Die Berge des Himalaya
(The mountains of Himalaya)

Mount Everest, K2, Kangchenjunga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri I, Manaslu, Nanga Parbat, Broad Peak, Annapurna I, Gasherbrum, Shisha Pangma und viele andere

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Karakorum Baltoro

 

Landkarte der Baltoro-Region 
Bitte öffnen Sie die Karte in doppelter Größe; dort ist die Beschriftung gut lesbar!

Eine sehr gute Karte auf der Basis von detaillierten Satelliten-Fotos ist "K2 and Baltoro Glacier 1:80.000" von Grzegorz Glazek.
Nähere Informationen mit Adressen zur Bestellung im In- und Ausland sowie einen Detail-Ausschnitt finden Sie unter http://www.mastertopo.com/maps/baltoro/index.htm.

Satellitenfoto der Nasa mit Beschriftung, passend zur Landkarte
(bitte öffnen Sie das Foto im Großformat; dort ist die Beschriftung gut lesbar)

360°-Panorama von Concordia, 4600 m
Bitte öffnen Sie das Foto im Großformat. Es ist eine phantastische Übersicht von einem der berühmtesten Aussichtsplätze des Himalaya.
Im Großformat sind auch die Beschriftungen gut lesbar.
Sowohl in der vorstehenden Landkarte als auch in dem Satellitenfoto ist zu erkennen, welch herausragende Bedeutung Concordia für Trekker und Bergsteiger hat.
Hier treffen alle Expeditionen ein, welche die berühmten Gipfel des Baltoro als Ziel gewählt haben.
Hier kampieren dieTrekking-Gruppen, die das Basislager von Broad Peak oder K2 oder Gasherbrum I und II besuchen wollen,
um dort etwas vom Abenteuer an den Achttausendern mitzubekommen.
Foto: Muhammad Hassan Jan, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Quellen der Detail-Informationen:

- A Study of Karakorum & Hindukush Mountains, Edited by Tsuneo Miyamori & Sadao Karibe, 
  Map no.   8 - Biafo-Glacier & Skardu, 1 : 150.000
  Map no. 10 - Baltoro-Glacier & Khapulu, 1 : 150.000
  Map no. 13 - Baltoro-Glacier, 1 : 75.000
- K2 (Mount Qogori) 1 : 100.000 by Mi Desheng
- Eigene Höhenauswertungen anhand hochauflösender Fotos 

Revision der Gipfelhöhen: Als ich im Jahr 2005 mit den Arbeiten an den eigenen Landkarten begann, ging ich von der Annahme aus, dass die in den bisher vorliegenden Kartenwerken angegebenen Höhen abgesehen von geringen Toleranzen glaubhaft sein müssten - zumindest für die hier beschriebene berühmteste Region des Karakorum. Im Laufe der Zeit kamen bei der Betrachtung von Bildern, die aus größeren Höhen aufgenommen worden waren, aber auch hier Zweifel auf. Manche dort erkennbare Höhendifferenz konnte nicht so recht in Einklang gebracht werden mit dem, was die Landkarten suggerierten. Differenzen zwischen den Angaben verschiedener Landkarten machten zusätzlich mißtrauisch, ebenso Feststellungen, dass manche Höhenangabe bei weitem nicht zu dem passte, was die Höhenprofile in Google Earth oder anderen Quellen vermuten ließen - selbst unter Berücksichtigung der Korrekturen, die dort aufgrund der oft nicht ausreichenden Feinheit des Messrasters zu machen sind. Die Verfügbarkeit von vielen Höhenaufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen hat es mir nunmehr (2017) möglich gemacht, eine Revision bei einer Reihe von Höhenangaben vorzunehmen. Diese sind in der vorstehenden Landkarte und in den beschrifteten Bildern berücksichtigt. Natürlich liefern die Auswertungen von Fotos keine exakten Höhenangaben im Sinne der Vermessungstechnik. Mit Toleranzen von bis zu ± 20 m ist zu rechnen. Aber ähnliche Toleranzen sind auch bei sehr vielen Angaben zu berücksichtigen, denen Vermessungsarbeiten vor Ort zugrunde lagen.

Die Namen der Bildautoren: Wo immer die Namen der Bildautoren bekannt waren, sind sie angegeben - meist auch mit hinterlegtem Link zur betreffenden Website. Bei einigen Bildern steht aber "unbekannt". Dies liegt daran, dass Google im Jahr 2016 die Verbindungen zu den Bildplattformen Picasa und Panoramio gekappt hat und die entsprechenden gespeicherten Links ins Leere liefen, sofern der Autor der Bildergalerie vorher nicht den Anweisungen von Google zur Umleitung auf neue Adressen gefolgt ist. In diesen Fällen konnte der Name des Bildautors nachträglich nicht mehr festgestellt und natürlich auch kein Link angegeben werden. Ich hole dies gerne nach, wenn man sich bei mir meldet. Allen Autoren gebührt ein herzlicher Dank, den ich hiermit auch gegenüber "Unbekannt" ausspreche.

  Öffnen Sie die folgenden Bilder im Großformat!

Links zu zugehörigen Informationen  dieser Website:

- Gesamtübersicht über den Himalaya 
- Karakorum Übersicht

- Karakorum aus der Luft
- Karakorum Ost / K2 und Shaksgam
- Karakorum Nordost
- Gipfelliste "Gipfel > 6750 m"
- Gipfelliste "Berge im Karakorum"  
- Die 14 Achttausender mit K2, Gasherbrum I, Broad Peak, Gasherbrum II
- K2, Geschichte und Literatur
- K2 - Gipfelpanorama
- Gasherbrum I, Geschichte und Literatur
- Gasherbrum I - Gipfelpanorama
- Broad Peak, Geschichte und Literatur
- Broad Peak - Gipfelpanorama
- Gasherbrum II, Geschichte und Literatur
- Trango II - Gipfelpanorama
- Hohe Siebentausender mit Gasherbrum III, Gasherbrum IV und Masherbrum
- Passübergang Ghondogoro La      
- Kashmir-Konflikt
- Bildergalerien von Gipfelbesteigungen im Baltoro
- Bildergalerien von Trekking-Touren im Baltoro 
- Bildergalerien zum südlichen Karakorum 

Abschnitte der Beschreibung (hier direkt anwählbar):

Einleitung
A - Von Askole nach Payu
B - Von Payu nach Urdukas
C - Urdukas, 4050 m
D - Von Urdukas nach Concordia
E - Concordia, 4600 m
F - Godwin Austen-Gletscher, Broad Peak und K2
G -
Gasherbrum-Gruppe, Baltoro Kangri und Chogolisa, Vigne-Gletscher
H. Begrenzung der Region im Norden und Nordosten

(1) Luftbild des Baltoro-Gletschers von Westen in Richtung Concordia-Platz
(Bitte öffnen Sie das Bild im Großformat; dort ist die Beschriftung gut lesbar.)
Links der Bildmitte liegt "Concordia", der Platz in 4600 m Höhe, an dem die breiten Gletscherströme des Oberen Baltoro (im Bild von rechts) und des Godwin-Austen-Gletchers (von links) zusammentreffen. Die Position des Flugzeugs dürfte sich etwas westlich des Rastplatzes Urdukas befinden.
Foto: Guilhem Vellut; Beschriftung: Günter Seyfferth

 
Einleitung:

Das Gebiet des Baltoro-Gletschers bietet ohne Zweifel die spektukulärste Szenerie des gesamten Himalaya. Deshalb ist dem Baltoro eine besonders umfangreiche Beschreibung gewidmet

K2 (8611 m), Gasherbrum I (8080 m), Broad Peak (8051 m) und Gasherbrum II (8035 m) – alle vier Achttausender des Karakorum liegen am oberen Ende des Baltoro-Gletschers. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass der 58 km lange Gletscher im Zentrum des Karakorum das mit Abstand beliebteste Ziel von Bergsteigern und Trekkern im Karakorum ist. Aber auch die unzähligen anderen Gipfel entlang dieses mächtigen Eisstromes und seiner Seitenarme bilden ein so beeindruckendes Amphitheater aus Fels und Eis, dass auf der Erde nichts vergleichbares zu finden ist. "Baltoro" ist in der Welt der Bergfreunde der Inbegriff für wilde und äußerst faszinierende Gebirgswelt – abschreckend und anziehend zugleich. Dagegen wirkt sogar die Khumbu-Region am Mount Everest – die am häufigsten besuchte Region des Himalaya - trotz ihrer spektakulären Szenerie geradezu lieblich und sanft.

Und da gibt es noch einen wesentlichen Unterschied zu den 8 Achttausendern in Nepal und zum Nanga Parbat: Die vier Achttausender des Baltoro sind von keiner Siedlung aus zu sehen. Der Karakorum ist nur in seinen Randgebieten im Westen, Nordwesten und Süden bewohnt. Daneben gibt es nur noch die kleinen Orte Shimshal und Askole, die in der Nähe des Zentrums des Karokorums liegen. Askole ist der letzte Ort auf dem Weg zum Baltoro, aber immer noch ca. 75 km Luftlinie von den Achttausendern entfernt.

Wenn man den unter "Karakorum Übersicht" beschriebenen Verlauf des Great Karakorum und der Südkette des Lesser Karakorum verinnerlicht hat, kann man auch die Topografie des Baltoro und seines Zugangs einordnen. Von Skardu am Südrand des Karakorum bewegt man sich zunächst entlang des Shigar von Südosten nach Nordwesten parallel zur Südkette des Lesser Karakorum; man entfernt sich zunächst vom Ziel. Mit dem Schwenk um 135 Grad nach Osten um den Ausläufer der Masherbrum-Range herum ins Braldu-Tal ist man dann am Ort des Durchbruchs durch die Südkette. Im Bereich von Askole befindet man sich schon zwischen der Südkette und dem Great Karakorum und auch auf dem gesamten folgenden Weg zu den hohen Gipfeln. Bis Concordia war man der "Ausnahme-Richtung" des Baltoro von West nach Ost gefolgt, vom Concordia-Platz aus schwenkt man wieder in die Hauptrichtung des Karakorum ein, wenn man den Baltoro-Gletscher weiter aufwärts geht, z.B. zu den Gasherbrum-Gipfeln. Zum K2 hingegen geht man von Concordia in das Seitental des Godwin Austen-Gletschers nach Norden. Die vier Achttausender des Baltoro liegen genau auf der Kammlinie des Great Karakorum.

A. Von Askole nach Payu

Während der Boden des Shigar-Tales sehr breit ist und somit dem Straßenbau keine ernsthaften Hindernisse in den Weg stellte, ist das nach Osten abbiegende Tal des Süd-Braldu eher eine Schlucht mit steinschlaggefährdeten Hängen. Abgesehen von den grünen Oasen um die Orte ist die Region zwischen Skardu und Askole eine wüstenhafte Landschaft. 

(3) Die "Straße" entlang des Süd-Braldu nach Askole
Der Süd-Braldu ist ein wilder Fluß, der hier die Schmelzwasser der beiden großen Karakorum-Gletscher Biafo und Baltoro dem Indus zuführt. Die seitlichen Abhänge sind gefürchtet wegen ihres permanenten Steinschlags. Hin und wieder ist die Piste verschüttet.

Das Tal von Askole bis zur Zunge des Baltoro-Gletschers ist zwar ebenfalls wild, aber abwechslungsrei- cher und farbiger. Einerseits fällt hier - bedingt durch die Lage oberhalb von 3000 m - schon etwas mehr Niederschlag, der auch den Pflanzen in der freien Natur einen  - wenn auch spärlichen - Lebensraum gibt; andererseits eröffnen sich immer wieder Blicke auf schneebedeckte Berge und Zinnen.

(4) Blick von Askole (3000 m) zum Bakhor Das (5815 m), dem nördlichen Ausläufer 
der Mango Gusor-Gruppe in der Südkette des Lesser Karakorum
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

Der auf dem Foto erkennbare Anbau von Getreide ist aber nur dank künstlicher Bewässerung möglich. Hierfür werden die Bäche aus den steilen Seitentälern in Kanäle geleitet, die das Wasser auf die Felder verteilen.

Etwa 5 km östlich von Askole beginnt die rauhe Landschaft der Gletschertäler. Der Baltoro-Gletscher ist zwar noch 2 bis 3 Tagesmärsche entfernt, dafür aber gelangt man in den Bereich der Zunge des noch längeren Biafo-Gletschers, der von Nordwesten in das Tal des Süd-Braldu mündet. Hat man über einen etwas steiler werdenden Pfad den fast senkrechten Abhang eines Felssporns direkt über dem Nordufer des Braldu erreicht, so blickt man direkt voraus auf die Mündung des kurzen Biafo-Flusses. Darüber stehen die Gipfel der Choricho-/Payu-Gruppe, die zur Baltoro-Region gehören:

(5) Einmündung des Biafo in den Süd-Braldu mit den Gipfeln der Payu-Gruppe im Hintergrund
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

Die Gipfel in der Ferne sind der Beginn des Abschnitts der Bergkette des Great Himalaya, der sich nördlich entlang des  Baltoro-Gletschers bis zum K2 erstreckt. Rechts von den hier sichtbaren Gipfeln liegt die Zunge des Baltoro-Gletschers. Der Weg dorthin führt um den in der rechten Bildhälfte stehenden Bergkamm herum. Vor den schneebedeckten Gipfeln mündet von links das Tal des Dumord, der aus dem Zentrum des Karakorum kommt. Ebenfalls von links, etwas näher und noch von den Felsen auf der linken Seite verdeckt, mündet der mächtige Biafo-Gletscher. Sein Abfluss, der bei Schneeschmelze furchterregend zwischen Felsen und Geröll dahinschießt, wird auf einer wackligen (2016) Hängebrücke überquert - nach Befahren der Jeep-Piste bis Askole ist diese Überquerung des Flusses die zweite große Mutprobe auf dem Weg zum Baltoro-Gletscher.

