum-Gletschers, so dass der Zusammenhang ersichtlich ist. Die Karte des südlichen Teils beginnt aber wegen der Gesamtrichtung der Gebirgskamms um ca. 17 Bogenminuten nach Osten versetzt. Dies erkennen Sie an der der Lage des Längengrades 76° 45' in den Landkarten.

Der nördliche Bereich: K2, K2-Gletscher, North-Skyang-Gletscher, Sarpo Laggo-River und Aghil-Pass

Die Landkarte ist in doppelter Größe hinterlegt. Die Landkarte zum Aghil-Pass findn Sie hier.

Eine sehr gute Karte auf der Basis von detaillierten Satelliten-Fotos ist "K2 and Baltoro Glacier 1:80.000" von Grzegorz Glazek. Die Karte reicht nach Osten aber nur bis zum Urdok-Gletscher.
Nähere Informationen mit Adressen zur Bestellung im In- und Ausland sowie einen Detail-Ausschnitt finden Sie unter http://www.mastertopo.com/maps/baltoro/index.htm.

Quellen der Detail-Informationen:

- A Study of Karakorum & Hindukush Mountains, Edited by Tsuneo Miyamori & Sadao Karibe, 
  Map no.  9  - Insgaiti Glacier. 1 : 150.000
  Map no. 10 - Baltoro-Glacier & Khapulu, 1 : 150.000
  Map no. 13 - Baltoro-Glacier, 1 : 75.000
- Karte "K2 - Mount Qogori" 1:100.000, Chinese Institute of Glaciology
- Karte "K2 and Baltoro Glacier 1 : 80.000" von Grzegorz Glazek (siehe oben)
- Eigene Auswertungen mit Hilfe von Google Earth hinsichtlich von Gipfelhöhen nordöstlich des
  Shaksgam und im Bereich von Staghar-, Singhi- und Kyagar-Gletscher

Dank an die Autoren der Bilder:

Ich bedanke mich sehr herzlich bei den Autoren, die mir die Erlaubnis zur Wiedergabe ihrer Bilder gegeben haben.

Links zu zugehörigen Informationen  dieser Website:

- Gesamtübersicht über den Himalaya 
- Karakorum Übersicht
- Karakorum aus der Luft
- Region Karakorum - Baltoro
- Aghil-Pass 

- Gipfelliste "Gipfel > 6750 m"
- Gipfelliste "Berge im Karakorum"  
- Die 14 Achttausender mit K2, Gasherbrum I, Broad Peak, Gasherbrum II
- K2, Geschichte und Literatur
- K2 - Gipfelpanorama
- Bildergalerien von Gipfelbesteigungen im Baltoro
- Bildergalerien von Trekking-Touren im Baltoro 


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Allgemeingültige Merkmale für beide Bereiche

Der Shaksgam River fließt bis nördlich des K2 parallel zum Hauptkamm des Great Karokorum (Erläuterung: siehe hier), d.h. von Südosten nach Nordwesten. Südwestlich des Aghil-Passes unterbricht er seine Hauptfließrichtung in Form einer S-förmigen Linie, wodurch ein Versatz in südwestlicher Richtung um ca. 10 km zustande kommt. Der Fluss fließt auf einem breiten ebenen Talboden zwischen hohen Bergwänden, oft geteilt in mehrere Flussarme mit immer wieder wechselnden Verläufen. Feste Wege in diesem Tal gibt es nicht. Wo die Mäandern des Flusses an die Felswände stoßen, zwingt der Fluss zu Durchquerungen, die lebensgefährlich sein können. In den Monaten Juli und August führt der Fluss u.U. so viel Wasser, dass eine Durchquerung unmöglich wird; er wird ja von den Schmelzwassern vieler großer Gletscher gespeist. Die Gefahr liegt in der reißenden Strömung, der eisigen Wassertemperatur knapp über Null Grad und den rollenden Steinen am Grund des Flusses, die keine Rücksicht auf Fußknöchel nehmen. Üblicherweise mietet man in Yikil nordöstlich des Aghil-Passes Kamele (Trampeltiere) für den Gepäcktransport an und lässt sich bei den Flussquerungen von den Tieren tragen. Aber auch dies ist keine Gewähr dafür, dass man nicht doch irgendwo scheitert. Eine Chance besteht dann evtl. am frühen Morgen, solange die niedrigen Nachttemperaturen noch für weniger Schmelzwasser von den Gletschern sorgen, es ist aber schon vorgekommen, dass Bergsteiger wochenlang abgeschnitten waren.

Der Hauptkamm des Great Karakorum hat von Südosten her bis zum K2 (8611 m) die Richtung Nordwest, am K2 mit einer "Ausbuchtung" in Richtung Nordost und dem Skyang Kangri als Eckpunkt. Noch vor dem K2 krönt er seine Linie mit den anderen drei Achttausendern des Karakorum, dem Gasherbrum I (8068 m, Hidden Peak), dem Gasherbrum II (8035 m) und dem Broad Peak (8051 m). Am zweithöchsten Berg der Erde wendet sich der Gebirgskamm nach Westen. Über den Kamm verläuft die Grenze zwischen China und Pakistan. Allerdings erhebt auch Indien noch Ansprüche auf das Gebiet nordöstlich der Grenze, was aber in Anbetracht der Tatsachen und der heutigen politischen Kräfteverhältnisse einigermaßen wirklichkeitsfremd erscheint.