(6) Blick von der Hängebrücke über den Biafo nach Osten zum Choricho (6769 m)
Rechts der Choricho-Gruppe steht der Payu-Peak, der aber hier nicht zu sehen ist.
Der Payu-Peak ist einer der beherrschenden bizarren Gipfel
am unteren Baltoro-Gletscher (siehe Bild Nr. 12)
Foto: Rowan Castle, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Nach Überqueren des Biafo betritt man die Geröllebene zwischen der Zunge des Biafo-Gletschers und dem Süd-Braldu, der ab hier korrekterweise nun Biaho Lungma genannt werden muss. Dass ein Fluss entlang seines Verlaufs verschiedenen Namen trägt, ist eine der Eigenheiten der Namensgebungen in der Region des Karakorum. Der Biafo-Gletscher, der weiter oben ein sehr breiter Eisstrom ist, zwängt sich hier zwischen relativ nah gegenüberstehenden steilen Felswänden in das Haupttal und lädt hier seinen mitgeführten Schutt ab. In früheren Zeiten war er bis an die Felsen auf der Südseite des Braldu vorgestoßen, so dass dieser in einem Tunnel unter dem Eis hindurchfloss. Heute hat sich die Gletscherzunge etwas zurückgezogen, so dass man sie bequem und trockenen Fußes passieren kann. Ca. 3 km läuft man vor der Stirnmoräne entlang:

(7) Blick von der Stirnmoräne nach Nordwesten entlang des Biafo-Gletschers
zum Uzun Brakk (6375 m), der rund 32 km entfernt ist.

Der Blick ist sehr eingeengt und lässt nicht erahnen, welch gigantischer Eisstrom sich jenseits der Engstelle nach Nordwesten bis zum Snow Lake erstreckt.

Foto: Rowan Castle, flickr.com

Die Detailbeschreibungen zur Region des Biafo-Gletschers finden Sie hier und hier.

Wer nur wenig akklimatisiert ist, nutzt den Platz Korophon jenseits der Querung als Platz für das erste Camp. Hier laden frisches Wasser und Büsche zum Verweilen ein.

Etwas weiter östlich gab es bis in die 90er-Jahre des 20.Jahrhunderts die dritte Mutprobe zu bestehen. Hier stößt der Felssporn des Bullah (6280 m) steil abfallend bis an die Wasserwirbel des Biaho Lungma und ließ kein Durchkommen zu. Auf winzigen Tritten an den glatten Felsen musste man schwindelerregend nach oben klettern, um jenseits des Grates ebenso gefährlich zum Ufer des Dumord hinab zu klettern. Die Träger der Expeditionen mit bis zu 30 kg schweren Lasten auf den Schultern erbrachten hier wahre Meisterleistungen; den westlichen Bergsteigern trieb alleine schon das Zuschauen Schauer über den Rücken. Dann mussten aber auch sie Gemsen gleich hinauf und hinunter - immerhin ohne Lasten. Natürlich gab es hier auch tödliche Unfälle. Heute passiert man die Stelle auf einem Pfad knapp über den Wellen, der in die Felswand gesprengt wurde.

Jenseits des Felssporns steht die Querung des eisigen Gletscherflusses Dumord an, der von Norden in den Biaho Langma mündet. Etwa drei Kilometer flussaufwärts führt eine relativ solide Hängebrücke über den Fluss - heute. Früher hing hier eine Kiste an einem über den Fluss gespannten Stahlseil als Beförderungsmittel für Mensch und Material - die vierte Mutprobe. Am jenseitigen Ufer der Brücke liegt der mit Waschplätzen und Toiletten ausgestattete Rastplatz Jhula. Die Lage der Brücke und des Rastplatzes bedeuten 6 km Umweg auf dem Weg zum Baltoro-Gletscher, denn man muss ja am östlichen Ufer wieder zurück zum Biaho Lungma. Wenn es der Wasserstand des Dumord zulässt, wird mitunter per direkter Flussquerung abgekürzt, was aber ein sehr eisiges und nicht ungefährliches Abenteuer ist.

Am Rastplatz Jhula beherrscht im Süden die kühne Gestalt des Bakhor Das (5815 m) die Szene:

(8) Blick vom Rastplatz Jhula (3130 m) nach Süden zum Bakhor Das (5815 m)
Die Trekker sind von Askole um den Felssporn auf der rechten Bildseite herum ans Ufer des Dumord gekommen und haben den Fluss auf der Hängebrücke (außerhab des rechten Bildrands) überquert. Vor dem niedrigen Felsgrat in Bildmitte mündet der Dumord in den Biaho Lungma, der weiter unten Süd-Braldu heißt. Der Weg zum Baltoro-Gletscher verläuft von dieser Mündung nach links. Auf dem Weg zum Baltoro-Gletscher öffnen sich nur wenige Sichten auf die Gipfel seitlich des Tales. Dieser Blick ist einer davon. Man möge sich durch die Fotografien nicht täuschen lassen: Bedingt durch die großen Höhenunterschiede wirken die Entfernungen kleiner als sie sind. Aber auch die Höhenunterschiede lassen sich anhand von Fotos nur schwer erfassen.
Foto: Oleg Bartunov, flickr.com

Seit Askole wurden nur ca. 150 Höhenmeter gewonnen und mehr pro Tag werden es auch an den kommenden 2 Tagen bis zum Rastplatz Payu (3400 m) nicht sein. Dieser langsame Anstieg erlaubt eine gute Akklimatisation, und man kann diesen notwendigen Prozess zusätzlich unterstützen, indem man sich beim weiteren Trekking nach Payu wirklich Zeit lässt. Für gut trainierte Trekker ist die Strecke bis Payu auch in einem Tag zu schaffen. Der Weg führt immer am Flussufer entlang - zunächst entlang des Dumord nach Süden bis zu seiner Mündung (Bild Nr. 8) und dann entlang des Biaho Lungma nach Osten. Hier gibt es vor Payu den Lagerplatz Bardumal (man findet auch den Namen Skam Tsok) in ca. 3.220 m Höhe. Es ist der einzige Platz, wo der Uferbereich nicht mit grobem Geröll bedeckt ist, sondern sandige Flächen als ebenen Boden für das Zelt anbietet. Er liegt etwa 3 km östlich des von Süden einmündenden Tales des Ching-Kang-Lungma.

Hier sind auch erstmals einige Gipfel am Südrand des Baltoro-Gletschers zu sehen - der Gletscher selbst aber noch nicht:

(9) Blick vom Rastplatz Bardumal (Skam Tsok, 3220 m) nach Osten zu einigen Spitzen
der Urdukas Peaks und der Liligo Peaks
Die Urdukas Peaks stehen über dem berühmten Rastplatz Urdukas am Baltoro-Gletscher, der von Payu aus in zwei Tagesmärschen erreicht wird, also in drei  (!) Tagesmärschen vom Standort des Fotografen. Der Neuling im Himalaya braucht viel Zeit, um sich an die Dimensionen des Gebirges zu gewöhnen; Entfernungen werden extrem unterschätzt.
Foto: Boyan Petrov, get. google.com, Beschriftung: Günter Seyfferth

Auf dem Weiterweg sind zwei breite Schuttkegel zu überqueren, wo von Norden einmündene steile Seitenflüsse Sand und Geröll abgeladen haben. Bei Tauwetter können diese Bäche zu reisenden Flüssen anschwellen, so dass die Querung nicht einfach ist, eiskalte Füße und Beine eingeschlossen. Vor allem der zweite Schuttkegel mit den tiefen Flussrinnen hinterlässt Spuren, dahinter aber entschädigt der Blick auf die rotbraunen Granitzinnen, die Kathedralen, am Nordrand des Baltor-Gletscher und mit etwas Wetterglück entdeckt man auch schon den K2, wenn er auch noch 48 km entfernt ist und zum größten Teil von den Kathedralen verdeckt wird.

(10) Blick aus ca. 3330 m Höhe westlich von Payu nach Ost-Nordost
zu den Kathedralen und zum K2 (8611 m)
Hier hat der Trekker einen der Höhepunkte der Wanderung vor sich, den Blick auf fantastische Granitpfeiler und den zweihöchsten Berg der Erde, wenn auch nur seine Spitze zu sehen ist.
Alles ist aber wahrhaftig erst ein Vorgeschmack auf noch viel phantastischere Szenerien,
die sich noch links und rechts des Baltoro-Gletschers öffnen werden.
Wenn das Wetter mitspielt, sollte man hier verweilen und in Ruhe genießen,
denn bei der weiteren Annäherung an Payu verschwindet der K2 hinter den Kathedralen.
Vom Abhang auf der linken Bildseite zieht ein grüner Streifen aus Gras und Büschen herab;
an dessen Fuß liegt der Lagerplatz Payu.
Foto: Rowan Castle, flickr.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

Am Rastplatz Payu in 3400 m Höhe findet man Waschgelegenheiten und Toiletten ähnlich wie in Jhula. Bei gutem Wetter taucht die im Westen untergehende Sonne die Granitspitzen in leuchtendes Rot. 2,5 km voraus beginnt der Baltoro-Gletscher, hier fast vollständig unter Geröll verborgen.

B. Von Payu nach Urdukas

Am Gletschertor brechen die Schmelzwasser des Biaho Lungma hervor. In Marschrichtung links davon wird die Stirnmoräne erklommen - eine mühsame Angelegenheit, weil das Geröll immer wieder unter den Schuhen nachgibt. Hat man die erste Steigung überwunden, werden die Verhältnisse aber keineswegs besser. Die Oberfläche des Gletschers ist eine Ansammlung von Geröllhügeln, die sich ständig verändern. Man darf froh sein, wenn andere Gruppen bzw. das pakistanische Militär bereits einen halbwegs gangbaren Pfad erkundet haben. Dennoch ist dringend anzuraten, während des Bestaunens der Granitwände immer erst stehen zu bleiben. Beim Marschieren muss man sich wirklich auf seine Füße konzentrieren, um einen verstauchten Knöchel oder Schlimmeres zu vermeiden.

Von der nördlichen Seite des Gletschers führt die Route schräg hinüber zur Südseite bis nahe an den dortigen Berghang. Dadurch öffnet sich nach und nach der Blick auf die phantastischen Berge nördlich des Gletschers vom Payu Peak (6621 m), zu den Trango Towers, zum Biale etc., die zum Gebirgszug des Great Karakoram gehören.

(11) Blick von der Querung zum Südrand des Gletschers nach Nordosten
zum Nameless Tower (6040 m), dem Great Trango Tower (6130 m) und den Kathedralen.
Trango Castle, Great Trango Tower und Nameless Tower sind Teil einer sehr schmalen Bergkette zwischen dem Trango-Gletscher und dem Dunge-Gletscher. Beides sind Gletscher, die von Norden in den Baltoro-Gletscher münden. Diese Kette ist so schmal, dass der Nameless Tower (links) auch wieder vom Rastplatz Urdukas zu sehen ist, dort aber rechts vom Great Trango Tower.
Der Nameless Tower - der Name ist ein Widerspruch in sich - und der Great Trango Tower sind Gipfel, welche die Elite der Felskletterer anziehen. Ihre Höhen mussten im Zuge der Höhenrevision des gesamten Gebietes gegenüber bisherigen Angaben allerdings um 150 bis 200 m reduziert werden.
Die Felsspitzen der Kathedrale (rechts) springen übrigens nur wenig aus der Westfront des Felsmassivs hervor. Steht man in Urdukas dem Berg gegenüber, so ist nichts mehr von diesen Formationen zu erkennen (siehe Bild Nr. 17 + 22)
Foto: Rowan Castle, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die nördliche Begrenzung des Baltoro-Gletschers bis Concordia ist extrem vielfältig strukturiert. Die Zahl der Seitentäler des Great Karakorum ist größer, und sie sind auf ihrer Länge von 12 bis 15 km bis zum Kamm des Great Karakorum deutlich tiefer eingeschnitten als diejenigen auf der Südseite. Auffallend ist der Unterschied in den Bergformen. Das untere Drittel des Baltoro-Gletschers wird von den rotbraunen Granittürmen von Payu-Peak (6621 m) über Uli Biaho Tower (6060 m), Nameless Tower (6040 m), Great Trango Tower (6130 m), Thunmo-Kathedrale (5860 m) bis hin zur Spitze des Lobsang Spire (5707 m) beherrscht. Diese Türme stehlen der gegenüberliegenden südlichen Seite des Baltoro eindeutig die Schau. Es ist eine geradezu unwirklich anmutende Ansammlung spektakulärer Formen von Bergen. Auch erst allmählich begreift man, dass die Spitzen dieser Türme den Betrachter um 2800 m am Payu Peak und immerhin noch 1600 m am Lobsang Spire überragen. Dass der jenseitige Rand des Gletschers ca. 2200 m entfernt ist, will man auch nicht glauben. Diese Berggruppen, die von Uli Biaho-Gletscher, Trango-Gletscher, Dunge-Gletscher und Biale-Gletscher voneinander getrennt sind, sind einer der Gründe für die Berühmtheit der Bergwelt des Baltoro. Fast alle diese Zinnen sind bestiegen: Der Payu Peak im Jahr 1976, der Uli Biaho Tower im Jahr 1979, der Nameless Tower im Jahr 1976, der Great Trango Tower im Jahr 1977, der Lobsang Spire im Jahr 1983. Im Hintergrund, am Ende der Seitentäler sieht man eisbewehrte Berge des Hauptkamms, alles 6000er, deren Namen, sofern sie denn einen haben, hier nicht aufgeführt zu werden brauchen.

(12) Blick vom Südrand des Baltoro-Gletschers nach Westen
zum Payu Peak (6621 m), Choricho (6769 m) und Uli Biaho Tower (6060 m)
Der Choricho war auf Bild Nr. 6 von Westen zu sehen.
Der Fotograf dieses Bildes stand am Rastplatz Liligo an der Einmündung des Liligo-Gletschers.
Der Payu Peak steht auf Höhe des Rastplatzes Payu.
Auch der Uli Biaho Tower ist ein begehrter Kletterberg. Die entgegengesetzte Sicht
von seinem Gipfel zeigt das folgende Bild Nr. 13.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(13) Blick vom Uli Biaho Tower (6060 m) nach Osten
Der Blick reicht bis zum K2 und zur Gasherbrum-Gruppe.
In Bildmitte rechts ist der Platz des Liligo-Camp markiert.
Von dort ist Bild Nr. 12 aufgenommen.
Foto: Silvan Schüpbach; Beschriftung: Günter Seyfferth

Der von Nordwesten einmündende Trango-Gletscher trennt die Türme von Payu Peak, Choricho und Uli Biaho von der Bergkette der Trango-Türme. Wenn auch die eingangs erwähnte Revision der Gipfelhöhen aufgezeigt hat, dass diese Berge ca. 200 m niedriger sind als bisher angegeben, so zählen sie nach wie vor zu den imposantesten Felsgestalten des Karakorum.

(14) Blick zum Trango II, (6327 m), Nameless Tower (6040 m)
und Great Trango Tower (6130 m)

Foto: Rowan Castle, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Dass die Höhen mancher Gipfel eher der Fantasie als sorgfältiger Vermessungsarbeit entsprangen, konnte ich definitiv anhand von hochauflösenden Fotos feststellen, die der Tiroler Jakob Schweighofer vom Gipfel des Trango II (6327 m) im Jahr 2016 aufgenommen und für meine Arbeiten zur Verfügung gestellt hat. Das vollständige Gipfelpanorama mit hervorragenden Bildern vom Gipfel des Trango II, der auf dem vorstehenden Foto auf der linken Seite zu sehen ist, finden Sie auf der Seite 

 Gipfelpanorama vom Trango II

Der "Abstecher" zu dieser Seite lohnt sich sehr, da dieses Panorama einen vollständigen Überblick über die hier beschriebene Region des Baltoro gibt. Auf die weiteren Panoramen von den Gipfeln des K2, des Broad Peak und des Gasherbrum I ist an den passenden Stellen der weiteren beschreibung verwiesen.

Die Bergkette entlang der Südseite des Baltoro-Gletschers zählt zum Lesser Karakoram. Von den Gipfeln ist auf dem Marsch von Payu bis Urdukas fast nichts zu sehen, denn man bewegt sich am Fuß der steilen Bergflanke entlang, so dass die unteren Hänge den Blick nach weiter oben versperren. Nur die engen Seitentäler des Liligo-Gletschers und der drei Urdukas-Gletscher geben kurz den Blick auf einige vereiste Zinnen der Liligo Peaks und der Urdukas Peaks frei. Wer aber einen Abstecher nach Nordwesten auf den Trango-Gletscher wagt, der einen weiteren Tag in Anspruch nimmt, sieht diese Gipfel und schließlich sogar den Masherbrum (7821 m) und die Mandu Peaks:

 

(15) Blick vom Trango-Gletscher in ca 4300 m Höhe nach Südosten
zum Masherbrum (7821 m), den Mandu Peaks und den Urdukas Peaks
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Wir kehren zurück zum Liligo-Camp an der Einmündung des Liligo-Gletschers in den Baltoro-Gletscher. Von hier in 3830 m Höhe war Bild Nr. 12 aufgenommen.

(16) Blick vom Baltoro-Gletscher zum Liligo-Gletscher
Dies ist einer der wenigen Einblicke in die Bergwelt südlich des unteren Baltoro-Gletschers.
Eine Talbiegung versperrt den Blick weiter hinauf ins obere Becken des Liligo-Gletschers,
wo zahlreiche 6000er stehen. Hier ist nur der 6230 m hohe nördlichste der Liligo-Peaks zu sehen,
den Bild Nr. 9 von Westen zeigt. Zwischen beiden Gletschern hat sich ein See aufgestaut,
Außerhalb des linken Bildrandes ermöglicht eine ebene Fläche das Aufstellen von Zelten,
das Liligo-Camp in 3830 m Höhe.

(17) Blick vom Liligo-Camp nach Nordosten zum Biale (6772 m) und zur Thunmo-Kathedrale
Beim Vergleich mit den Bildern 10 und 11 fällt auf, dass die markanten, pyramidenartigen Strukturen der Kathedrale aus diesem Blickwinkel schon fast nicht mehr zu erkennen sind.
Der Dunge-Gletscher, der gegenüber in 3 (!) km Entfernung in den Baltoro-Gletscher einmündet
- er ist hier durch die Geröllhügel des Baltoro-Gletschers verdeckt - ist ein kurzer Gletscher mit Ursprung am Kruksum (6573 m).
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Am Kruksum trifft die chinesisch-pakistanische Grenze von Norden kommend auf den Gebirgszug des Great Karakorum und folgt diesem nach Osten und dann nach Südosten bis zum Apsaras Kangri. Der auf vorstehendem Bild sichtbare Biale (6772 m) liegt aber zur Gänze in Pakistan.

Vom Liligo-Camp in Richtung Urdukas muss man sich auch weiterhin den Weg durch wilde Geröllhügel suchen. Diese Unwegsamkeit des Gletschers ist der Grund dafür, dass man zumindest im Aufstieg keine allzu langen Tagesstrecken einplanen darf.

Auf der Strecke bis Urdukas kommt man an den Einmündungen von drei weiteren schmalen Gletschern vorbei, die von den Urdukas Peaks herabkommen. Der erste dieser drei Gletscher gibt den folgenden schönen Blick auf den Urdukas Peak II (6400 m) frei:

(18) Blick aus 3930 m Höhe nach Süden zum Urdukas Peak II, 6400 m
Foto:
Michael Holtrop, flickr.com

Nachdem der zweite der Urdukas-Gletscher passiert ist, kommt der Rastplatz Urdukas in Sicht. Er liegt 20 bis 30 Meter oberhalb des Gletschers an einer flacheren Stelle der Urdukas-Abhänge, markiert durch einen großen gespaltenen Felsblock, nach dem der Platz seinen Namen erhalten hat. Am Hang von Urdukas findet man das letzte Grün des Tales. Kurz vor Urdukas erreicht man die 4000-Meter-Marke. Bei gutem Wetter - man befindet sich noch auf dem Gletscher - kommen überraschend der Broad Peak (8051m) und der Gasherbrum IV (7925 m) in Sicht:

(19) Blick vom Gletscher bei Urdukas nach Osten
zum Broad Peak (8051 m) und Gasherbrum IV (7932 m)
Man muss schon aufmerksam sein, um diesen ersten Blick auf den Gasherbrum IV nicht zu verpassen, denn kurz darauf verschwindet er hinter dem Abhang auf der rechten Seite. Der Gasherbrum IV ist der beherrschende Gipfel direkt über Concordia, wo der Baltoro- und der Godwin-Austen-Gletscher ein gewaltiges Amphitheater der Gletscherströme bilden.
Die Pferde kommen zurück vom Stützpunkt der pakistanischen Armee auf dem Abruzzi-Gletscher, wohin sie Nachschub  für den völlig absurden Krieg zwischen Pakistan und Indien geliefert haben. Mensch und Tier werden dort geschunden für eine Auseinandersetzung um eine unbewohnte Gebirgslandschaft. Kälte, Lawinen und Gletscherspalten fordern mehr Opfer als die Auseinandersetzung mit Waffen.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

C. Urdukas, 4050 m

Der Rastplatz Urdukas beeindruckt durch seine Matten aus grünem Gras inmitten von Geröll, Eis, Schnee und Berghängen gigantischen Ausmaßes. In der warmen Sonne gedeihen hier sogar noch ein paar Blumen. In der Saison treffen sich in Urdukas die Kolonnen von Trekkern, Bergsteiger und vielen, vielen Trägern. Hin und wieder reichen die Terrassen kaum, um alle Zelte aufzunehmen. Im Aufstieg versucht man hier mit Hilfe einer bescheidenen Infrastruktur, dem Körper letztmals vor der ganz kalten Wildnis etwas Pflege angedeihen zu lassen. Toiletten-Häuschen aus Kunststoff sorgen dafür, dass die schlimmste Nebenerscheinung aus der Ansammlung vieler Menschen verhindert wird. Eine lokale Organisation kümmert sich um erträgliche Zustände.

Am Abend genießt man bei schönem Wetter die phantastische Aussicht im Westen, Norden und Osten. Die Freunde der Fotografie kommen hier im Licht des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs ins Schwärmen und vergessen fast, auch mal nicht durchs Objektiv zu schauen. Ein Teleobjektiv macht es möglich, unglaublich schöne Details als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.

(20) Blick am frühen Morgen von Urdukas nach Westen
zum Payu Peak (6621 m), Choricho (6769 m) und Uli Biaho Tower (6060 m)
Es ist ein ähnlicher Blick wie auf Bild Nr. 12, man steht aber bereits 300 m höher.
Foto: Rowan Castle, flickr.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

(21) Blick vom Gletscher bei Urdukas nach Nordwesten mit Payu Peak (6621 m),
Uli Biaho Tower (6060 m), Great Trango Tower (6130 m), Nameless Tower (6040 m),
Trango II (6327 m) und Trango I (6363 m)
Der Baltoro-Gletscher ist hier gut 2 km breit; für seine Überquerung würde man ca. 1 Stunde benötigen, sofern man nicht auf einen unüberwindbaren Schmelzwasserstrom auf seiner Oberfläche trifft.
Wer das Bild in der Vergrößerung aumerksam betrachtet, stellt fest, dass der Nameless Tower im Gegensatz zu Bild Nr. 11 und 14 jetzt rechts vom Great Trango Tower zu sehen ist; der schmale Gebirgskamm machts möglich.
Foto: Rowan Castle, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(22) Blick von Urdukas nach Nordwesten mit Uli Biaho Tower (6060 m),
Great Trango Tower (6130 m), Trango II (6327 m), Trango I (6363 m),
Thunmo Cathedral (5860 m) und Biale (6772 m)
Dieses Foto ist die unmittelbare Fortsetzung des Panoramas nach rechts.
Bild Nr. 17 hatte den Blick ins Tal des Dunge-Gletschers von links gezeigt.
Die Thunmo Cathedral hat nun aus dieser Richtung von Urdukas ihre beeindruckende Form,
wie sie auf Bild Nr. 10 und 11 zu sehen war, vollkommen "eingebüßt".
Foto: Rowan Castle, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Das vorstehenden beiden Fotos sind ein Beleg dafür, dass eine Präsentation von Bergen in diesem "Kleinformat" unbefriedigend ist. Deshalb bitte ich ich Sie auch hier nochmals, die Bilder im hinterlegten größeren Format zu betrachten. Mit dem Klick auf das Bild öffnet sich ein zusätzliches Fenster, so dass Sie leicht zwischen Beschreibung und Bild wechseln können. Da aber selbst im größeren Format die beeindruckenden Gestalten des Great Trango Tower und des Nameless Tower immer noch nicht richtig zur Geltung kommen, füge ich noch das folgende Detailfoto ein, das Sie natürlich ebenfalls im Großformat betrachten sollten:

(23) Blick von Urdukas nach Nordwesten zum
Great Trango Tower (6130 m), Nameless Tower (6040 m);
Trango II (6327 m) und Trango I (6363 m)
Auf dem Gipfel des Trango II sind die wunderbaren Panoramabilder entstanden,
die auf der Seite "Trango II - Panorama" zu sehen sind.

(24) Blick von Urdukas nach Norden zum Biale (6772 m) über dem gleichnamigen Gletscher
und zur Gruppe der Lobsang Spires.
Die imposanteste Felsnadel der Bergruppe, der Lobsang Spire (5707 m), die auf Bild Nr. 17 gut sichtbar ist, verbirgt sich hier aber bereits hinter dem 5594 m hohen Vorgipfel.
Ganz rechts ist der Gipfel des 7276 m hohen Muztagh Tower zu sehen.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(25) Blick von Urdukas nach Nordosten zum Muztagh Tower (7276 m) und zur Lungka-Gruppe
Der Muztagh Tower wird sich aus den Bereichen des Oberen Baltoro-Gletschers
noch in voller Größe und mit seiner schlanken Südostflanke präsentieren.
Foto: Dale Cottam, flickr.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die Fortsetzung der Rundumsicht nach rechts zeigte bereits Bild Nr. 19.