Der Zugang in das vollkommen unbewohnte Gebiet erfolgt allgemein von Kashgar aus. Über die chinesische Nationalstraße G219 wird Mazar am Yarkand-River erreicht. Von dort führt eine Schotterstraße im Tal des Yarkand etwa 30 km nach Westen, wo im kleinen Dorf Yikil die  bestellten Kamele bereitstehen die über eine Agentur bestellt werden. Gut 35 km sind es von dort bis zum Aghil-Pass (4805 m). Ca. 7 km weiter südlich und 850 tiefer wird das Ufer des Shaksgam erreicht. Ab dort gibt es keine gebahnten Wege mehr.

Zu den Höhen der Gipfel in den beiden Karten sei angemerkt, dass sich diesbezüglich viele Angaben in den Quellen widersprechen. Diesbezüglich habe ich folgenden Kompromiss gewählt: Die Höhen auf pakistanischem Territorium wurden teilweise aus dem Kartenwerk "A Study of Karakorum & Hindukush Mountains, Edited by Tsuneo Miyamori & Sadao Karibe" entnommen, teilweise wurden aber auch Höhen gemäß eigener Ermittlung verwendet. Die Höhen auf chinesischem Territorium und auf der Grenze wurden aus "K2 - Mount Qogori" entnommen. Die Höhen zu Punkten außerhalb verfügbarer Karten wurden mit Hilfe von Google Earth abgeschätzt, auch die Höhen der Kyagar-Gruppe, die im japanischen Kartenwerk um ca. 200 m zu hoch angegeben zu sein scheinen.

Der nördliche Bereich

Der alles beherrschende Berg der Region ist natürlich der K2 (8611 m, Erstbesteigung im Jahr 1954). Der Besucher wird aber feststellen, dass sich dieser berühmteste Berg des Karakorum und zweithöchste Gipfel der Erde doch sehr vor den Blicken verbirgt. Weder vom Aghil-Pass noch vom Anmarsch durch das Shakgsgam-Tal ist er zu sehen. Erst beim Einbiegen in das Tal des Sarpo Laggo kommt seine Spitze ins Blickfeld, aber auch noch nicht viel mehr. Wegen der Vorberge muss man im Tal ein Stück nach Norden abrücken, um mehr zu sehen, was aber weitere Flussquerungen am Shaksgam bedingt. Der Autor des folgenden Bildes war etwa 15 km nordwestlich der Mündung des Sarpo Laggo und hat diese einmalige Aufnahme gemacht, in der die Mächtigkeit des K2 gegenüber seinen Trabanten zum Ausdruck kommt:



(1) Blick aus dem Shaksgam-Tal von Nord-Nordwest zum K2 (8611 m)
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Links ist der Skyang Kangri zu sehen, der immherhin auch 7545 m hoch ist,
der neben dem K2 aber trotzdem klein wirkt.
Foto: Michael Beek, www.beek-pakistan.de; Beschriftung: Günter Seyfferth

Der K2 gilt als der schwierigste Berg aller Achttausender. Seine Geschichte der Besteigungen ist geprägt von fürchterlichen Unglücken, aber natürlich auch von glorreichen Erfolgen. Die Erstbesteigung gelang einer italiensischen Expedition im Jahr 1954 von der Seite des Baltoro-Gletschers. Die hier sichtbare Nordflanke wurde erstmals im Jahr 1982 von einer japanischen Expedition durchstiegen. Der Skyang Kangri wurde erstmals im Jahr 1976 bestiegen.

Wenn Sie sich auf den Gipfel des K2 versetzen und die Aussicht von dort genießen wollen, so können Sie das hier tun, dank der großzügigen Bereitstellung der Bilder von Gerlinde Kaltenbrunner, die im Jahr 2011 ebenfalls durch diese Nordflanke aufgestiegen ist.

Am Übergang vom Tal des Shaksgam in das Tal des Sarpo Laggo gibt es die Möglichkeit, anstatt des Weges um die Spitze des Bergrückens eine Abkürzung über einen kleinen Pass zu nehmen. Von der erhöhten Position des folgenden Weges entlang des Berghangs sieht man ebenfalls mehr vom K2 als vom 150 m tiefer liegenden Talboden:

(2) Blick vom oberen Übergang aus dem Shaksgam-Tal ins Tal des Sarpo Laggo nach Süden
mit dem K2 (8611 m) und dem Thyor (6735 m) über dem Tal des Sarpo Laggo

(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Der Talboden ist hier etwa 2 km breit. Hinter dem Bergrücken auf der rechten Bildseite mündet von Westen das Tal des Skamri-Gletscher (Insgaiti-Gletscher, Crevasse-Gletscher) ein.
Das Shaksgam-Tal liegt im Rücken des Betrachters.
In der Bildmitte befindet sich der Lagerplatz Sughet Jangal in 3900 m Höhe.
Dort, direkt neben dem K2- River, gibt es Grün für die Kamele. Dort steht auch das Basislager der Expeditionen zur Nordflanke des K2. Der Zugang zum K2-Gletscher geht vom Lager nach links
ins Tal des K2-Gletschers.
Foto: Roger Nix, www.flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Das Tal des Sarpo Laggo ist weiter oben geprägt von dem gleichnamigen Gletscher. Auf seiner südlichen Seite gibt es Übergänge zum Baltoro-Gletscher, die allerdings einen Grenzübertritt bedingen. Vor dem auf vorstehendem Bild sichtbaren Thyor (6735 m) liegt der Moni-Pass (5580 m), weiter westlich der East-Muztagh-Pass (5389 m) und der Sarpo Laggo-Pass (5704 m). Spätestens jenseits von Sughet Jangal wird man keinen Menschen mehr antreffen.