D. Von Urdukas nach Concordia

Die Topografie auf der Südseite entlang des Baltoro-Gletschers von Urdukas bis Concordia ist relativ einfach zu überblicken. Der Mandu-Gletscher -  2,5 km jenseits von Urdukas - gibt erstmals den Blick auf den  Masherbrum frei. Unmittelbar darauf folgen der Yermanend-Gletscher als westliche Begrenzung des näher am Baltoro gelegenen mehrgipfeligen Biarchedi (bis 6745 m) und der Biarchedi-Gletscher als dessen östliche Begrenzung. 

Der Masherbrum mit 7821 m Höhe ist der Kulminationspunkt dieser Gipfelkette, vom Baltoro-Gletscher gesehen besonders beeindruckend mit seiner abschreckenden Nordwand. 3700 m überragt der Gipfel den Standort auf dem Gletscher, und doch ist er 10 km entfernt. Die Dimensionen sind auf Anhieb nicht zu erfassen. 1960 haben Amerikaner erstmals den Gipfel erreicht, von Süden. Aber diese Nordwand! Im oberen Bereich unbestiegen, denn die Japaner wurden bei ihrem Versuch im Jahr 1985 oberhalb von 7200 m durch die schwierigen Verhältnisse gezwungen, nach rechts auf den Nordwestgrat auszuweichen. Der Biarchedi ist noch unbestiegen. Am östlichen Ende der Kette steht der Mitre Peak (6020 m) als Wächter am südwestlichen Eck des Concordia-Platzes. Er wurde im Jahr 1980 von Ivano Ghirardini im Alleingang über die Westflanke erstiegen. Der Name des Berges kommt von Mitra = Bischofsmütze, denn so sieht er von Concordia tatsächlich aus.

Jenseits des Rastplatzes Urdukas wechseln die Bergformen der Nordseite. Statt senkrechter Wände gibt es wieder flacher geneigte Grate und Hänge, hin und wieder noch unterbrochen durch eine scharfe Zinne. Auf den Muztagh-Gletscher folgt die Gruppe des Muztagh Tower. Der Muztagh Tower selbst (7276 m) wechselt von einer Dreiecksform in die Form eines schroffen Turms – so vom Lager Gore II zu sehen. Der Gipfel des Muztagh Tower wurde erstmals im Jahr 1956 von einer britischen Expedition erreicht. Bei Gore II mündet der Biange-Gletscher von Norden, an dessen Ende rechts des Muztagh Tower der Moni Peak (6462 m) zu sehen ist. Die scharfe Spitze des New Cristal Peak (6220 m) und der hellfarbige Marble Peak (6195 m) sind die folgenden markanten Punkte, bevor man am Concordia-Platz eintrifft. Hinter diesen "Vorbergen" verbergen sich die 7000er Praqpa Ri (7134 m), Skil Brum (7410 m) und Summa Ri (7302 m) – alle drei westliche "Trabanten" des K2, von diesem durch den Savoia-Gletscher getrennt. Der Skil Brum wurde im Jahr 1957 von den Erstbesteigern des Broad Peak, Markus Schmuck und Fritz Wintersteller, nach ihrem Erfolg an dem 8000er bestiegen.

Ab dem Rastplatz Urdukas wandelt sich die Oberfläche des Baltoro-Gletschers nach und nach vom Labyrinth aus Geröllhügeln zu einem Strom aus Eis mit erkennbaren Moränenbahnen. Zunächst muss man aber noch auf dem mit Geröll bedecktem Eis einem großen Oberflächensee ausweichen, bevor man ab den gegenüberliegenden Einmündungen des Muztagh-Gletschers und des Mandu-Gletschers zunehmend geradeaus der Mittelmoräne des Baltoro folgen kann. Etwas weiter östlich treten dann die ersten weißen Eispyramiden aus der Gletscheroberfläche hervor, manche 20 bis 30 Meter hoch.

(26) Blick von der Mittelmoräne des Baltoro-Gletschers nach Südwesten
zurück nach Urdukas und zu den Urdukas Peaks
Auf Höhe dieses Standortes münden der Mandu-Gletscher von Süden (links) und der Muztagh-Gletscher von Norden ein. Beide Seitentäler eröffnen neue Sichten auf die bisher unsichtbaren Gipfel zu beiden Seiten des Baltoro.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(27) Blick nach Süden zum Masherbrum (7821 m)
Im Vordergrund sieht man den Mandu-Gletscher an seiner Mündung in den Baltoro-Gletscher.
Um fast 4000 Höhenmeter überragt der Masherbrum den Betrachter.
Foto: Ruud, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Der Masherbrum fesselt die Blicke derartig, dass kaum ein Blick nach Norden geht. Zugegeben: auf den nächsten 10 km bis zur Einmündung des Biange-Gletschers stehlen dieses Mal die Berge auf der Südseite des Baltoro denen der Nordseite die Show, hier vor allem der Masherbrum. Und dann fesselt mehr und mehr auch noch der Blick geradeaus auf die Gasherbrum-Gruppe die Blicke. Wir wenden uns hier aber trotz allem zunächst der Nordseite zu:

(28) Blick nach Norden zum Muztagh-Gletscher, zum Lobsang (6155 m) und den Lungka Peaks
Die Zinnen der Lungka-Gruppe waren bereits auf Bild Nr. 25 zu sehen. Hier und auf dem folgenden Bild blickt man in das Tal des Muztagh-Gletschers hinein.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(29) Blick nach Nordwesten in das Tal des Muztagh-Gletschers
Links sind die östlichen Gipfel des Biale zu sehen, die auch die Bilder 22 und 24 zeigen, dort aber von Urdukas. Besonderes Augenmerk verdient der hier sichtbare East Muztagh-Pass, der zu frühen Zeiten als Übergang nach Sinkiang diente, zwar nicht oft begangen wegen der hochalpinen Gefahren, aber doch für Warenverkehr und Raubüberfälle genutzt. Nach und nach wurden die Eisverhältnisse am Pass immer schwieriger, so dass sich immer weniger Menschen auf diese Route wagten. Zuletzt sorgte dann die Einigung zwischen Pakistan und China über den neuen Grenzverlauf dafür, dass der Pass endgültig nicht mehr begangen werden konnte.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(30) Blick nach Norden in das kurze Tal des Lungka-Gletschers
mit dem Muztagh Tower (7276m) im Hintergrund
Im Vordergrund sehen wir die ersten der erwähnten Eispyramiden auf der Gletscheroberfläche;
die sich besonders gut als Vordergrund für die Fotografen eignen.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(31) Blick nach Westen zum Lobsang Spire (5707 m) und Biale (6772 m)
Die spitze Nadel des Lobsang Spire hatte zuletzt Bild Nr. 17 gezeigt. Hier sehen wir sie von der entgegengesetzten Seite vom Baltoro-Gletscher in ca. 4220 m Höhe.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(32) Blick vom Lagerplatz 4300 nach Norden zum Biange II
Es gibt keine eindeutige Aussage darüber, ob der Platz in ca. 4270 m Höhe, der heute
üblicherweise als Lagerplatz benutzt wird, der Platz mit dem Namen "Gore II" ist,
oder ob dieser Name nicht dem Platz gebührt, der etwa 1 km östlich der Einmündung
des Biange-Gletschers liegt, der aber heute nur noch selten als Lagerplatz genutzt wird.
In meiner Landkarte ist der Platz in ca. 4270 m Höhe als "Camp 4300" bezeichnet.
Er liegt ca 2 km westlich der Einmündung des Biange-Gletschers.
Hier wird üblicherweise das nächste Nachtlager auf dem Weg nach Concordia aufgeschlagen.
Foto: Muhmammad Hassan Jan, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Bei Bild Nr. 27 hatten wir die Sicht nach Süden verlassen und kehren nun dorthin zurück. Mit dem Vorrücken nach Osten ändert sich die atemberaubende Form des Masherbrum nur wenig, sie wird aber noch etwas schlanker und kühner:

(33) Blick zum Masherbrum (7821 m) aus ca. 4230 m Höhe am Baltoro-Gletscher
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

Beim Weitermarsch dominiert rechts voraus das mächtige Massiv der Biarchedi-Gipfel:

(34) Blick nach Südosten zu den Biarchedi-Gipfeln
Der höchste Punkt, der Biarchedi I (6745 m), verbirgt sich in dieser Sicht hinter dem Biarchedi III.
Auf manchen Karten ist der Biarchedi I als Ghondogoro Ri bezeichnet.
Diese Bezeichnung entspricht nicht der Logik, die man in den Fällen anwendet,
wo mehrere Gipfel eines zusammenhängendes Bergmassivs zu bezeichnen sind.
In diesen Fällen verwendet man einen einheitlichen Namen und ergänzt diesen durch Ziffern der römischen Schrift wie z.B. bei den Gipfeln der Gasherbrum-Gruppe. Es ist abwegig, den höchsten Punkt nicht in diese Logik einzubinden. Die Biarchedi-Gipfel einschl. des Biarchedi I stehen im Halbrund um den östlich gelegenen Biarchedi-Gletscher.

Foto:
Michael Holtrop, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(35) Blick aus der Nähe des Camp 4300 zum Masherbrum (7821 m),
zu den Mandu Peaks und zu den Urdukas Peaks
Links sind noch die nordwestlichen Ausläufer der Biarchedi-Gruppe zu sehen.
Die Eispyramiden im Vordergrund haben eine Höhe von 20 bis 30 m.
Es ist nicht erkennbar, warum in bisherigen Landkarten die Höhen der beiden Mandu-Gipfel um ca. 100 m zu hoch und die Höhen der Urdukas-Gipfel um bis zu 200 m zu niedrig angegeben wurden, stehen diese Gipfel doch relativ nahe beieinander. Zumindest dem geschulten Blick eines Vermessungsingenieurs hätte auffallen müssen, dass hier etwas nicht stimmen kann.
Foto: Michael Holtrop, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Auch das Camp 4300 bietet phantastische Sichten, wobei der Masherbrum und die Gasherbrum-Gruppe sowohl die messtechnischen als auch die optischen Höhepunkte sind. Vor allem die Gasherbrum-Gruppe sollte man aus dieser Entfernung genau betrachten, denn mit weiterer Annäherung verbergen sich Gasherbrum II (8035 m) und Gasherbrum I (8080 m, Hidden Peak) hinter ihren etwas niedrigeren Nachbarn:

(36) Blick vom Camp 4300 nach Osten zur Gasherbrum-Gruppe
Vor dieser gewaltigen Berggruppe mit 2 Achttausendern und 2 hohen Siebentausendern vereinen sich der Obere Baltoro-Gletscher (von rechts) und der Godwin-Austen-Gletscher (von links).
Dieser Ort wird "Concordia" genannt, weil sich hier die Eisströme vereinigen ähnlich wie die
Straßen am Place de la Concorde in Paris. Noch aber sind es 12 km Luftlinie bis dorthin.
Foto: Michael Holtrop, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Nähert man sich der Einmündung des Biange-Gletschers, so erblickt man links voraus erste Gipfel, die schon Nachbarn des K2 sind: Praqpa Ri (7134 m) und Skil Brum (7410 m). Man blickt von Südwesten sozusagen auf ihre Rückseite, die wenig bekannt ist.

(37) Blick nach Nordosten über die Einmündung des Biange-Gletschers hinweg
zum Praqpa Ri (7134 m)
Der Praqpa Ri ist noch unbestiegen (Stand 2017).
Foto: Vladimir Ganelin, get.google.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Niemand, der den Baltoro-Gletscher heraufkommt, nimmt sich die Zeit, einen Abstecher auf den Biange-Gletscher zu machen und vor dort bis zum Moni-Pass (5566 m) an der chineschen Grenze hinaufzusteigen. Dabei würde man direkt unter dem gewaltigen Muztagh Tower (7276) und unter der Westwand des Skil Brum (7410 m) gehen.

Beim Weiterweg auf dem Baltoro-Gletscher nach Osten öffnet sich der Blick den Biange-Gletscher hinauf und zum alles beherrschenden Felsturm Muztagh Tower.

(38) Blick nach Nordwesten auf den Biange-Gletscher
mit Muztagh Tower (7276 m) und Moni Peak (6462 m, im Hintergrund)
Der erwähnte Moni-Pass an der chinesichen Grenze liegt links vom Moni Peak.
Foto: Ruud, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Vom Moni-Pass (5566 m) sind die beiden folgenden Bilder aufgenommen:

(39) Blick vom Moni-Pass (5566 m) nach Südosten zum Praqpa Ri (7134 m)
und auf den Younghusband-Gletscher, der zum Biange-Gletscher
und mit diesem vereint zum Baltoro-Gletscher fließt.
Von einem Standort etwas weiter links wäre auch die Chogolisa im Blick.
Foto: Michael Beek, www.beek-pakistan.de; Beschriftung: Günter Seyfferth

(40) Blick vom Moni-Pass steil hinauf zum Muztagh Tower (7276 m)
Foto:
Michael Beek, www.beek-pakistan.de

Nach dem Aufbruch in Camp 4300 auf dem Baltoro-Gletscher geht der Marsch direkt auf den alles beherrschenden Gasherbrum IV (7925 m) zu. Auf Höhe der Einmündung des Biange-Gletschers von Norden beeindruckt aber kaum weniger der Blick zum Muztagh Tower (7276 m, siehe Bild Nr. 38). Dieser markante Berg ist auch noch vom weiteren Weg nach Concordia zu sehen, man muss sich nur hin und wieder umdrehen und hat dann auch die beiden Biange-Gipfel wieder im Blick, da auf Bild Nr. 25 von Westen zu sehen waren:

(41) Blick aus ca. 4370 m Höhe nach Nordwesten
zu den beiden Biange-Gipfeln und zum Muztagh Tower
Die Überraschung durch eine dicke Neuschneedecke auf dem Gletscher ist auch im Sommer möglich.
Foto:
Ian Stuart, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die Route auf dem Gletscher zieht wieder etwas nach rechts, wo man sich dem von Süden einmündenden Biarchedi-Gletscher nähert. Der Gletscher kommt aus einem Kreis von Bergen, die zum Biarchedi-Massiv zählen. Der Biarchedi I, mit 6745 m der höchste Gipfel dieser Gruppe ist erst zu sehen, wenn man auf Höhe der Nuding-Pyramiden (Bild Nr. 44) steht. Dieser Gipfel ist nach meiner Kenntnis noch unbestiegen (Stand 2017).