Wer der Nordwand des K2 nahe rücken und diese auf volle Höhe sehen will, muss schon einige Mühe auf sich nehmen. Neben dem K2-River wird bis auf 4100 m aufgestiegen, wo man vor der Zunge des K2-Gletschers steht. Man blickt von dort in die Schlucht des Nord-Skyang-Gletschers und rechts das Tal des K2-Gletschers hinauf. Da dieses aber nochmals einen Knick aufweist, ist auch von hier der untere Teil der Nordwand des K2 verdeckt. Wer mehr sehen will, hat noch eine größere Tour vor sich. Zunächst geht es im Geröll am Westrand des Gletschers entlang, bis in 4625 m Höhe schließlich der Gletscher betreten werden muss. Man hält sich in der Mitte auf der Mittelmoräne, die ab der letzten Gletscherbiegung wie eine Allee zwischen bizarren Eisnadeln direkt auf den K2 zuführt. In etwa 5050 m Höhe liegt das vorgeschobene Basislager des K2, wo aber - im Gegensatz zur Südseite des K2 - nicht immer eine Expedition anzutreffen ist. Wer bis hierher gelangen will, muss seine eigene Zeltausrüstung dabei haben. Der Blick in die Nordwand des K2 ist überwältigend:

(3) Der obere Teil der K2-Nordwand vom vorgeschobenen Basislager auf dem K2-Gletscher
Bilder von der Aufstiegsroute in diesem Abschnitt finden Sie hier.
Foto: Gerlinde Kaltenbrunner/Ralf Dujmovits  

Wie fast alle Berge des chinesischen Karakorum abseits der Hauptkette sind auch die Berge nordwestlich des K2 weitgehend unbekannt. Sie ducken sich sozusagen im Schatten des übermächtigen K2. In der Gruppe zwischen dem K2-Gletscher und dem Sarpo Laggo-Gletscher tragen auch nur die Gipfel des Chongtar-Kangri einen Namen. Der Chongtar Kangri I erreicht aber immerhin eine Höhe von 7315 m. Er wurde erstmals im Jahr 1995 bestiegen.

Nördlich bis nordöstlich des K2 ist das Gebiet von den beiden Gletschern Nordwest-Skyang (auch Dong-Qogori-Gletscher) und North-Skyang-Gletscher durchschnitten. Beide Gletscher geben ihr Schmelzwasser an den K2-River ab, der dadurch an Nachmittagen im Juli und August direkt neben dem Lagerplatz Sughet Jangal durchaus auch zu einem großen Hindernis im Zugang vom Shaksgam-Tal her werden kann. Die Zunge des Nord-Skyang-Gletschers kann nur vom K2-Gletscher aus über einen Seitenpass nordöstlich des Tilman Peak erreicht werden; die Schlucht selbst ist unpassierbar. Vom oberen Becken des Nord-Skyang-Gletschers ist wieder der K2 gut sichtbar und daneben der Skyang Kangri (7545 m).Der obere NW-Skyang-Gletscher kann von geübten Bergsteigern auch über einen 6084 m hohen Pass direkt aus dem Becken des oberen K2-Gletschers erreicht werden. Von diesem Aufstieg zeigt sich der Nordwestgrat des K2 im Profil:



(4) Blick von Norden aus ca. 5750 m Höhe zum K2 (8611 m)
Hier sieht man den Nordwestgrat des Berges im Profil, weiter rechts den Savoia-Sattel (6270 m).
Der schwierige "Normalweg" auf der Nordseite führt über den Nordwestgrat bis auf Höhe des Hängegletschers im obersten Teil der Nordwand und über diesen nach links auf den Nordgrat.
Foto: wwww.turclubmai.ru

 

 

Zur Fortsetung der Beschreibung des nördlichen Bereiches

 

Auch vom oberen Becken des Nord-Skyang-Gletschers ist der K2 gut sichtbar und daneben der Skyang Kangri (7545 m):

(5) Blick vom Becken des oberen Nord-Skyang-Gketschers nach Südwesten
mit Skyang Kangri (7545 m), Skyang Kangri West (7174 m) und K2 (8611 m)
Foto: wwww.turclubmai.ru

Die Gletscher nordöstlich des K2 wurden im Jahr 1937 von dem Briten H.W. Tilman erforscht, der sich für diesen Abstecher für ein paar Tage von seinem Kollegen Eric Shipton verabschiedet hatte, der weiter nördlich erkundete. Wer hier geht, hat die Welt ganz alleine für sich. Vom Nord-Skyang-Gletscher gibt es einen Übergang (auf dem Foto nach links) zum Süd-Skyang-Gletcher und damit zu dem südlichen Bereich, der weiter unten beschrieben wird.

Vom Süd-Skyang-Gletscher geht der Blick in die Südostwand des Skyang Kangri:

(6) Blick von einem Aussichtspunkt oberhalb des Süd-Skyang-Gletschers
nach Südwesten bis Westen mit dem Skyang Kangri (rechts, 7545 m)
Hinter dem Pass links des Skyang Kangri, dem Windy Gap (5925 m), beginnt
der Godwin-Austen-Gletscher, der zum Baltoro-Gletscher fließt.
Foto: wwww.turclubmai.ru

 

Einen Überblick mag nochmals das folgende Luftbild geben:

(7) Luftbild von Norden mit Skyang Kangri und K2
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Diese Aufnahme mit dem Teleobjektiv verkürzt die Entfernungen.
Die hier sichtbaren Hauptgipfel sind (von links):
Gasherbrum IV (7932 m), Chogolisa (7654 m), Broad Peak (8051 m),
Skyang Kangri (7545 m) und K2 (8611 m).
Zwischen Broad Peak bzw. Skyang Kangri und Chogolisa liegt
der Bereich des Godwin Austen-Gletschers und des oberen Baltoro-Gletschers.
Mit Pfeilen ist markiert, wo das Shaksgam-Tal verläuft und wo der Aghil-Pass liegt.
Foto: Brian McMorrow, www.pbase.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Kehren wir zurück ins Shaksgam-Tal: Wer vom Aghil-Pass zum K2 geht, erreicht das Shaksgam-Tal an einem Platz, der Kerching Brakk genannt wird. Der Talboden liegt dort auf etwa 3950 m Höhe. Etwas westlich am südlichen Ufer des Flusses  gibt es einen Platz ("Qinghongtan" in der chinesischen Landkarte), der auch etwas Pflanzenwuchs für die Kamele aufweist und deshalb gerne als Lagerplatz genutzt wird. Da man den Shaksgam an seinem nördlichen Ufer erreicht hat, muss der Fluss überquert werden. Wohl dem, der sich hier dem Rücken von Kamelen anvertrauen kann (siehe oben). Vom Flussbett aus kann man die Felszinnen am Nordufer bewundern, die manchen Europäer an die Dolomiten erinnern:

(8) Blick aus dem Flussbett des Shaksgam bei Kerching Brakk
nach Norden bis Nordwesten auf die Berge entlang des Nordufers.
Die Gipfel stehen 1500 bis 1600 m über dem Talboden.
Der Abstieg vom Aghil-Pass endete knapp außerhalb des rechten Bildrandes.
Foto: Ralf Dujmovits, www.ralf-dujmovits.de

(9) Blick vom Lagerplatz Qinghongtan am südlichen Flussufer auf die "Shaksgam-Dolomiten"
Foto:
Ralf Dujmovits, www.ralf-dujmovits.de

(10) Blick vom Shaksgam-Tal in 3950 m Höhe nach Osten auf die Berge der Aghil-Kette. Der Abstieg vom Aghil-Pass liegt jenseits des Flusses links außerhalb des Bildes.
Der Weg nach Süden zum folgend beschriebenen südlichen Bereich
beginnt jenseits des Flusses nach rechts.
Die kleine Karawane ist auf dem Weg zum K2 und hat gerade die Flussquerung hinter sich gebracht. Hier auf diesem Bild herrscht Niedrigwasser. Ein paar Meter weiter ist der Lagerplatz Qinghongtan erreicht.

(11) Blick nach Südosten vom Übergang aus dem Shaksgam-Tal zum Tal des Sarpo Laggo
Auf dem Weg zum K2 blickt der Wanderer hier zurück auf den S-förmigen Bereich des Tales, durch den er gekommen ist. Der Blick geht auf die Berge um den Qinghong Peak.
Foto: Roger Nix, www.flickr.com

Zur Landkarte des nördlichen Bereiches

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Der südliche Bereich: Broad Peak, Gasherbrum-Gruppe, Teram-Apsarasas-Gruppe, Kyagar-Gletscher bis Nord-Gasherbrum-Gletscher

Die Landkarte ist in doppelter Größe hinterlegt.

Eine sehr gute Karte auf der Basis von detaillierten Satelliten-Fotos ist "K2 and Baltoro Glacier 1:80.000" von Grzegorz Glazek. Die Karte reicht nach Osten aber nur bis zum Urdok-Gletscher.
Nähere Informationen mit Adressen zur Bestellung im In- und Ausland sowie einen Detail-Ausschnitt finden Sie unter http://www.mastertopo.com/maps/baltoro/index.htm.

Quellen der Detail-Informationen:

- A Study of Karakorum & Hindukush Mountains, Edited by Tsuneo Miyamori & Sadao Karibe, 
  Map no.   8 - Biafo-Glacier & Skardu, 1 : 150.000
  Map no. 10 - Baltoro-Glacier & Khapulu, 1 : 150.000
  Map no. 11 - Siachen-Gletscher, 1: 150.000
  Map no. 13 - Baltoro-Glacier, 1 : 75.000
- Karte "K2 - Mount Qogori" 1:100.000, Chinese Institute of Glaciology
- Karte "K2 and Baltoro Glacier 1 : 80.000" von Grzegorz Glazek (siehe oben)
- Eigene Auswertungen mit Hilfe von Google Earth hinsichtlich von Gipfelhöhen nordöstlich des
  Shaksgam und im Bereich von Staghar-, Singhi- und Kyagar-Gletscher

Dank an die Autoren der Bilder:

Ich bedanke mich sehr herzlich bei den Autoren, die mir die Erlaubnis zur Wiedergabe ihrer Bilder gegeben haben.

Links zu zugehörigen Informationen  dieser Website:

- Gesamtübersicht über den Himalaya 
- Karakorum Übersicht

- Region Karakorum - Baltoro
- Region Karakorum Südost
- Aghil-Pass
- Gipfelliste "Gipfel > 6750 m"
- Gipfelliste "Berge im Karakorum"  
- Die 14 Achttausender mit K2, Gasherbrum I, Broad Peak, Gasherbrum II
- K2, Geschichte und Literatur
- K2 - Gipfelpanorama
- Gasherbrum I, Geschichte und Literatur
- Gasherbrum I - Gipfelpanorama
- Broad Peak, Geschichte und Literatur
- Broad Peak - Gipfelpanorama
- Gasherbrum II, Geschichte und Literatur 
- Hohe Siebentausender mit Gasherbrum III, Gasherbrum IV
- Aussichtspunkt Concordia 
- Bildergalerien von Gipfelbesteigungen im Baltoro
- Bildergalerien von Trekking-Touren im Baltoro 
- Bildergalerien zum südlichen Karakorum 