(42) Blick nach Süden zum Biarchedi-Gletscher
Foto: Dr. Dressel
; Beschriftung: Günter Seyfferth

Concordia ist fast erreicht. Zuvor sind aber noch die Sichten nach links und rechts zu erläutern. Im Norden sind der New Cristal Peak (6220 m) und der Marble Peak (6195 m) die beherrschenden Gipfel, im Süden sind es die Nuding Pyramiden und der Mitre Peak (6030 m). Marble Peak und Mitre Peak bilden gleichzeitig das Tor, wo der gewaltige Baltoro-Gletscher nach der Aufnhame des Godwin-Austen-Gletschers Concordia nach Westen verlässt.

(43) Blick aus 4500 m Höhe nach Norden
zum New Cristal Peak (6220 m) und zum Marble Peak (6195 m)
Der zwischen den beiden Gipfeln liegende Doksam-Pass ist nicht als Übergang
zum Khal-Khal-Gletscher geeignet, denn er bricht auf der Nordseite steil zum Gletscher ab,
Foto: Vladimir Ganelin, get.google.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

Die beste Sicht auf die Nuding-Pyramiden und das Biarchedi-Massiv besteht von der letzten Wegstrecke vor Concordia:

(44) Blick aus der Nähe von Concordia nach West-Südwest
zu den Nuding-Pyramiden und dem Biarchedi-Massiv
Der Blick geht hier auch zurück zu den Standorten der Fotografen der Bilder Nr. 42 und 43.
Foto: Oleg Bartunov, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

E. Concordia, 4600 m

Der bekannte Bergsteiger und Hochgebirgsforscher G.O. Dyhrenfurth hat den Concordia-Platz "eines der gewaltigsten Hochgebirgs-Amphitheater der Welt" genannt. Hier öffnet sich eine freie Sicht nach Norden und nach Süden. Drei gewaltige Berggruppen erstrecken sich von dort über die nächsten jeweils etwa 25 km: Die Gruppe mit K2 (8611 m) und Broad Peak (8051 m) im Norden, die Gasherbrum-Gruppe mit ihren zwei 8000ern Gasherbrum I oder Hidden Peak (8080 m) und Gasherbrum II (8035 m) im Südosten, und schließlich die Chogolisa-Gruppe im Süden. Die ersten beiden Gruppen zählen zum Great Karakorum, die Chogolisa-Gruppe zur Südkette des Lesser Karakorum.

Den Namen "Concordia" wählte William Martin Conway auf seiner Expedition im Jahr 1892. Der riesige Platz erinnerte ihn an den Place de la Concorde in Paris, wo mehrere Straßen aus verschiedenen Richtungen zusammenkommen. Concordia liegt auf 4600 m Höhe, der Baltoro-Gletscher ist hier etwa 2,5 km breit, der Godwin Austen-Gletscher 1,5 km. Von Osten münden außerdem die zwei kleineren Gletscher Broad-Gletscher und West-Gasherbrum-Gletscher. .

Selbst demjenigen, der mit Superlativen eher zurückhaltend umgeht, wird hier nichts anderes übrig bleiben als zuzugeben, dass G.O. Dyhrenfurth mit seiner Würdigung dieses Platzes nicht übertrieben hat. Nach Norden steht in voller Pracht und unverdeckt der K2. Mit seinen 8611 m Höhe überragt er den Betrachter um 4000 m, obwohl dieser ja bereits auf einer Höhe von 4600 m steht. Es ist von der Form wahrhaftig der "perfekte" Berg, ebenmäßig, steil, schön und unvorstellbar hoch – und immer noch 15 km entfernt! Reinhold Messner sprach vom "Berg der Berge". Angeblich würde das Matterhorn 40 mal in diese Pyramide hineinpassen. Der K2 wird einmütig als der schwierigste aller Achttausender betrachtet. Die Erstbesteigung gelang einer italienischen Expedition im Jahr 1954. Fast 700 Träger schleppten zwischen 15 und 20 Tonnen Material und Verpflegung über den Baltoro-Gletscher – eine gewaltige Herausforderung hinsichtlich Organisation und Versorgung.

Im Nordosten – näher an Concordia als der K2 – steht der Broad Peak (8051 m). Er wurde erstmals im Jahr 1957 von einer österreichischen Kleinexpedition bestiegen, die nur aus 4 Bergsteigern bestand, darunter Hermann Buhl, der damit nach dem Nanga Parbat seine 2. Erstbesteigung eines 8000ers feiern konnte. Ein paar Wochen später verunglückte er tödlich bei einem Besteigungsversuch an der Chogolisa (7654 m). Direkt im Osten beherrscht der Gasherbrum IV (7932 m) die Szenerie, erstmals im Jahr 1958 von den Italienern Walter Bonatti und Carlo Mauri über den (von hier nicht sichtbaren) Nordostgrat bestiegen. Die dem Concordia-Platz zugewandte Westwand flößt Furcht ein, und dennoch wurde sie 1995 von dem Österreicher Robert Schauer und dem Polen Wojciech Kurtyka durchstiegen, eine der in Fachkreisen am höchsten bewerteten alpinen Leistungen im Himalaya. Weiter nach Südosten schließen sich die Zinnen von Gasherbrum V (7140 m) und der Gasherbrum VI (6970 m) an.

Direkt nach Südosten gibt der breite Baltoro-Gletscher den Blick frei auf den Baltoro Kangri (7345 m) und den Kaberi-Sattel. Dort oben ist die Front zwischen Indern und Pakistani! Weiter rechts stehen die Gipfel des Khumul Gri (auch Vigne Peak genannt, 6935 m). Diese gezackte Gipfelkette wird von manchem für die Chogolisa gehalten, ein verständlicher Irrtum, weil dieser Berg genau in derselben Richtung liegt. Die Chogolisa verbirgt sich aber hinter dem Khumul Gri. Um die Chogolisa zu sehen, muss man entweder weiter weg, also nach Norden auf den Godwin Austen-Gletscher gehen oder mindestens 6 bis 7 km nach Südosten, den Baltoro-Gletscher weiter aufwärts. Direkte "Nachbarn" am Lagerplatz Concordia sind der schwarzfarbige Mitre Peak (6020 m) im Südwesten und der hellfarbige Marble Peak (6195 m) im Nordwesten.  

Das einleitend gezeigte 360°-Panorama vermittelt eine hervorragende Übersicht. Die folgenden Bilder zeigen einzelnen Sichten von Concordia, geordnet im Uhrzeigersinn und beginnend im Norden mit dem K2. Man muss allerdings beachten, dass nicht alle Bilder vom selben Standort aufgenommen wurden, denn Concordia umfasst ja eine Fläche von ca. 7 Quadratkilometer. Wo die Expeditionen lagern, hängt auch davon ab, ob sie anschließend nach Norden zum K2 oder Broad Peak gehen oder nach Südosten zur Gasherbrumgruppe oder zum Vigne-Gletscher.

(45) Blick von Concordia zum K2, 8611 m
Dies ist der wohl berühmteste Blick im gesamten Himalaya.
Rechts sind die beiden am häufigsten gegangenen Routen auf den K2 markiert.
Die Erstbesteigung im Jahr 1954 erfolgte über den Abruzzengrat zur Schulter.
Die Cesen-Route ist klettertechnisch schwieriger; sie führt ebenfalls zur Schulter.

Foto:
Michael Holtrop, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(46) Blick von Concordia zum K2 (8611 m) und zum Broad Peak (8051 m)
Hier ist zu erkennen, woher der Broad Peak (breiter Berg) seinen englischen Namen hat.
Der Mittelgipfel des Broad Peak ist mit 8011 m Höhe ebenfalls ein Achttausender.
Man gibt ihm aber nicht die Ehre, zu den eigenständigen Achttausendern gerechnet zu werden;
andernfalls gäbe es nicht 14, sondern 15 8000er.
Foto: Ruud, flickr.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

(47) Blick von Concordia nach Osten bis Südosten
zum Gasherbrum IV (7932 m), zu den Vorgipfeln des Gasherbrum V
und zum Gasherbrum VI (6970 m)
Man steht in Concordia bereits zu nah vor dieser Mauer, um noch die dahinter stehenden Gipfel
Gasherbrum I, II und III sehen zu können. Auch der Gasherbrum V (7133 m) ist verdeckt. Vom Camp 4300 waren diese Gipfel noch zu sehen (siehe Bild Nr. 36).
Die hier sichtbare Westwand des Gasherbrum IV wurde erstmals im Jahr 1985 durchstiegen;
11 Tage dauerte dieses Abenteuer, nachzulesen hier.
Der Gasherbrum VI (rechts) ist noch unbestiegen (Stand 2017).
Bilder von einem Besteigungsversuch im Jahr 2016 finden Sie weiter unten (Nr. 79 bis 82).
Foto: Dale Cottam, flickr.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

 

Zur Fortsetzung

(2) Luftbild des Godwin Austen-Gletschers mit K2 (8611 m), Skyang Kangri (7545 m), Broad Peak Nord (7490 m), Broad Peak Mitte (8011 m) und Broad Peak (8051 m)
Das Flugzeug hat knapp westlich von Concordia bereits zur Wende angesetzt, denn andernfalls würde es außerhalb des rechten Bildrandes über chinesisches Territorium fliegen, was bei Sight-Seeing-Flügen nicht erlaubt ist. An der Vereinigung von Godwin-Austen-Gletscher (von rechts) und Savoia-Gletscher steht der K2. Die Sicht in der Gegenrichtung vermittelt Bild Nr. 5 des Panoramas vom K2.
Foto: Bernhard Krainer, google.com

(48) Detailaufnahme von den hohen Nebengipfeln des Gasherbrum V im Abendlicht
Bei diesen Zinnen vor dem Gasherbrum V sind die Höhen in den Landkarten zu hoch angegeben.
Der Gipfel mit der Höhe 6940 m hätte den Namen Gasherbrum VII verdient.
Besteigungen dieser Gipfel sind nicht bekannt.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

(49) Blick von Concordia nach Südosten
zum Baltoro Kangri (7345 m) und zu den Gipfeln des Khumul Gri, auch Vigne Peaks genannt.
Der Baltoro Kangri wirkt in dieser Sicht wenig beeindruckend. Das liegt zum einen daran,
dass er fast 10 km entfernt ist und zum anderen daran, dass die Moränen im Vordergrund
den Bergfuß verdecken. Bild Nr. 78 zeigt ihn in voller Höhe aus kürzerer Distanz.
Der höchste Punkt des Baltoro Kangri (III, 7345 m) ist verdeckt
durch den hier sichtbaren Baltoro Kangri I.
Viele Bergsteiger und Trekker halten die weiße Mauer rechts für die Chogolisa.
Sie ist es nicht, denn die Chogolisa (7654 m) verbirgt sich hinter dem Khumul Gri,
der hier zu sehen ist. Um die Chogolisa zu sehen, muss man sich von Concordia
nach Norden entfernen, d.h. ein Stück den Godwin-Austen-Gletscher aufwärts gehen.
Foto: Michael Holtrop, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(50) Der Mitre Peak (6030 m) ist der südwestliche "Wächter"
am Ausgang von Concordia nach Westen
Der Berg hat seinen Namen von der Bischofsmütze "Mitra", denn seine Form gleicht dieser kirchlichen Kopfbedeckung. Rechts stehen die Nuding-Pyramiden, die bereits auf Bild Nr. 44 zu sehen waren.
Foto: Oleg Bartunov, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(51) Panorama im Südwesten von Concordia
vom Baltoro Kangri bis zur Biarchedi-Gruppe

Foto:
Muhammad Hassan Jan, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth



(52) Blick
bei Sonnenaufgang von Concordia nach Westen
zum Payu Peak (6621 m), Choricho (6769 m), den Türmen am Trango-Gletscher
und zur Thunmo Cathedral
Dieser Blick durch das Teleobjektiv reicht talabwärts zurück bis auf Höhe des Rastplatzes Payu!
Foto: Oleg Bartunov, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(53) Der Marble Peak (6195 m) ist der nordwestliche "Wächter"
am Ausgang von Concordia nach Westen

Foto: Oleg Bartunov, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Mit dem vorstehenden Bild schließt sich der Kreis des Rundumblicks von Concordia.