Der südliche Bereich

Zwei hilfreiche Anmerkungen:

a) Die Mehrzahl der folgenden und auch drei der vorstehenden Fotos stammt von Autoren, die unter
    www.turclubmai.ru veröffentlichen. Diese und weitere Bilder sind auch bei Google Earth
    zu finden, wenn Sie die dortige Funktion "Fotos" aktivieren. Im Falle von turclubmai sind sogar die
    jeweiligen Standorte der Fotografen exakt eingetragen, was viele andere Autoren von Bildern
    in Google Earth offensichtlich nicht schaffen. Leider stehen die Bilder seit dem 04.11.2016 in
    Google Earth nur noch im Kleinformat zur Verfügung, da die Bild-Plattform "Panoramio" von Google
    gelöscht wurde. Bericht und Bilder sind aber zu finden unter
    http://static.turclubmai.ru/papers/2219/index.html#z00.

b) Es kann hilfreich sein, auch einmal von oben in die beschriebene Region zu schauen. Dies können
    Sie tun, wenn Sie die Seiten mit den Gipfelpanoramen vom K2 oder vom Gasherbrum I öffnen. Die
    dortigen beschrifteten Fotos erklären, was von diesen Gipfel, also von oben zu sehen ist.

Der Hauptgebirgskamm des Great Karakorum und der Shaksgam River verlaufen in diesem Bereich weitgehend parallel. Der Abstand beträgt im Mittel nur etwa 12 km. Die östlich des Hauptkamms gelegenen Gletscher fließen zum Shaksgam, stoßen sogar teilweise bis in dessen Flussbett vor. Trotz der relativen Nähe des Flusses haben die Gletscher eine stattliche Länge von bis zu 25 km. Dies liegt daran, dass sie vom Gebirgskamm nicht rechtwinklig abfließen, sondern durch die Richtung der Nebenkämme nach Nordwesten gedrängt und streckenweise fast parallel zum Fluss verlaufen (siehe Karte).

Auf dem Weg vom Aghil-Pass nach Südosten folgt der Bergsteiger oder Trekker zunächst noch einem ca. 15 km langen Abschnitt des Shaksgam-Tales, der auf der Karte des nördlichen Bereiches dargestellt ist, links begleitet von den Aghil-Bergen, rechts von der Steilwand, in der es nur kurze, steile Seiteneinschnitte gibt.



(12) Blick vom Abstieg vom Aghil-Pass nach Süd-Südosten ins Shaksgam-Tal
Die Aghil-Berge auf der linken Seite erreichen Höhen bis fast 6900 m.
Der Talboden liegt unten beim Lagerpunkt Kerching Brakk auf 3960 m Höhe.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Auf dem breiten Talboden sucht man sich einen Weg, so wie ihn die mäandernden Arme des Shaksgam ermöglichen. Der nächste Lagerplatz mit etwas Grün ist Durbin Jangal in 4040 m Höhe. Der Platz liegt im vorstehenden Bild leicht rechts der Bildmitte vor dem großen Seitental. Die Gegensicht von diesem Platz zeigt das folgende Bild:

(13) Blick von einem Standort oberhalb des Lagerplatzes Durbin Jangal am Shaksgam
nach Nord-Nordwesten
Der Einschnitt hinten links ist das Seitental, das vom Aghil-Pass herabkommt.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Nach ca. 15 km Weg im Talgrund des Shaksgam trifft der Bergsteiger oder Trekker auf den Nord-Gasherbrum-Gletscher, der sich quer ins Flusstal vorschiebt und dem Shaksgam nur einen schmalen Durchlass an der gegenüberliegenden Felswand gewährt. Den Wanderer beschleicht ein beklemmendes Gefühl, wenn er sich dort einen Weg suchen muss. Diese Passage ist nicht ungefährlich, da aus der Eiswand jederzeit Türme herausbrechen können, was die Eistrümmer an ihrem Fuß belegen. Vor dem Gletscher endet der mögliche Weg für die Kamele, d.h. ab hier ist der Mensch sein eigener Lastenesel.
Für weitere Erkundungen empfiehlt sich also die Errichtung eines Basislagers am Nord-Gasherbrum-Gletscher, wo man sich später von den Kameltreibern wieder abholen lässt.

(14) Eismauer des Nord-Gasherbrum-Gletschers am Shaksgam
Die Passage zwischen Eiswand, Fluss und Felswand hat eine Länge von 2 km.

Der respektvolle Abstand von der Eiswand, der mäandernde Fluss, die Felswand: das kann 3 bis 4 Flussquerungen bedingen, bis man den 2 km langen Engpass hinter sich hat. Die meist bessere Alternative ist der Weg oben über den Gletscher, der dort weitgehend mit Geröll bedeckt ist, wo aber auch schon die ersten gigantischen Eiszinnen stehen, die aus weiten Teilen des unteren Gletschers emporragen und dem Menschen klarmachen, wie winzig er doch in dieser grandiosen Landschaft ist:

(15) Eine gigantische Eiszinne auf der Oberfläche des Nord-Gasherbrum-Gletschers
Man beachte das winzige Menschlein rechts oberhalb des Fußes der Eiswand.
Im Hintergrund die Felswand jenseits der Abbruchkante des Gletschers und des Shaksgam.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Einen sehr guten Überblick über die Hauptkette des Karakorum mit ihren 4 Achttausendern gibt das folgende Bild, das von einem Aussichtspunkt am östlichen Abhang des Shaksgam-Tales auf Höhe des Urdok-Gletschers, also nur wenig südöstlich der Standorte der Bilder Nr. 14 und 15 aufgenommen wurde:

(16) Blick vom einem Standort oberhalb des Shaksgam-Tales über die Gletscher Urdok und Nord-Gasherbrum hinweg auf die 4 Achttausender des Great Karakorum
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
von links u.a.: Gasherbrum II (8035 m), Gasherbrum III (7946 m), Gasherbrum IV (79325 m),
Broad Peak (8051 m) und K2 (8611 m)
Foto: William; Beschriftung: Günter Seyfferth

Weiter links steht noch der Gasherbrum I (8068 m). Nur noch in Nepal mit Mount Everest, Lhotse, Makalu und Cho Oyu gibt es eine solche Konzentration hoher Gipfel auf kleinem Raum, wobei die Baltoro-Kette noch diejenige in Nepal übertrifft, weil alle Gipfel zusammen mit einigen weiteren Fast-Achtausendern in einer einzigen Kette aufgereiht sind. Diese hohen Gipfel wurden wie folgt erstmals bestiegen:
Gasherbrum I (8080 m, Hidden Peak): 1958
Gasherbrum II (8035 m): 1956
Gasherbrum III (7946 m): 1975
Gasherbrum IV: (7932 m): 1958
Broad Peak (8051 m): 1957
K2 (8611 m): 1954
Die Ostflanken von Gasherbrum I und Broad Peak sind bisher unbezwungen. Die Ostflanke des Gasherbrum II wurde erstmals im Jahr 2007 durchstiegen, die Ostflanke des K2 im Jahr 1978. Der Mittelgipfel der Broad Peak (8011 m) wurde im Jahr 1992 durch die Ostflanke erreicht.

Auf dem vorstehenden Bild Nr. 16 sieht man den mittleren und unteren Bereich des Nord-Gasherbrum-Gletschers sowie die Zunge des Urdok-Gletschers. Das obere spektakuläre Becken des Nord-Gasherbrum-Gletschers liegt verborgen hinter dem Nakpo-Peak (mit der Wolkenkappe) vor der Ostwand des Broad Peak. Die folgenden beiden Bilder helfen, den Überblick zu verbessern. Sie sind von einem unbenannten Gipfel mit der Höhe 6279 m aufgenommen, der knapp nördlich der Zunge des Süd-Skyang-Gletschers steht (siehe Karte), also rechts außerhalb des vorstehenden Bildes:

(17) Blick vom P 6279 (nördlich der Zunge des South-Skyang-Gletschers) nach Südwesten
zur Gasherbrum-Gruppe
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Hier ist jetzt auch der Gasherbrum I (8080 m, Hidden Peak) zu sehen. Weiter links die Urdok-Gipfel und der Sia Kangri (7422 m), Erstbesteigung 1934 (damals hieß der Berg noch Queen Mary Peak)
Foto: Hervé Barmasse; Beschriftung: Günter Seyfferth

(18) Blick vom P 6279 (nördlich der Zunge des South-Skyang-Gletschers) nach West-Südwest
zum Broad Peak (8051 m)
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Der Gipfel 6648 (rechts) verdeckt den Nordgipfel des Broad Peak (7490 m).
Foto: Hervé Barmasse; Beschriftung: Günter Seyfferth

Um die Topografie der Berge um den Nord-Gasherbrum-Gletscher vollständig zu erfassen, ist ein Vorstoß in das obere Becken dieses Gletschers erforderlich. Dieser Vorstoß setzt auf jeden Fall Erfahrung im Begehen schwieriger Gletscher und die entsprechende Ausrüstung voraus. Auf dem Weg dorthin bewegt man sich zunächst entlang des Nordrandes des Gletschers, wo sich in ca. 4580 m Höhe ein phantastischer Blick über den East-Nakpo-Gletscher hinweg zu Gasherbrum I und II eröffnet:

(19) Blick vom Nordrand des Nord-Gasherbrum-Gletschers in ca. 4580 m Höhe nach Süden zum Gasherbrum I (8080 m, Hidden Peak) und Gasherbrum II (8035 m)
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Bei genauer Betrachtung erahnt man, dass sich vor den Hängen der Hauptkette eine Gletscherterrasse befinden muss (hinter P 5864 in Bildmitte). Diese Terrasse wird am einfachsten über den Sagan-Gletscher erreicht (siehe Karte und Bild Nr. 26)
Man beachte die Eiszinnen auf den Gletschern, die eine direkte Gletscherbegehung in diesen Bereichen praktisch unmöglich machen.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru; Beschriftung: Günter Seyfferth

(20) Blick vom North-Gasherbrum-Gletscher in ca. 5000 m Höhe nach West-Südwest
zur Ostwand des Broad Peak (8051 m)
Von links: P 7706, Hauptgipfel (8051 m), Vorgipfel (8026 m) und Mittel-Gipfel (8011 m)
Man kann sich nicht vorstellen, dass diese Wand jemals durchstiegen werden wird,
denn sie ist ständig bedroht von Lawinen, die von abbrechenden Teilen
der riesigen Schneewechten entlang des Gipfelgrates ausgelöst werden.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

(21) Blick vom North-Gasherbrum-Gletscher in ca. 5220 m Höhe nach Süden
zum Gasherbrum II (8035 m), Gasherbrum III (7946 m) und Gasherbrum IV (7932 m)
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Die Erstbesteigung des Gasherbrum IV erfolgte im Jahr 1958 über den langen Grat links des Gipfels.
Der Zugang erfolgte allerdings von Süden her über den Süd-Gasherbrum-Gletscher.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru; Beschriftung: Günter Seyfferth