F. Godwin-Austen-Gletscher, Broad Peak und K2

Bitte beziehen Sie beim Studium der folgenden Beschreibung auch die Seiten mit herrliichen Bildern von den Gipfeln von K2 und Broad Peak ein:

- Gipfelpanorama vom K2, 8611 m

- Gipfelpanorama vom Broad Peak, 8051 m

Von Concordia nach Norden verläuft der beeindruckende Godwin-Austen-Gletscher, der als Nebengletscher immerhin auch 20 km lang ist. Von Concordia aus blickt man diesen Gletscher hinauf bis an den etwa 9 km entfernten Fuß des K2 (Bild Nr. 45). Der Gipfel des K2 (8611 m) ist von Concordia 15 km entfernt und überragt den Standort um 4010 m; Concordia befindet sich immerhin schon auf 4600 m Höhe, also nur knapp unter der Höhe des Mt. Blanc, dem höchsten Berg unserer Alpen. Am K2 knickt der Godwin-Austen-Gletscher um etwa 45 Grad nach Nordosten ab und endet schließlich am Fuß des Skyang Kangri (7545 m), der erstmals 1976 von einer japanischen Expedition bestiegen wurde (siehe Bild Nr. 2). Der K2 wurde erstmals im Jahr 1954 von den Italienern Achille Compagnoni und Lino Lacedelli bestiegen. Am Fuß des K2 mündet von Westen der Savoia-Gletscher in den Godwin-Austen-Gletscher, der vom Savoia-Sattel aus die West- und Südwestflanke des K2 umfließt. Westlich dieses Seitengletschers stehen die Siebentausender Summa Ri (7302 m), Skil Brum (7410 m) und Praqpa Ri (7134 m). Im Osten des Godwin-Austen-Gletschers steht das mehrgipfelige Massiv des Broad Peak (8051 m), der erstmals im Jahr 1957 von den vier Teilnehmern einer österreichischen Kleinexpedition Markus Schmuck, Fritz Wintersteller, Kurt Diemberger, Hermann Buhl bestiegen wurde. Wie seine Name schon sagt, ist der Broad Peak ein breit ausgedehnter Gebirgskamm mit Nordgipfel (7490 m), Mittelgipfel (8011 m), Vorgipfel (8035 m) und Hauptgipfel (8051 m).

Von Concordia aus sollte der Trekker dem Godwin Austen-Gletscher zumindest bis zum Basislager des Broad Peak folgen. Man geht direkt auf die Südflanke des K2 zu, durch die sich die Spitzenbergsteiger der Welt mehrere Routen erkämpft haben. Mit geringer werdender Entfernung erahnt man etwas mehr von den Gefahren, denen sich der Mensch an diesem Berg aussetzt. Viele, viele Bergsteiger haben hier den Tod gefunden, manche unvermittelt, andere in tagelangem Kampf, der schließlich verloren ging.

(54) Blick vom Basislager am Broad Peak auf dem Godwin Austen-Gletscher in 4850 m Höhe
in die Südflanke des K2
Rechts ist der Abruzzi-Grat markiert, über den einer italienischen Expedition
im Jahr 1954 die Erstbesteigung gelang.
Das Basislager des K2 wird auf dem Weiterweg über die Mittelmoräne am Fuß
der schwarzen Felsen in der linken Bildhälfte erreicht.
Foto: Paul Boslooper, google.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Bei einer weiteren Annäherung an den K2 muss mann zwar den Kopf noch weiter in den Nacken legen, die Sicht auf den Berg beeindruckt aber eher weniger, weil man immer mehr in die Froschperspektive gerät, in der die Entfernungen verkürzt wirken und die Übersicht verloren geht.

(55) Blick vom Basislager des Broad Peak auf dem Godwin Austen-Gletscher
in 4850 m Höhe nach Südwesten zu den Nordflanken
von Marble Peak (6195 m) und New Cristal Peak (6220 m) über dem Khal Khal-Gletscher
Diese beiden Gipfel hat der Wanderer bereits auf der letzten Etappe auf dem
Baltoro-Gletscher passiert. Von dort ging der Blick in die Südflanken der Berge.
(vergl. Bild Nr. 43 und 53)
Foto: Big Lee, summitpost.org; Beschriftung: Günter Seyfferth

(56) Hoch über den Köpfen der Bergsteiger und Trekker im Basislager des Broad Peak
stehen die Gipfel dieses breiten Bergmassivs.
Der Blick geht steil nach oben, so dass auch hier die Entfernungen
und Höhenunterschiede nicht abgeschätzt werden können.
Die sog. "Normalroute" am Broad Peak führt hinter dem Felsmassiv im Vordergrund
auf den Grat, der in Bildmitte auf den Satttel (7820 m) zwischen Mittel- und Hauptgipfel zuführt.
Der Broad Peak wurde erstmals im Jahr 1957 von einer österreichischen Kleinexpedition bestiegen.
Foto: Paul Boslooper, google.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Einen guten Überblick über den Godwin Austen-Gletscher und seine drei Hauptgipfel K2, Broad Peak und Skyang Kangri (7545 m) gibt Ihnen das Luftbild Bild Nr. 2. Um einen Überblick über die westlichen Trabanten des K2 zu geben, steigen wir 900 m am Hang des Broad Peak hinauf:

(57) Blick vom Camp 1 in 5750 m Höhe am Broad Peak nach Nordwesten
zum Praqpa Ri, Skil Brum, Summa Ri und K2
Die westlichen Trabanten des K2 an der Grenze zu China werden eher nur beiläufig zur Kenntnis genommen, weil sie der alles beherrschende K2 optisch zu Zwergen macht.
Dabei sind es immerhin auch Siebentausender.
Hinter dem Angelus (6802 m) liegt das obere Becken des Savoia-Gletschers,
dem Zugang zu der äußerst schwierigen Westflanke des K2.
Dieser Gletscherweg ist gefährlich und sollte nur von erfahrenen
Bergsteigern begangen werden.
Sie sollten Ihre Aufmerksamkeit auch dem links sichtbaren Praqpa Ri (7134 m) schenken:
Bild Nr. 60 zeigt die Ostflanke in größerem Format;
die Bilder Nr. 61 bis 65 sind von seinem Südostgrat aus aufgenommen.
Foto: Paul Boslooper, google.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(58) Blick vom Basislager (5000 m) am K2 nach Osten zu den Kharut-Gipfeln
am oberen Godwin Austen-Gletscher.
Diese Berge sind auf dem Luftbild Nr. 2 hinter dem Massiv des Broad Peak verborgen.
Das Basislager des K2 wird auf der Mittelmoräne errichtet, welche sich im Zusammenfluss von
Godwin Austen-Gletscher und dem aus der K2- Südwand kommenden Gletscher
gebildet hat. Je nach Position stehen die Zelte dort in Höhen zwischen 4950 und 5000 m.
Nur erfahrene und gut ausgerüstete Bergsteiger können von hier aus den Godwin Austen-Gletscher
weiter aufwärts gehen. Ein Gletscherbruch, heimtückische Gletscherspalten und Lawinenabgänge von gewaltigen Dimensionen signalisieren hier überdeutlich die Gefahren des Hochgebirges.
Der Blick auf den Skyang Kangri (siehe Bild Nr. 2) am oberen Ende des Gletschers bleibt also verwehrt.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

(59) Blick vom Basislager (5000 m) am K2 nach Südwesten
über die Einmündung des Savoia-Gletschers hinweg zu den Khal Kkal Peaks.
Am linken Bildrand fließt der Godwin Austen-Gletscher nach Concordia.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Das großzügige Bildangebot von Ralf Dujmovits und Nancy Hansen hat die folgende Übersicht von den Hängen des Praqpa Ri möglich gemacht. Der Versuch der Erstbesteigung des Praqpa Ri im Jahr 2016 über den Südostgrat musste zwar wegen widriger und äußerst gefährlicher Schneeverhältnisse abgebrochen werden, die beiden Bergsteiger brachten aber sehr selten zu sehende Sichten aus diesem Teil der Baltoro-Region mit. Die Position des Praqpa Ri hat bereits Bild Nr. 57 deutlich gemacht. Der Berg kommt vom Godwin Austen-Gletscher aus bem Passieren der Einmündung des Savoia-Gletschers in Sicht, die auf dem vorstehenden Bild Nr. 59 zu sehen ist. Der Praqpa Ri befindet sich also rechts außerhalb dieses Fotos.

(60) Blick vom Godwin Austen-Gletscher in die Ostwand des Praqpa Ri (7134 m)
Die folgenden Bilder sind vom Südostgrat des Berges aufgenommen, der aus dem Sattel links
zum Vorgipfel 7035 aufsteigt. Im Vordergrund sieht man den Abbruch des Savoia-Gletschers.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

(61) Panorama-Blick vom Südostgrat des Praqpa Ri (7134 m)
vom Skil Brum über K2 und Broad Peak bis zum Marble Peak
(bitte unbedingt im Großformat öffnen!)
Überwältigend ist die Sicht in die Südwestwand des K2 und die Westflanke des Broad Peak.
Dass alle Wände des K2 gefährlich sind, weiß man.
Die Geschichte der Besteigungen des K2 finden Sie hier.
Hier ist zu erkennen, dass auch der Broad Peak keineswegs einfach zu besteigen ist.
Tiefschnee auf dem Hängegletscher unter dem Sattel 7820 hat schon manchem
Bergsteiger seine Grenzen aufgezeigt.
Die Geschichte der Besteigungen des Broad Peak finden Sie hier.
Die etwas wolkenverhangenen Kharut-Peaks waren auf Bild Nr. 58 zu sehen.
Über dem Angelus (6802 m) ragt die Schulter des K2 auf, auf der in der Regel
das letzte Lager bei der Besteigung des K2 von Süden steht.
Dort hat sich das Drama von 1986 abgespielt.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

(62) Blick vom Südostgrat des Praqpa Ri (7134 m) zum K2
Die Südwestwand des K2 ist rechts begrenzt vom Südgrat, dessen unterer Teil
vom Angelus (6802 m) verdeckt ist, und links vom Südwestgrat, an den
unmittelbar links die Westwand anschließt, in die man hier von der Seite hineinschaut.
Schwierigste Routen wurden in diesen Flanken erschlossen,
meist erkämpft über viele Tage unter fürchterlichen Entbehrungen und Bedingungen.
Die Geschichte der Besteigungen des K2 finden Sie hier.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

Wir wenden den Blick nun wieder etwas mehr nach Süden zu dem Teil der Region des Baltoro, den es noch im Detail zu beschreiben gilt.

(63) Blick vom Südostgrat des Praqpa Ri (7134 m) nach Südosten
zur Gasherbrum-Gruppe und zum Baltoro Kangri
Im Vordergrund stehen die beiden Khal Khal Peaks, die auf Bild Nr. 59 zu sehen waren.
Der Khal Khal-Gletscher (rechts) mündet beim Marble Peak (6195 m) in den
Godwin Austen-Gletscher: Diese Stelle zeigte Bild Nr. 55.
Hinter dem Marble Peak liegt Concordia.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

Das folgende Bild schließt rechts an das vorstehende Foto an, der Standort ist dort aber etwas tiefer.

(64) Blick vom Südostgrat des Praqpa Ri (7134 m) nach Süd-Südosten
zum Marble Peak (6195 m), zur Chogolisa (7654 m) und zum New Cristal Peak (6220 m)
Vor der Chogolisa ist das mehrgipfelige Massiv des Khumul Gri (Vigne Peak, 6935 m) zu sehen.
Die beiden nahe gelegenen Gipfel Marble Peak und New Cristal Peak hatte auch Bild Nr. 55 gezeigt, und zwar von links. Zu Füßen der Bergsteiger liegt der Khal Khal-Gletscher, der in den Godwin Austen-Gletscher mündet und von dort auf Bild Nr. 55 zu sehen war..
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

(65) Blick vom Südostgrat des Praqpa Ri nach Süden zur Biarchedi-Gruppe
Die Berge der Biarchedi-Gruppe stehen südlich des Baltoro-Gletschers. Bild Nr. 34
zeigte die Berggruppe vom Anmarsch auf dem Gletscher. Von dort war aber der
Biarchedi I nicht zu sehen. Der Baltoro-Gletscher liegt hinter P 6082.
Foto: Nancy Hansen; Beschriftung: Günter Seyfferth

Wir kehren (gedanklich) über den Savoia-Gletscher zurück zum Godwin Austen-Gletscher, um von dort aus den südöstlichen Bereich rund um den Oberen Baltoro-Gletscher zu erkunden.

(66) Blick vom Godwin Austen-Gletscher beim K2-Basecamp
nach Süden zur Chogolisa (7654 m)
mit dem vorgelagerten Massiv des Khumul Gri (Vigne Peak. 6935 m)
Während das mächtige "Dach" der Chogolisa von Concordia aus nicht zu sehen war (Bild Nr. 49), eröffnet die Sicht vom weiter entfernten und höher gelegenen Godwin Austen-Gletscher diesen Blick
über die Gipfel des Khumul Gri hinweg. Über den davor gelegenen Vigne-Gletscher
und den Ghondogoro La kann die Baltoro-Region nach Südwesten in Richtung Indus-Tal
verlassen werden.
Foto: Nancy Hansen; Beschriftung: Günter Seyfferth

G. Gasherbrum-Gruppe, Baltoro Kangri und Chogolisa, Vigne-Gletscher

Bitte beziehen Sie beim Studium auch die folgende Seiten mit herrliichen Bildern vom Gipfel des
Gasherbrum I (Hidden Peak, 8080 m) ein:

Gipfelpanorama vom Gasherbrum I, 8080 m (Hidden Peak)

Im Südosten von Concordia liegt die Gasherbrum-Gruppe. Direkt im Osten über Concordia steht der beeindruckende Gasherbrum IV (7932 m), der erstmals im Jahr 1958 von den Italienern Walter Bonatti und Carlo Mauri über den Nordostgrat bestiegen wurde. Die dem Concordia-Platz zugewandte furchteinflößende Westwand wurde 1995 von dem Österreicher Robert Schauer und dem Polen Wojciech Kurtyka durchstiegen, eine der in Fachkreisen am höchsten bewerteten alpinen Leistungen im Himalaya. Nach Süd-Süd-Ost folgen die Gipfel Gasherbrum V (7133 m), erstmals 1978 erstiegen, und Gasherbrum VI (6970 m). Vom Gasherbrum IV nach Osten folgen Gasherbrum III (7946 m), erstmals 1975 durch Alison Chadwick-Onyszkiewicz, Wanda Rutkiewicz, Janusz Onyszkiewicz und Krzysztof Zdzitowiecki bestiegen, und Gasherbrum II (8035 m), erstmals 1956 durch die Österreicher Fritz Moravec, Sepp Larch und Hans Willenpart bestiegen.

Während bis zum Gasherbrum II der Gipfelkamm durchweg oberhalb von 7000 m liegt, folgt nun nach Südosten eine Absenkung zum 6600 m hohen Gasherbrum-Sattel. Erst dann steigt der Grat wieder steil an zum 8080 m hohen Gasherbrum I oder Hidden Peak. Diese deutliche topografische Trennung von den übrigen Gasherbrum-Gipfeln veranlasst manchen zu sagen, der Hidden Peak hätte eigentlich nichts mit der Gasherbrum-Gruppe zu tun und man solle ihn deshalb grundsätzlich nur Hidden Peak nennen. Es ist aber nun mal seit langem der Gasherbrum I, und dies auch mit gutem Grund, denn der G I ist der Beginn einer U-förmigen Bergkette bis zum G VI, deren Hänge ihre Lawinen in das Becken des Gasherbrum-Glet- schers schicken. Von den Teilnehmern der ersten Baltoro-Expeditionen wurde der Berg nur Hidden Peak genannt. Er ist in der Tat ein Berg, der sich versteckt. Kommt man den Baltoro-Gletscher herauf, so ist er im Gegensatz zu allen anderen hohen Gipfeln praktisch nicht zu sehen, es sei denn, man kennt die kurze Strecke zwischen Urdukas und Gore II, von der er knapp rechts neben dem Gasherbrum VI auftaucht (siehe Bild Nr. 36). Kurz danach ist er wieder hinter dem G VI versteckt. Dann sieht man den Berg erst wieder, wenn man am oberen Baltoro-Gletscher auf etwa 4900 m Höhe nach Osten in den Abruzzi-Gletscher einbiegt. Dann allerdings präsentiert er sich mit seiner Westwand in voller Größe. Im nach Südosten verlaufenden Südost-Grat des Gasherbrum I befinden sich noch einige Erhebungen, die Urdok I, II und III genannt werden, die aber fast nicht als eigenständige Berge betrachtet werden können. Der Gipfel des Gasherbrum I wurde erstmals im Jahr 1958 von den Amerikanern P. Schoening und A.J. Kauffmann über den Süd-Süd-Ost-Sporn erreicht. Die Kette wird abgeschlossen durch den mehrgipfeligen Sia Kangri (7422 m), dessen Gipfel bereits 1934 von den Münchnern Hans Ertl und Albrecht Höcht erreicht wurde.

Zur südlichen gelegenen Chogolisa-Gruppe zählen der mehrgipfelige breite Baltoro Kangri (7345 m), die Chogolisa (7654 m) und der mehrgipfelige Khumul Gri (6935 m). Am Baltoro Kangri war der Südostgipfel (oder Baltoro Kangri V, 7320 m) bereits im Jahr 1934 von der Internationalen Himalaya-Expedition bestiegen worden, der Hauptgipfel (oder Baltoro Kangri III, 7345 m) wurde aber erst von Japanern im Jahr 1963 erreicht. An der Chogolisa wurde der Nordostgipfel (7640 m) im Jahr 1958 von einer japanischen Expedition bestiegen, der Hauptgipfel (7654 m) aber erst im Jahr 1975 durch eine österreichische Expedition. Am Südostgrat der Chogolisa fand Herman Buhl, Erstbesteiger von Nanga Parbat und Broad Peak, im Jahr 1957 den Tod. In die Chogolisa-Gruppe hinein zweigt vom Baltoro-Gletscher das Tal des Vigne-Gletschers nach Südwesten ab. Dies ist auch der Weg über den Ghondogoro La nach Südwesten in das Hushe-Tal und weiter an den Shyok/Indus.  

Von Concordia folgt man dem Oberen Baltoro-Gletscher nach Südosten zunächst mit der Sicht gemäß Bild Nr. 49. In der Regel muss in dieser Richtung zunächst zumindest einer der nicht ungefährlichen, tief eingeschnittenen Flüsse auf der Gletscheroberfläche überquert werden, um die für diese Richtung "passende" Mittelmoräne zu erreichen. Die Wanderer, welche den Vigne-Gletscher und den Ghondogoro La als Ziel haben, nehmen eine weiter westlich gelegene Mittelmoräne als Weg. Bis in ca. 4700 m Höhe besteht auf beiden Routen eine fast identische Sicht, links die Gasherbrum-Gipfel, voraus der Baltoro Kangri und das Massiv des Khumul Gri (Vigne Peak). Die Chogolisa kommt erst weiter südlich ins Blickfeld. Die Route über den Vigne-Gletscher entlang der Mauer des Khumul Gri eröffnet weitere veränderte Sichten auf die Gasherbrum-Gruppe und zunächst auch noch auf K2 und Broad Peak. Vom Pass Ghondogoro La aus sind dann die gesamte Gasherbrum-Gruppe, der K2 und der Broad Peak zu sehen, nicht aber die Chogolisa!

Auf dem Weg von Concordia nach Südosten beherrschen links die scharfen Zinnen der Gasherbrum-Gruppe die Szenerie. Man bewegt sich entlang einer äußerst beeindruckenden, vielfach gegliederten Folge von extrem steilen und schroffen Felszinnen, deren Identifikation anhand der Landkarte gewisse Schwierigkeiten bereitet. Über diesen Zinnen tauchen je nach Standort auch die Gipfel von Gasherbrum III, II und I auf. Um all diese Eindrücke richtig zu ordnen, bedarf es schon einiger Vorbereitung auf diese Sichten, wobei die folgenden Bilder helfen sollen. Diese Sichten sowohl vom Baltoro-Gletscher als auch vom Vigne-Gletscher sind hier zusammengefasst, damit ein vollständiges Bild entsteht.

Man rufe sich zum Beginn bitte nochmals die Bilder Nr. 47 und 48 in Erinnerung, die die Sicht auf die Gasherbrum-Gruppe am Beginn der Wanderung nach Südosten zeigen. Ist man eine Weile marschiert, entdeckt man die Spitzen von Gasherbrum III und II sowie den Gasherbrum V, wie das folgende Bild zeigt:

(67) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher in ca. 4630 m Höhe zu Gasherbrum IV (7932 m),
Gasherbrum III (7946 m), Gasherbrum II (8035 m) und Gasherbrum V (7140 m)
Foto: Muhammad Hassan Jan, flickr.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

Kurz darauf sind aber G III und G II wieder verschwunden:

(68) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher in ca. 4650 m Höhe
zu Gasherbrum IV (7932 m) und Gasherbrum V (7140 m)

Foto:
Oleg Bartunov, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Weiter rechts taucht die Spitze des Gasherbrum I auf: 

(69) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher zum Gasherbrum V (7140 m),
Gasherbrum I (8080 m) und Gasherbrum VI (6970 m)
Auch aus diesem Bild ist nachzuvollziehen, warum der Gasherbrum I auch den Namen Hidden Peak trägt. Der Berg war schon im Anmarsch nach Concordia nur von wenigen Punkten aus zu sehen.
Hier vom Oberen Baltoro-Gletscher ist ebenfalls nur kurz seine Spitze zu sehen.
Foto: Oleg Bartunov, flickr.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

Bevor die Bildfolge mit Fotos auf dem Weg weiter nach Südosten zum Abruzzi-Gletscher fortgesetzt wird, seien 3 weitere Bilder der Gasherbrum-Gruppe aus dem Gebiet des Vigne-Gletschers eingefügt. Die ersten beiden Bilder wurden vom Ali Camp in 5000 m Höhe aufgenommen, das dritte Bild zeigt die Gasherbrum-Gruppe vom Ghondogoro La:

(70) Blick vom Ali Camp (5000 m) am Vigne-Gletscher nach Nordosten
zum Gasherbrum IV (7932 m) mit dem vorgelagerten Grat des Gasherbrum VII
(vorgeschlagene Bezeichnung, 6940 m)
Die Gipfel zum linken Bildrand hin gehören zum Verbindungsgrat
zwischen Gasherbrum IV und Broad Peak.
Foto: Vladimir Ganelin, get.google.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

(71) Blick vom Ali Camp (5000 m) am Vigne-Gletscher nach Nordosten
zum Gasherbrum IV (7932 m), Gasherbrum III (7946 m);
Gasherbrum II (8035 m) und Gasherbrum V (7140 m)
Foto: Vladimir Ganelin, google.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

(72) Blick vom Ghondogoro La (5585 m) nach Nordosten zur Gasherbrum-Gruppe
Foto: Vladimir Ganelin, google.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

Bevor wir an den Oberen Baltoro-Gletscher am Standort von Bild Nr. 69 zurückkehren, seien zur Komplettierung des Abstechers auf den Vigne-Gletscher hier noch zwei typische Sichten von diesem Gletscher angefügt. An der Einmündung dieses Seiten-Gletschers steht man unmittelbar vor der mächtigen Mauer der Gipfel des Khumul Gri (Vigne Peak), die schon auf Bild Nr. 49 und 66 zu sehen war:

(73) Blick von der Mündung des Vigne-Gletschers in den Oberen Baltoro-Gletscher
in 4690 m Höhe auf die Gipfel des Khumul Gri (Vigne Peak, 6935 m)
Der Weg zum Ghondogoro La führt nach rechts über diesen Seiten-Gletscher.
Foto: Paul Boslooper, google.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

(74) Auf dem Vigne-Gletscher in Richtung Ali Camp nach Süd-Südwesten
Foto: Paul Boslooper, google.com; Beschriftung: Günter Seyfferth

In den ersten Stunden der Wanderung der Wanderung auf dem Oberen Baltoro-Gletscher lohnt öfters auch der Blick zurück, denn aus der Distanz gewinnt man nach und nach einen besseren Überblick über Concordia und die umgebenden Gipfel. Der K2 bleibt noch eine Weile im Blick und im Nordwesten "taucht" der abenteuerlich wirkende Turm des Muztagh Tower (7276 m) auf:

(75) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher in ca. 4720 m Höhe nach Nordwesten
mit Muztagh Tower (7276 m). Skil Brum (7410 m) und K2 (8611 m)
Der Praqpa Ri (7134 m), von dem aus die Bilder Nr. 61 bis 65 aufgenommen waren,
wird hier vom Marble Peak (6195 m) verdeckt. Man beachte die unterschiedliche Färbung
des Gesteins am Marble Peak.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

Sehr aufschlussreich ist ein historisches Foto aus ähnlicher Position, aufgenommen im Jahr 1909 von Vittorio Sella:

(76) Historische Aufnahme aus dem Jahr 1909 von der Einmündung des Vigne-Gletschers in den Baltoro-Gletscher nach Nordwesten in Richtung Concordia
Der Standort des Fotografen ist gegenüber Bild Nr. 75 etwas erhöht auf dem
nordöstlichen Ausläufer des Khumul Gri. Hier ist auch der Praqpa Ri zu sehen.
Foto: Vittorio Sella, 1909; Beschriftung: Günter Seyfferth

Im Nordosten geht jetzt der Blick direkt in die Flanken des Gasherbrum V (7140 m) und seines langen, wild gezackten Nordwestgrates:

(77) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher in ca. 4730 m Höhe nach Nordosten
zum Gasherbrum V (7140 m) und seinem langen Nordwestgrat
Foto: Ferran Latorre, flickr.com
; Beschriftung: Günter Seyfferth

Der Weg auf der Mittelmoräne des Oberen Baltoro-Gletschers führt direkt auf den Baltoro Kangri zu. Dieser Siebentausender ist ein mächtiger "Klotz" unter dicken Panzern aus Eis und Schnee an allen Flanken. Wirkte er aus der größeren Entfernung von Concordia noch relativ unscheinbar, so wächst die Ehrfurcht auch vor diesem Giganten mit weiterer Annäherung:

(78) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher zum Baltoro Kangri (7345 m)
Von den den 5 Gipfeln mit den römischen Ziffern I bis V sind hier nur Nr. I und II zu sehen.
Der Höchste Punkt Nr. III verbirgt sich hier hinter Nr. I.
Der Baltoro-Gletscher hat seinen Beginn am Fuß des Baltoro Kangri. Dort treffen (von links) der Abruzzi-Gletscher und (von rechts) der Chogolisa-Hängegletscher aufeinander. Der Abruzzi-Gletscher ist der Zugang zu den Gipfeln Gasherbrum I, II, III, IV und V.
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de;
Beschriftung: Günter Seyfferth