(22) Blick vom North-Gasherbrum-Gletscher in ca. 5750 m Höhe nach Norden
zu den Gipfeln der Kharut-Gruppe und zum Skyang Kangri (7545 m)
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Die Gipfel der Kharut-Gruppe reichen knapp an die Siebentausendermarke heran. Zwischen diesen Felszinnen und dem Skyang Kangri liegt der Godwin Austen-Gletscher
auf pakistanischem Territorium.
Foto: Andrey Lebedev, www.turclubmai.ru; Beschriftung: Günter Seyfferth

Zur Fortsetzung der Beschreibung des südlichen Bereiches

Den nächsten Zugang dicht an die Osthänge der hohen Gipfel heran bietet der Urdok-Gletscher, den man aber in ca. 4625 m Höhe nach rechts verlässt, um über den Sagan-Gletscher die bereits bei Bild Nr. 19 erwähnte Gletscherterrasse zu erreichen. Alle diese "Zugänge" - auch die folgend beschriebenen - sind nicht einfach und dürfen nur von erfahrenen Gletschergehern mit vollständiger Sicherungsausrüstung gegangen werden.

(23) Blick am Urdok-Gletscher in ca. 4625 m Höhe nach Südosten
Von rechts mündet der Sagan-Gletscher ein, der unter die Ostwand des Gasherbrum I führt.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

(24) Blick vom Sagan-Gletscher in ca 4900 m Höhe nach Nord-Nordosten
zum Durbin Kangri I (6824 m, siehe Karte nördlicher Bereich)
Hier blickt man in die ausgedörrten Felsabstürze der Aghil-Berge am Shaksgam-River.
Zu Füßen der Urdok-Gletscher, der von rechts kommt.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

(25) Blick vom Sagan-Gletscher in ca. 5000 m Höhe nach Südwesten zum Gasherbrum I (8080 m)
Diese Wand ist noch nicht durchstiegen. Man erahnt die große Lawinengefahr,
wie gerade zu erleben ist (rechts).
Welch ein Kontrast zum vorherigen Bild in der entgegengesetzten Richtung!
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Der Sagan-Gletscher wendet sich im oberen Bereich nach Nordwesten und verläuft entlang der Ostwand des Gasherbrum I. Der Passübergng 5780 im Nordwesten am Fuß des Nordostgrates des Gasherbrum II East (7772 m) leitet über zum oberen Becken des East-Nakpo-Gletschers (siehe Bild Nr. 19) und bietet eine phantastische Sicht entlang der Bergkette des Great Karakorum sowohl nach Nordwesten als auch nach Südosten.

(26) Blick vom Nakpo-Sagan-Pass (5780 m) nach Nordwesten
mit dem Ostgipfel des Gasherbrum II und dem Hauptgipfel.
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Hier geht der Blick über das Becken des oberen East-Nakpo-Gletschers.
Der schwarze Felskopf 5930 ganz rechts ist auf Bild Nr. 19 wiederzufinden.
Der Pass 6305 im Hintergrund leitet hinüber zum Nord-Gasherbrum-Gletscher.
Ganz links läuft der Nordostgrat des Gasherbrum II East auf den Betrachter zu.
Foto: Andrey Lebedev, www.turclubmai.ru; Beschriftung: Günter Seyfferth

In entgegengesetzter Richtung geht der Blick weit nach Südosten:

(27) Blick aus der Nähe des Nakpo-Sagan-Passes nach Südosten zum Gasherbrum I (8080 m)
und den weiter entfernten Siebentausendern des Great Karakorum
Hier geht der Blick über das Becken des oberen Sagan-Gletschers.
Ganz rechts der P 7388, ein Vorgipfel des Gasherbrum II East (7756 m),
der hier rechts außerhalb des Bildes liegt.
Der Einschnitt zwischen Gasherbrum I und P 7388 ist der Gasherbrum La (6511 m).
Dies ist aber kein Pass, der überschritten werden könnte. Zum einen verläuft dort
die Staatsgrenze zwischen Pakistan und China, zum anderen ist der hier sichtbare
nordöstliche Abhang sehr schwierig und gefährlich.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Die Gipfel im Hintergrund sind nur durch das Teleobjektiv sicher zu identifizieren:



(28) Blick aus der Nähe des Nakpo-Sagan-Passes nach Südosten
bis zu den Bergen der Teram- und Apsarasas-Gruppe
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Die hier sichtbaren Gipfel liegen bereits an der Grenze des Einzugsbereichs des größten Gletschers des Karakorum, des Siachen-Gletschers.
Vor dem kleinen Eisbruch in der Bildecke rechts unten fließt der Sagan-Gletscher nach links zum Urdok-Gletscher ab. In diesem Bereich sind die Bilder Nr. 24 und 25 aufgenommen.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Flussaufwärts kommen noch drei weitere Gletscher direkt in Berührung mit den Wassern des Shaksgam: Staghar-Gletscher, Singhi-Gletscher und Kyagar-Gletscher. Das Tal selbst behält den schon bekannten wüstenhaften Charakter mit dem auf dem breiten Boden mäandernden Fluss. Bei der Einmündung des Staghar-Gletschers leuchten einige spektakuläre, aber unbenannte Berge über den Eiszinnen des Gletschers:

(29) Blick vom Shaksgam vor dem Staghar-Gletscher nach Süd-Südosten auf die unbenannten Gipfel zwischen Staghar und Urdok-Gletscher
Die Berge gehören zu der Kette, die auf Bild Nr. 23 auf der linken Seiite zu sehen ist.
Der höchste Gipfel (6548 m, links) liegt auf der Grenze zwischen China und dem indisch besetzten südöstlichen Karakorum. Der Staghar-Gletscher verläuft von dort aber noch weitere 8 km entlang der Bergkette bis vor den Singhi Kangri, der auf Bild Nr. 28 zu sehen ist.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Während der Staghar-Gletscher den Talgrund des Shaksgam nicht ganz erreicht, versperrt der folgende Singhi-Gletscher ähnlich wie der Nord-Gasherbrum-Gletscher das Tal vollständig ab:

(30) Der Singhi-Gletscher versperrt - von rechts kommend - das Shaksgam-Tal
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

Der Fluss hat sich einen schmalen Durchlass zwischen südöstlicher Felswand und dem Eis freigespült; 4 km (!) ist dieser Engpass lang. Sollte der Gletscher wieder vorstoßen, besteht die Gefahr, dass sich der Shaksgam oberhalb zu einem See aufstaut und das Wasser irgendwann unkontrolliert durchbricht. Diese Gefahr besteht beim Nord-Gasherbrum-Gletscher, beim Singhi-Gletscher und beim Kyagar-Gletscher. Z.Zt. gibt es keinen solchen See, zuletzt gab es aber diese Situation mehrfach am Kyagar-Gletscher. Sollte wieder ein See aufgestaut werden, ist der Aufenthalt auf dem Talboden des Shaksgam im gesamten Bereich flussabwärts lebensgefährlich. 2011/2012 wurde ein Frühwarnsystem, gestützt auf Satellitenbeobachtung und Bodenkameras, installiert. Derzeit wird von einem weiteren Rückzug der Gletscherzungen ausgegangen (näheres dazu finden Sie hier).

Der Singhi-Gletscher führt an die Abhänge der Teram-Gruppe, die im Teram I mit 7464 m ihre höchste Erhebung hat. Jenseits dieser Bergkette liegt das Einzugsgebiet des Siachen-Gletschers, um das zwischen Indien und Pakistan mit militärischem Einsatz gestritten wird (siehe hier und hier.). Der Singhi-Gletscher ist in seinem unteren und mittleren Bereich ein Meer aus Eisnadeln:

(31) Singhi-Gletscher von seinem Westrand in ca. 4840 m Höhe.
Am rechten Bildrand erkennt man den Zusammenfluss von Ost- und West-Singhi-Gletscher.
An dieser Stelle treffen zwei Seitenmoränen aufeinander, deren Material anschließend
die Mittelmoräne der vereinigten Gletscher bildet. Nur auf den Moränen kommt man voran,
was dieses Bild deutlich macht. Die Eisnadeln entstehen durch den Verdunstungsprozess
unter der kräftigen Sonneneinstrahlung. Man trifft sie an in Höhen bis etwa 5100 m.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

(32) Blick aus dem oberen Gletscherbecken des West-Singhi-Gletschers
nach Südosten zum Teram Kangri III (7382 m)
Der Standort des Fotografen ist in einer Höhe von etwa 5550 m.
Foto: Ivan Zhdanov, www.turclubmai.ru

(33) Blick aus dem oberen Gletscherbecken des West-Singhi-Gletschers
nach West-Südwest zu den unbenannten Grenzgipfeln P 6830 (6884) und P 6920 (6891)
Der Standort des Fotografen ist in einer Höhe von etwa 5550 m.
Foto: Andrey Lebedev, www.turclubmai.ru

Aus dem oberen Becken des West-Singhi-Gletschers führt ein rund 6000 m hoher Übergang in das obere Becken des Ost-Singhi-Gletschers. Von diesem Übergang ist das folgende Bild aufgenommen, das zum Abschluss dieser Beschreibung nochmals die vier Achttausender des Karakorum zeigt - durch das Teleobjektiv:

(34) Blick vom Übergang zwischen West- und Ost-Singhi-Gletscher nach Nordwesten
zu den vier Achttausendern des Karakorum
(im Großformat des Bildes ist die Beschriftung gut lesbar)
Foto: Michael Bertov, www.turclubmai.ru

 

Schlussbemerkung: Die verständlichste Form der Beschreibung einer Landschaft ist ohne Zweifel das Foto mit ergänzender Beschreibung und in Verbindung mit einer Landkarte. Diese Art der Darstellung ist natürlich nur dort möglich, wo Bildmaterial zur Verfügung steht. Bei der Region zwischen K2 und Shaksgam, die höchst selten besucht wird - und wenn, dann meist von Expedition, die "nur" den K2 zum Ziel haben - darf man es getrost als Glücksfall betrachten, dass die o.g. russischen Teilnehmer an den Expeditionen der Jahre 2006 und 2010 ihr Bildmaterial unter www.turclubmai.ru und bei Google Earth veröffentlicht haben. Es waren Unternehmungen, die einigen Wagemut vorausgesetzt haben. Ohne diese Bilder wäre diese Seite nicht möglich gewesen. Deshalb danke ich nochmals auch an dieser Stelle - und natürlich auch den Autoren der anderen Bilder.

Man wünscht sich, dass mehr Menschen, welche interessante Unternehmungen in den Bergen des Himalaya durchführen, sich ein Beispiel nehmen und ihr Bildmaterial in irgendeiner Form der Öffentlichkeit zugänglich machen. Es ist doch schade, wenn die vielen Freunde der Bergwelt die guten oder seltenen Bilder niemals zu Gesicht bekommen. Das Internet bietet einfache Möglichkeiten, sei es so, wie es die russischen Autoren gemacht haben, sei es über Photo Sharing bei anderen bekannten Plattformen.


Zur Landkarte des nördlichen Bereiches

Zur Landkarte des südlichen Bereiches 


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