Außerhalb des linken Randes des vorstehenden Bildes steht der noch unbestiegene (Stand 2017) Gasherbrum VI (6970 m):

(79) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher in ca. 4830 m Höhe zum Gasherbrum VI (6970 m)
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

Ralf Dujmovits und Nancy Hansen unternahmen von hier aus (das Foto zeigt ihr Basislager) im Jahr 2016 einen Besteigungsversuch. Die Route führte auf den im vorstehenden Bild sichtbaren Seitengletscher und von dort unmittelbar vor den Felsen des G VI nach rechts hinauf auf einen Sattel (6150 m). In den dann folgenden hellen, marmorartigen Felsen war nicht der geringste Riss für eine Sicherung mit Haken und Seil zu finden. Hinzu kam Tiefschnee, der keinerlei feste Verbindung mit dem Untergrund eingangen war. Der Abbruch des Besteigungsversuchs war unvermeidlich. Mitgebracht haben sie aber die folgenden einmaligen herrlichen und neuen Sichten aus großen Höhen:

(80) Blick aus ca. 5400 m Höhe auf dem West-Gletscher des Gasherbrum VI nach Südwesten
zur Chogolisa (7654 m) und zum Khumul Gri (Vigne Peak, 6935 m)
Unten ist der Obere Baltoro-Gletscher zu sehen, auf dem das Basislager gemäß Bild Nr. 79 stand.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

(81) Blick aus knapp 6000 m Höhe am Gasherbrum VI nach Nordwesten
zum beeindruckenden Felsturm des Muztagh Tower (7276 m)
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

(82) Blick vom Südsattel des Gasherbrum VI in 6150 m Höhe
nach Südosten auf den Abruzzi-Gletscher, zum Sia Kangri (7422 m)
und zum Conway-Sattel.
Im Foto unten sind die Positionen auf der Mittelmoräne des Gletschers markiert,
wo die Gasherbrum-Expeditionen ihre Basislager errichten. Weiter hinauf in Richtung
Sia Kangri darf niemand vordringen, denn hier "hütet" das pakistanische Militär
die Front gegen die Inder in der irrsinnigen Auseinandersetzung
um eine unbewohnte Welt aus Eis und Schnee.
Die Berge jenseits des Conway-Sattels stehen bereits im Territorium,
das derzeit von den Indern besetzt ist.
Rechts sieht man die vergletscherte Ostflanke des Baltoro Kangri.
Foto: Ralf Dujmovits; Beschriftung: Günter Seyfferth

Wir begeben uns zurück auf den Oberen Baltoro-Gletscher, wo bald die ähnliche Sicht auf den Sia Kangri aus niedrigen Höhen geboten ist:

(83) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher in ca. 4840 m Höhe nach Südosten
zum Sia Kangri (7422 m) über dem Abruzzi-Gletscher
Voraus ist also auch der Punkt zu sehen, wo der Abruzzi-Gletscher von Nordosten einmündet
und von wo der Gasherbrum I (Hidden Peak, 8080 m) erstmals in voller Größe zu sehen sein wird.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Bevor wir in die Welt der Gasherbrum-Giganten eintauchen, werfen wir einen Blick zurück nach Nordwesten in Richtung Concordia:

(84) Blick vom Oberen Baltoro-Gletscher in ca. 4920 m Höhe nach Nordwesten
in Richtung Concordia mit Muztagh Tower (7276 m) und Skil Brum (7410 m)
An dieser Stelle biegt der Wanderer nach Nordosten (rechts) ab auf den
Abruzzi-Gletscher, der eigentlich der oberste Abschnitt des Baltoro-Gletschers ist.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Viele Wanderer vergessen fast, den vorstehenden Blick zurück zu genießen, denn im Osten steht nun - frei sichtbar - der "leuchtende Berg", wie ihn  Reinhold Messner nannte, der Gasherbrum I oder Hidden Peak (8080 m):

(85) Blick von der Einmündung des Abruzzi-Gletschers in 4930 m Höhe
zum Gasherbrum I (Hidden Peak, 8080 m) und seinem südwestlichen Vorgipfel (7090 m)
Der Wanderer folgt der Mittelmoräne, die an den Fuß des Vorgipfels führt.
Auf dieser Moräne errichten die Gasherbrum-Expeditionen ihre Basislager (vergl. Bild Nr. 82).
Dort endet spätestens am Fuß der Felsen des Vorgipfels die Route der Trekker,
denn der weitere Aufstieg führt in den Abbruch des Gasherbrum-Gletschers,
dessen unteres Ende hier zu sehen ist. Dieser Gletscherbruch ist insbesondere bei
höheren nachmittäglichen Temperaturen sehr gefährlich und stellt selbst für erfahrene
Höhenbergsteiger ein ernsthaftes Hindernis dar.
Einen Weiterweg auf dem Abruzzi-Gletscher nach rechts lässt das dort
stationierte pakistanische Militär nicht zu.
Foto: Ferran Latorre, flickr.com

Auf dem Weg zu den Basislagern kommt links mehr vom langen Westgrat des Gi in Sicht:

(86) Blick vom Abruzzi-Gletscher zum Gasherbrum I (Hidden Peak, 8080 m)
Zu Füßen des Berges liegt der Gletscherbruch des Gasherbrum-Gletschers,
der für die Besteigungen von Gasherbrum I bis V zu überwinden ist.
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

Der Trekker, der auf der Mittelmoräne bis an den Fuß des Gasherbrum-Gletscherbruchs in 5150 m Höhe vorstößt, kommt in den Genuss des Blicks auf Gasherbrum III und II:

(87) Blick vom Fuß des Gasherbrum-Gletscherbruchs in 5150 m Höhe nach Norden
zu Gasherbrum III (7946 m), Gasherbrum II (8035 m)
und dem Ostgipfel des Gasherbrum II (7758 m)
Foto: unbekannt

Ein weiterer Einblick in die Runde der Gipfel um den Gasherbrum-Gletscher bleibt den Höhenbergsteigern vorbehalten. Vom flacheren Abschnitt in der Mitte des Eisbruchs in ca. 5500 m Höhe ist auch der Gasherbrum IV (7932 m) zu sehen:

(88) Blick vom Gasherbrum-Gletscher in ca. 5500 m Höhe nach Norden
zum Gasherbrum IV (7932 m), Gasherbrum III (7946 m) und Gasherbrum II (8035 m)
Foto: unbekannt

Wenn auch die folgende zweite Stufe des Gletscherbruchs überwunden ist, so steht der Bergsteiger in 5900 m Höhe am Platz des Lagers 1, wo die Routen zu allen Gipfeln im Umkreis beginnen. Die sehr schwierige Besteigung des Gasherbrum IV ist eher die extreme Ausnahme. Den Gasherbrum III hat ebenfalls so gut wie niemand zum Ziel, denn die Route zu seinem Gipfel ist zunächst identisch mit der auf den Gasherbrum II und von dort besteigt man eben lieber einen Achttausender als einen Siebentausender. Das Lager auf dem gasherbrum-Gletscher muss in respektvoller Entfernung von den Abhängen der Berge aufgebaut werden, denn die Lawinen, die von dort zu Tal gehen, haben auch noch mehrere hundert Meter vom Hangfuß entfernt eine vernichtende Kraft.

(89) Blick vom Camp auf dem Gasherbrum-Gletscher in 5900 m Höhe nach Norden
zum Gasherbrum IV (7932 m)
Die Route der italienischen Erstbesteiger führte in den Sattel an der Grenze zwischen Licht und Schatten, von dort auf den hier nicht sichtbaren Sattel des Nordostgrates und über diesen in sehr schwieriger Kletterei nach links hinauf zum Gipfel.
Foto: Mark Horrell, flickr.com

(90) Blick aus dem oberen Abbruch des Gasherbrum-Gletschers
zu den Gipfeln von Gasherbrum III (7946 m) und Gasherbrum II (8035 m).
Die Normalroute auf den G II führt über den Grat, der auf den Betrachter zuläuft, bis an den Fuß der braunen Gipfelfelsen, unter diesen in einer langen Querung nach rechts hinüber zum Südostgrat und über diesen hinauf zum Gipfel.
Foto: unbekannt

(91) Blick vom Camp auf dem Gasherbrum-Gletscher in 5900 m Höhe nach Ost-Südost
zum Gasherbrum I (Hidden Peak, 8080 m)
Die heute im Normalfall gewählte Route führt in den Sattel am linken Bildrand und von dort in relativ gerader Linie durch steile Schnee-Couloirs auf den Gipfel.
Foto: Mark Horrell, flickr.com

Aus dem Sattel am linken Rand des vorstehenden Bildes besteht die beste Sicht auf Gasherbrum V und Gasherbrum VI:

(92) Blick aus 6400 m Höhe am Sattel nördlich des Gasherbrum I nach Westen
zum Gasherbrum VI (6970 m) und Gasherbrum V (7140 m)
In Bildmitte rechts befindet sich die Gletscherebene in 5900 m Höhe, wo das Camp von Bild 91 steht.
Der Gasherbrum-Gletscher fließt von dort vor dem Gasherbrum VI nach links
zum Abruzzi-Gletscher.
Außerhalb des rechten Bildrandes stehen der Gasherbrum IV und Gasherbrum II.
Foto: Mark Horrell, flickr.com

Camp 2 am Gasherbrum II in 6500 m Höhe eröffnet gute Sichten auf den Gasherbrum-Gletscher, über den der Bergsteiger vom Abruzzi-Gletscher heraufgekommen ist, sowie auf Gasherbrum I, Baltoro Kangri und Gasherbrum VI:

(93) Blick vom Camp 2 am Gasherbrum II in 6500 m Höhe nach Südosten
zum Gasherbrum I (8080 m)
Foto: unbekannt

Das folgende Bild schließt unmittelbar rechts an:

(94) Blick vom Camp 2 am Gasherbrum II in 6500 m Höhe nach Süden
zum mächtigen Massiv des Baltoro Kangri (7345 m)
In dieser Perspektive sind alle 5 Gipfel des tief vergletscherten Berges zu sehen.
Die Gipfel des Mt. Ghent und des Saltoro Kangri stehen im Einzugsgebiet des
Siachen-Gletschers, auf dem die indischen Soldaten Dienst tun.
Auf dem Abruzzi-Gletscher ist die Mittelmoräne zu erkennen,
auf dem die Basislager für Besteigungen der Gasherbrum-Gipfel errichtet werden.
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Auch das folgende Bild schließt unmittelbar rechts an:



(95) Blick vom Camp 2 am Gasherbrum II in 6500 m Höhe nach Süden
in die Ostwand des Gasherbrum VI (6970 m)
Über dem Gipfelgrat sieht man den "Dachfirst" der Chogolisa (7654 m).
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Um über die Mauer von Gasherbrum VI und V nach Westen schauen zu können, muss man am Gasherbrum II höher hinauf steigen:

(96) Blick aus ca. 7700 m Höhe am Gasherbrum II nach Westen
über den Gasherbrum V hinweg
Rechts sind der Masherbrum (7821 m) zu sehen und ganz in der Ferne der Nanga Parbat (8125 m)
Foto: unbekannt; Beschriftung: Günter Seyfferth

Wir schließen die Bildfolge der Baltoro-Region ab mit der Rückkehr auf den Abruzzi-Gletscher, wo der Blick in die Ostwand der Chogolisa ein krönender Abschluss ist, sowie mit einem herrlichen Foto von der Besteigung der Chogolisa, aufgenommen von David Lama: 

(97) Chogolisa (7654 m) und Khumul Gri (6935 m) vom Abruzzi-Gletscher
Man sieht hier nur den Ostgipfel (7640 m) der Chogolisa.
Am linken Grat verunglückte Hermann Buhl im Jahr 1957.
Foto: Dieter Porsche, www.alpin-extrem.de

(98) Blick im Morgenlicht von der Chogolisa nach Nordwesten
Im Vordergrund sind die Gipfel des Khumul Gri (Vigne Peak) und der Biarchedi-Gruppe zu sehen.
Dahinter sind die Berge entlang des Nordrands des Baltoro-Gletschers aufgereiht,
vom Payu Peak im Westen über Biale, Biange, Thyor, Muztagh Tower, Praqpa Ri,
Skil Brum bis zum Angelus am K2.
In der Ferne sind sogar der Haramosh (7406 m), der Malubiting (7458 m), der Rakaroshi (7788 m),
der Kunyang Chhish (7852 m), der Kanjut Sar (7760 m) und The Crown (7295 m) zu sehen.
Welche eine Aussicht!
Aber der Körper schreit nach Sauerstoff - bei jedem Schritt.
Foto: David Lama; Beschriftung: Günter Seyfferth

 

 

H. Begrenzung der Region im Norden und Nordosten

Das Einzugsgebiet des Baltoro-Gletschers grenzt im Norden und Nordosten an das Staatsgebiet von China. Dort verläuft auch die lokale Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet des Indus und dem abflusslosen Bereich Zentralasiens. Die ausführliche Beschreibung der Regionen des Karakorum auf chinesischem Staatsgebiet finden Sie auf folgenden Seiten:

- Karakorum Nordost (North-Braldu, Shaksgam, Sarpo Laggo, Skamri)

- Karakoraum Ost/K2 und Shaksgam

Auch dort finden Sie ausführliche Landkarten und wunderbare, seltene Fotos.

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